Verschiedene Aktionen geplant

Impftempo in den Nord-Bundesländern nimmt ab: Ist das die Impfmüdigkeit?

Besonders der Corona-Impfstoffs des Pharmakonzerns AstraZeneca bleibt derzeit im Norden liegen.(Symbolbild)
Besonders der Corona-Impfstoffs des Pharmakonzerns AstraZeneca bleibt derzeit im Norden liegen.(Symbolbild)
© deutsche presse agentur

22. Juli 2021 - 13:22 Uhr

Impfdosen drohen zu verfallen

Machen wir jetzt etwa schlapp? Das Tempo der Erstimpfungen nimmt derzeit sowohl in Hamburg und Schleswig-Holstein als auch in Niedersachsen und Bremen ab. Tritt jetzt schon die Impfmüdigkeit bei uns ein? Nein – sagen zumindest die Gesundheitsbehörden der Länder. Um das Tempo wieder anzukurbeln, sind verschiedene Aktionen geplant – auch um das Wegschmeißen der kostbaren Dosen zu verhindern.

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Sind die Ferien der Grund für das langsame Impftempo?

Hamburg: Menschen gehen ins Impfzentrum in den Messehallen. Die Einrichtung ist nach Angaben der Gesundheitsbehörde zurzeit noch voll ausgelastet, soll aber Ende August geschlossen werden. (zu dpa «Keine Impfmüdigkeit in Hamburg
Das Impfzentrum in Hamburg ist das größte in Deutschland. Hier ist die Auslastung derzeit noch vergleichsweise hoch. (Archivbild)
© dpa, Marcus Brandt, bra axs

Die Zahl der täglichen Corona-Impfungen ist in Hamburg stark zurückgegangen. Von Impfmüdigkeit wollen Ärzte und Gesundheitsbehörde aber nicht sprechen. Am Dienstag dieser Woche wurden in Hamburg laut Robert Koch-Institut (RKI) 13.878 Pikse gesetzt (6.533 Erst- und 7.345 Zweitimpfungen). Auf dem bisherigen Höhepunkt der Kampagne in Hamburg waren am 23. Juni - einen Tag vor Beginn der Sommerferien - beinahe doppelt so viele Spritzen gesetzt worden.

Die Gesundheitsbehörde bemüht sich daher um eine Beschleunigung des Impftempos. Ein Angebot zu Impfungen ohne Termin wurde am vergangenen Samstag gut angenommen. Über 2.100 Menschen ließen sich impfen – mehr als erwartet. Weitere Impftage dieser Art sollen am 24. und 30. Juli sowie am 7. August folgen. Studenten können sich noch bis zum 27. Juli spontan eine erste Impfung im Hamburger Impfzentrum abholen.

In sozial schwächeren Stadtteilen können sich Hamburger in Jobcentern und Bürgerhäusern impfen lassen. Weitere dezentrale Impfzentren gibt es in fünf Krankenhäusern. Auch Betriebsärzte und mobile Teams sind im Einsatz.

Während im Impfzentrum bislang wohl keine Dosen liegen blieben, haben die niedergelassenen Ärzte Probleme mit AstraZeneca. Aktuell werde zwar nichts weggeworfen, aber die Ärzte bräuchten schnell eine Lösung, weil die Haltbarkeit bald ablaufe. Aus rechtlichen Gründen könne AstraZeneca nicht an die Apotheken zurückgegeben werden. "Der Bund muss hier möglichst bald eine Rückholaktion ermöglichen, damit der Impfstoff an Länder abgegeben werden kann, die ihn noch verwenden", forderte der Chef der Ärztevereinigung, Walter Plassmann in der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Aktionen sollen Impftempo in Niedersachsen ankurbeln

Niedersachsen, Hannover: Stephan Weil (r, SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, wird von Rettungsassistent Joachim Gerhardy bei seinem seinem Impftermin im Impfzentrum auf dem Messgelände Hannover mit dem Impfstoff AstraZeneca gegen das
Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) lies sich bereits Ende Mai impfen - mit dem Impfstoff AstraZeneca. Dieser bleibt mittlerweile zu großen Teilen liegen und droht abzulaufen.
© dpa, Julian Stratenschulte, jst

In Niedersachsen sind die Zahlen der Corona-Schutzimpfungen ebenfalls rückläufig – trotzdem sieht das Gesundheitsministerium noch keine Anzeichen für eine Impfmüdigkeit. Die Impfbereitschaft sei nach wie vor hoch, am vergangenen Wochenende alleine wurden mehr als 58.000 Impfungen durchgeführt, wie das Ministerium mitteilte. Impfdosen hätten auch noch nicht in größerem Umfang entsorgt werden müssen.

Gegen eine weitere Drosselung des Tempos will man nun mit einer Informationskampagne vorgehen, die in Kürze startet. Unentschlossene, Ängstliche und auch Impfgegner sollen damit zu einer Impfung bewegt werden. Die Kampagne soll sich auch in anderen Sprachen an Migranten richten. Außerdem sind niedrigschwellige Impfangebote, etwa auf Wochenmärkten oder in Fußgängerzonen geplant. Zuvor wurden bereits gesonderte Aktionen für Kinder durchgeführt.

Wie die Kassenärztliche Vereinigung mitteilte, sei die Zahl der Impfungen in den Arztpraxen seit rund zwei Wochen fallend. Im Gegensatz zu vorher übersteige die Anzahl der theoretisch möglichen Impfstofflieferungen die aktuelle Nachfrage. Die Arztpraxen passten die Bestellungen an den tatsächlichen Bedarf an, damit kein Impfstoff weggeworfen werden müsse.

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Impfmüdigkeit in Schleswig-Holstein kein Thema?

Auch in Schleswig-Holstein sind schon Impfdosen verfallen. Dabei handele es sich allerdings nur um eine geringe Menge "in keiner nennenswerten Größenordnung", wie der Staatssekretär der Gesundheitsbehörde, Matthias Badenhop der dpa mitteilte. Das Impftempo könne derzeit allerdings trotz sinkender Erstimpfungen hoch gehalten werden, wie ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung der dpa sagte: "Das Impftempo bleibt durch die jetzt vermehrten Zweitimpfungen aber hoch."

Nach Angaben des RKI sind in Schleswig-Holstein fast zwei Drittel (63,8 Prozent) der Bevölkerung mindestens erstgeimpft und fast die Hälfte (49,5 Prozent) sogar vollständig (Stand: 21. Juli).

Bremen liegt im Ländervergleich mit an der Spitze

Das kleinste Bundesland Bremen hält mit einem großen Impfzentrum das Tempo hoch und liegt deshalb im Ländervergleich mit an der Spitze. Auch Impfdosen seien bislang keine verfallen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsressorts. Die Termine im Impfzentrum seien in der Regel ausgebucht. Allerdings soll das Impfzentrum hinter dem Hauptbahnhof Mitte August von drei Messehallen auf eine Halle verkleinert werden. Ein weiteres Zentrum im Norden von Bremen wurde bereits Ende Juli geschlossen.

Besondere Impfaktionen gab es in Bremen für Studenten. Auch werden in den Häfen von Bremen und Bremerhaven ausländische Seeleute direkt an ihren Schiffen geimpft. Seit rund zwei Wochen sind zudem zwei Impfmobile in den verschiedenen Stadtteilen Bremens unterwegs und bieten niedrigschwellig und wohnortnah eine Impfmöglichkeit an. (dpa/nfi)

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