Grenze von 5.000 Intensivpatienten bald wieder überschritten

Intensivmediziner Karagiannidis: "Es sind die Berufstätigen, die im Moment auf der Intensivstation liegen"

Ärzte und Pfleger verlegen einen Patienten in eine neu geschaffene Intensivstaion im SRH Waldklinikum. Die jetzige Intensivstation wird für weitere schwer an Covid 19 erkrankte Patienten erweitert.
Ärzte und Pfleger verlegen einen Patienten in eine neu geschaffene Intensivstaion im SRH Waldklinikum. Die jetzige Intensivstation wird für weitere schwer an Covid 19 erkrankte Patienten erweitert.
© dpa, Bodo Schackow, tba

21. April 2021 - 11:43 Uhr

Divi-Leiter: Heute oder morgen wird die Grenze von 5.000 Intensivpatienten überschritten

Die Zahl der Schwerkranken mit Covid-19 auf deutschen Intensivstationen nähert sich der Marke von 5.000. In den Kliniken bundesweit werden nun 4.966 solche Fälle behandelt, das sind 34 mehr als am Vortag, wie aus dem Tagesreport des Robert Koch-Instituts (RKI) mit Daten des Divi-Intensivregisters vom Dienstag hervorgeht. So hoch war die Auslastung zuletzt Mitte Januar.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

„Enorme Belastung“ für Ärzte und Pflegekräfte

Einer der wissenschaftlichen Leiter des Intensivregisters, Christian Karagiannidis (Klinikum Köln-Merheim), zeigte sich in einer Video-Schalte des Science Media Centers (SMC) sehr beunruhigt durch die "enorme Belastung" für Ärzte und Pflegekräfte. Nur ein Drittel der Intensivstationen könne noch "einfach so" Patienten aufnehmen. Hunderten Kliniken mangele es an Personal, viele führten nur noch eingeschränkt planbare Operationen durch.

Entgegen der mittlerweile weit verbreiteten These, es werden massiv Intensivbetten abgebaut, entgegnet eine Divi-Sprecherin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Niemand baut Betten ab, aber wir haben einfach nicht das Personal, um sie zu betreiben". Ein freies Bett könne im Intensivregister nur dann als frei gemeldet werden, wenn eine Klinik genügend Ärzte und Pfleger habe, um einen Patienten oder eine Patientin darin zu versorgen. Wie viele Pflegekräfte nötig sind, hat sich im Verlauf der Pandemie mehrmals geändert. Hinzu kommen Ausfälle durch erkranktes Klinikpersonal, die etwa in der zweiten Welle laut einer Divi-Sprecherin zunahmen.

Je nach Region unterscheidet sich die Lage. Karagiannidis sagte, in Nordrhein-Westfalen seien von Montag auf Dienstag 20 Covid-19-Intensivpatienten hinzugekommen, in Köln komme die Mehrheit der Patienten derzeit aus der Gruppe der Berufstätigen. Wenig belastet sei hingegen Schleswig-Holstein. Daneben gebe es Bundesländer, in denen die Intensiv-Auslastung nicht ganz so stark steige, zum Beispiel in Berlin. "Das heißt, wir haben eine gewisse Verhaltensänderung auch der Bevölkerung." Menschen hätten offenbar die Warnungen aus der Medizin ernst genommen. Durch Ostern habe es eine Abbremsung gegeben.

Auswertungen zur Situation von deutschen Covid-19-Genesenen nach sechs Monaten zeigten ein "substanzielles Problem" auch bei Überlebenden, betonte Karagiannidis. In den Monaten nach der Entlassung müsse ein Teil von ihnen doch wieder ins Krankenhaus aufgenommen werden, einige stürben auch erst einige Zeit nach der Entlassung. Gesellschaftlich solle man deshalb auf das Vermeiden von Infektionen achten, um die Langzeitfolgen zu verhindern.

TVNOW-Dokus: Corona und die Folgen

Das Coronavirus hält die Welt seit mehr als einem Jahr in Atem. Auf TVNOW finden Sie jetzt spannende Dokumentation zur Entstehung, Verbreitung und den Folgen der Pandemie.

10 Fakten zur Corona-Impfung

Für viele Menschen rückt der erste Corona-Impftermin immer näher. Aber noch sind viele Fragen offen und täglich kommen neue hinzu. Wann kann ich mir einen Termin machen? An wen kann ich mich für einen Impftermin wenden? Worauf müssen Menschen mit Krebserkrankung und Schwangere achten? Darf ich mir meinen Wirkstoff selbst aussuchen und muss ich nach der Impfung die AHA-Regeln beachten? Sollte ich mich impfen lassen, obwohl ich schon Corona hatte? Diese und mehr Fragen beantworten wir in unserer Web-Story hier.

Quelle: DPA/RTL.de

Auch interessant