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Wir erklären, was Sie bei ihren Willensbekundungen unbedingt beachten sollen

Ist eine Patientenverfügung nichtig, wenn man einen Organspendeausweis hat?

Organspendeausweis
Organspendeausweis
© dpa, Marie Reichenbach, mre sja sab

10. Dezember 2020 - 8:48 Uhr

Egal ob Patientenverfügung oder Organspendeausweis: Vorsorge ist wichtig!

Auch wenn wir die Gedanken über mögliche Krankheiten, Leiden und den Tod am liebsten ganz weit von uns wegschieben wollen, ist es wichtig, sich auch mit diesen unbequemen Themen auseinanderzusetzen. Bei uns in Deutschland gibt es zwei wichtige Verfügungen, durch die wir im Vorfeld entscheiden können, was mit uns in einem medizinischen Notfall passieren soll und ob wir unsere Organe spenden wollen oder nicht. Doch häufig passiert es, dass sich diese zwei unterschiedlichen Willenserklärungen – Patientenverfügung und Organspendeausweis – widersprechen. Wir erklären Ihnen, welche Folgen das für Sie als Patient mit sich bringen kann und was sie unbedingt berücksichtigen sollten.

Wie kommt es dazu, dass eine Patientenverfügung einer Organspende widerspricht?

Eine Patientenverfügung soll dabei helfen, im medizinischen Ernstfall den eigenen Willen durchzusetzen. So haben viele Menschen beispielsweise für den Fall einer schweren, irreversiblen Gehirnschädigung festgelegt, dass keine lebenserhaltenden Maßnahmen durchgeführt werden sollen. Gleichzeitig besitzen viele aber auch einen Organspendeausweis. Doch damit Organe entnommen werden können, müssen intensivmedizinische Maßnahmen weiter fortgesetzt werden, um zweifelsfrei den Hirntod feststellen zu können. Dies wiederum würde allerdings – sollte der Patient beispielsweise eine künstliche Beatmung ablehnen – der Patientenverfügung widersprechen. Was passiert also, wenn sich Patientenverfügung und Organspendeausweis gegenseitig ausschließen? Verliert die Patientenverfügung dann ihre Gültigkeit?

Wie handeln Ärzte, wenn sich Patientenverfügung und Organspendeausweis widersprechen?

In einem solchen Fall ist für die Ärzte und Ärztinnen nicht eindeutig klar, wie sie nun handeln sollen. "In der medizinischen Praxis kann diese unklare Situation dazu führen, dass eine Organentnahme oftmals gar nicht in Betracht gezogen wird", erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf der Homepage der deutschen Organspende.

+++ Corona und die Patientenverfügung: Gilt diese auch bei Covid-19? +++

Welche Lösungen gibt es bei einem Widerspruch?

Um solche Situationen zu vermeiden, hat die Bundesärztekammer (BÄK) ein Arbeitspapier veröffentlicht, worin sie für eine solche Situation ethische und rechtliche Empfehlungen ausspricht. Sollte der Fall eintreten, dass ein Patient, der in seiner Patientenverordnung angegeben hat, keine lebenserhaltenden Maßnahmen erhalten zu wollen, gleichzeitig aber der Organspende zugestimmt hat, bereits auf der Intensivstation liegen und künstlich beatmet werden, unterscheidet die BÄK zwischen drei verschiedenen Situationen:

  1. Sollten die Ärzte vermuten, dass der Hirntod bereits eingetreten ist, ist es laut der BÄK ethisch und rechtlich vertretbar, die erforderlichen Maßnahmen kurzzeitig aufrechtzuerhalten, um eine Organspende durchführen zu können: "Dieses Vorgehen beachtet auch den in der Patientenverfügung ausgedrückten Willen sterben zu dürfen, weil die intensivmedizinischen Maßnahmen nur für den Zeitraum fortgesetzt werden, der für die Realisierung der vom Patienten gewünschten Organspende erforderlich ist. Eine isolierte Betrachtung der Patientenverfügung ohne Rücksicht auf die Organspendererklärung würde dem Willen des Patienten nicht gerecht werden", heißt es dazu in dem Arbeitspapier. Ob ein Hirntod tatsächlich eingetreten ist, kann immer erst durch eine Hirntoddiagnostik festegestellt werden.

  2. Anders ist es, wenn die Ärzte vermuten, dass ein Hirntod möglicherweise erst in wenigen Tagen eintreten wird. Sollte der Patient allerdings schon versterben, bevor ein Hirntod eintritt, dürfen die Ärzte laut der BÄK keine lebenserhaltenden Maßnahmen durchführen. Zuvor müssen sie mit den Angehörigen oder einem Patientenvertreter – dabei handelt es sich um eine von dem Patienten zuvor festgelegte Person für Gesundheitsfragen – beraten, wie weiter vorgegangen werden soll.

  3. Sollte der Patient einen Herzstillstand erleiden und in der Patientenverfügung angeordnet haben, keine Reanimation durchzuführen, sollte nur aufgrund eines Organspendeausweises auf keinen Fall ein Wiederbelebungsversuch unternommen werden, da völlig ungewiss ist, ob ein Hirntod, der ja für eine Organspende Voraussetzung ist, eintreten wird.

Worauf muss ich bei der Erstellung meiner Patientenverfügung achten?

Beachten Sie also bei der Erstellung ihrer Patientenverfügung, dass diese – sofern sie einer Organspende zustimmen – nicht im Widerspruch mit ihrem Organspendeausweis steht. Dafür sollten Sie in ihrer Patientenverfügung ausdrücklich festlegen, was für Sie in einer solchen Situation Vorrang hat: Die Möglichkeit der Organspende oder auf lebensverlängernde Maßnahmen zu verzichten.

Wie sie dies am besten ausformulieren ist Ihnen überlassen, eine standartisierte Patientenverfügung gibt es in Deutschland nicht. Allerdings gibt es auf der Homepage der deutschen Organspende – auf der Sie im übrigen auch kostenlos einen Organspendeausweis bestellen können – Formulierungshilfen, um ihre Entscheidung für oder gegen einer Organspende unmissverständlich und klar auszudrücken. Warum es für jeden von uns wichtig ist, sich Gedanken um die Organspende zu machen, lesen Sie hier.

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