Diako-Krankenhaus bekommt katholischen TrägerStreit um Schwangerschaftsabbrüche! Keine Abtreibungen mehr an Flensburger Klinik?

Ein Schwangerschaftstest wird in der Hand gehalten.
Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland nach §218 des Strafgesetzbuches grundsätzlich strafbar und nur in drei Konstellationen straffrei: bei medizinischer Indikation, bei kriminologischer Indikation oder mit vorheriger Schwangerschaftskonfliktberatung. (Symbolbild)
Hannes P. Albert/dpa

„Wegen eines religiösen Dogmas werden Frauenrechte beschränkt”!
Das befürchtet Jane Jöns von der Beratungsstelle ProFamilia. Denn: Beide Kliniken in Flensburg haben ab dem 1. März denselben Träger − die katholischen Malteser. Das bisher evangelische Diako-Krankenhaus führte im Gegensatz zum Malteser-Krankenhaus operative Schwangerschaftsabbrüche durch, doch das soll sich nun ändern!

Allgemeine Versorgung könnte sich verbessern

Durch den Zusammenschluss der beiden Klinken unter einem Träger soll es weniger Doppelstrukturen geben. Vor allem soll die Versorgung verbessert werden, unter anderem mit einer zentralen Notaufnahme. „Ein weiteres Thema wird die Frage sein, wie wir die beiden Operationsgebiete miteinander so zusammenbringen, dass wir seltener vielleicht Operationen verschieben oder absagen müssen“, sagt der Ärztliche Direktor Stephan Timm im RTL-Interview. „Ein Drittes ist sicher die Kapazität der Intensivstationen, die wir aufeinander abgestimmt einsetzen werden.” Langfristig bedeute das geringere Kosten. Doch erfolgen diese Maßnahmen auf Kosten schwangerer Frauen?

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Streitpunkt Schwangerschaftsabbruch

Was jedoch unter katholischer Trägerschaft nicht mehr angeboten werden soll: Schwangerschaftsabbrüche nach Beratung. „Es wird entfallen, das ambulante operative Angebot. Das sehen wir eher in einem ambulanten Setting”, so Kerstin Ganskopf von den Maltesern Norddeutschland. „Insofern sehen wir das nicht als Versorgungsauftrag unseres Hauses oder unserer Häuser an.” So wird der katholische Träger nur noch in Ausnahmen Abbrüche durchführen: Nach medizinischer Indikation oder wenn Leib und Leben der Frau gefährdet sind.

2024 gab es nach Angaben der Stadt Flensburg 250 Schwangerschaftsabbrüche, davon 32 im Diako-Krankenhaus. Birgit Lunde vom Diakonischen Werk im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg sieht darin eine Lücke in der Versorgung: „Wenn dann diese 32 auch noch wegfallen, ergibt sich vor allen Dingen für gesundheitlich beeinträchtigte Frauen eine Lücke, weil man ja ins Krankenhaus geht, wenn man zum Beispiel sowieso gesundheitliche Probleme hat und ein Risiko mit diesem Eingriff verbunden ist.”

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Beratungsstellen sind alamiert

Vor einem Schwangerschaftsabbruch ist eine Schwangerschaftskonfliktberatung in einer staatlich anerkannten Beratungsstelle wie der Diakonie oder ProFamilia nach wie vor Pflicht. Diese Beratungsstellen sind jetzt besorgt, denn in Flensburg gibt es nur noch zwei gynäkologische Praxen, die operative Abbrüche durchführen. Eine davon nur für die eigenen Patientinnen. Das nächste Krankenhaus ist in Husum oder Schleswig − ein weiterer Weg für betroffene Frauen.

Jane Jöns von ProFamilia Flensburg kritisiert die Entscheidung des katholischen Trägers daher scharf: „Wegen eines religiösen Dogmas werden Frauenrechte beschränkt, wird die gesundheitliche Versorgung von Frauen maßgeblich beschränkt.“ Und auch politisch wird gestritten: SPD, Grüne und SSW sind der Meinung, dass die Konfession eines Trägers nicht über die angebotene Gesundheitsversorgung entscheiden solle. Die CDU und auch das CDU-geführte Gesundheitsministerium sehen diese als nicht gefährdet.

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Hilfe für betroffene Frauen

Es gibt bereits Unterstützung für Betroffene: Die Stadt Flensburg fördert Ehrenamtliche, die Frauen im Schwangerschaftsabbruch begleiten, indem sie unter anderem Termine vereinbaren oder Kinder betreuen. Der Kirchenkreis Schleswig-Flensburg hat einen Hilfsfond im Wert von 5.000 Euro ins Leben gerufen, zum Beispiel um die Fahrt in eine andere Klinik zu bezahlen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche