Long Covid: Immer mehr junge Menschen betroffen

Leistungssportlerin Lea (18) klagt über Langzeitfolgen: „Ich gehe eine Treppe hoch und kann danach nicht mehr“

21. April 2021 - 13:36 Uhr

Medizinische Untersuchung der Uniklinik Köln

Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit oder Geschmacksstörungen nach einer Corona-Erkrankung, Mediziner nennen das Phänomen Long Covid. Unter solchen Symptomen leiden rund 13 Prozent aller Patienten auch Monate nach der überstandenen Infektion, wie jetzt eine medizinische Untersuchung der Uniklinik Köln ergab. Neu ist, dass auch immer mehr junge Menschen betroffen sind. So auch Leistungssportlerin Lea Enstipp. Auch ein Jahr nach ihrer Covid-19-Erkrankung leidet die 18-Jährige unter den Langzeitfolgen. Welche das sind und wie es ihr heute geht, erzählt sie im Video.

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Bei Lea fingen nach ein paar Wochen die Probleme erst an

Basketball ist Lea Enstipps Leidenschaft. Die 18-Jährige spielte in der Jugendnationalmannschaft, war topfit. Doch vor einem Jahr steckte sie sich mit Corona an: Die starken Grippesymptome verschwanden nach einer Woche. Doch ein paar Wochen später fingen dann die richtigen Probleme an und belasten sie bis heute. "Ich habe immer noch Geschmacksverlust", sagt Lea uns. "Die Atemprobleme sind schlimm, ich gehe eine Treppe hoch und kann danach nicht mehr, dann diese Müdigkeit, wenn ich von der Schule komme, dann muss ich erstmal drei Stunden pennen, weil ich das nicht schaffe."

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15 Prozent der infizierten Kinder mit teils gravierende Spätfolgen

Typische Spätfolgen, die Experten als "Long Covid" bezeichnen, also Beschwerden nach der eigentlichen Corona-Erkrankung. Bisher war das vor allem bei Erwachsenen bekannt, doch durch die britische Virusmutation kämpfen jetzt auch immer häufiger jüngere Patienten damit. Erste Studien aus England zeigen, dass bei bis zu 15 Prozent der infizierten Kinder teils gravierende Spätfolgen auftreten können – selbst wenn die Corona-Erkrankung symptomfrei war. In Deutschland fängt man erst an, Daten zu erheben.

Anfragen nach Reha-Angeboten für junge Patienten häufen sich

In der auf die Behandlung von sogenannten Long-Covid-Erkrankungen spezialisierten Median-Klinik in Heiligendamm werden die Patienten immer jünger. Wie Chefärztin Dr. Jördis Frommhold der dpa berichtete, werden zunehmend 20- bis 30-Jährige stationär aufgenommen und im letzten Monat auch zwei 18-Jährige. Die Anfragen nach Reha-Angeboten für junge und sehr junge Patienten häufen sich.

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Lauterbach: Bedeutung von Long Covid wird dramatisch unterschätzt

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor dem Glauben, dass Kinder und Jugendliche bei einer Corona-Infektion nur mit grippeähnlichen Symptomen zu kämpfen haben. "Auch bei ihnen kann es eine Multi-Organ-Erkrankung werden." Die gefürchtete Entzündung der kleinen Gefäße könnte auftreten. Lauterbach kritisiert schon seit längerem, dass die Bedeutung von Long-Covid auch bei Erwachsenen dramatisch unterschätzt wird.

Nur 50 Kliniken in Deutschland sind auf Lungenkrankheiten spezialisiert

Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, erklärt das Phänomen: "Wir sehen da anscheinend eine Reaktion des eigenen Immunsystems, was diese Symptome bei Long Covid eben auch bei Jüngeren verursachen. Es gibt bisher keine eigene Therapie, viele Kliniken, die Covid-Patienten behandeln, bieten dazu auch Sprechstunden an." Doch dort drohen die Therapieplätze knapp zu werden, denn nur 50 Kliniken in Deutschland sind auf Lungenkrankheiten spezialisiert.

Was die Spätfolgen hervorruft, ist bislang noch unklar. Lea macht jetzt eine Atemtherapie. Sie hofft, dass sie dadurch wieder besser Luft bekommt. Doch ihre Basketball-Karriere ist für sie momentan noch sehr weit weg.

Quellen: dpa/RTL

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