Von magnetischen Armen bis zur Unfruchtbarkeit

Irre Impf-Gerüchte im Netz: Was ist dran, Dr. Eckart von Hirschhausen?

Dr. Eckhart von Hirschhausen räumt mit den kuriosesten Impf-Gerüchten aus dem Netz auf
Dr. Eckhart von Hirschhausen räumt mit den kuriosesten Impf-Gerüchten aus dem Netz auf
RTL

Arzt und Schriftsteller steht Rede und Antwort

Dr. Eckart von Hirschhausen ist Entertainer, Schriftsteller und Arzt. Er sagt: „Impfen ist sinnvoll, es ist sicher, es ist solidarisch. Wir tun das nicht nur für uns, sondern auch für die Menschen um uns herum!“ Aber was ist mit den vielen, teilweise extrem kuriosen Behauptungen, die man im Internet findet: Alles nur Humbug, oder haben manche Theorien einen wahren Kern? Wir haben den Experten gefragt.

Quellen überprüfen: So wichtig wie Hände waschen

Dass sich um die Corona-Impfung so viele Gerüchte ranken, überrascht von Hirschhausen nicht: „In der Geschichte des Impfens gabs immer wieder Skepsis. Das ist nicht neu, das gab‘s schon 1850, als man gegen die Pocken geimpft hat, das gab‘s gegen die Polio-Impfung.“ Impf-Mythen nutzten die Angst von Menschen, schließlich gehe dabei etwas buchstäblich „unter die Haut“, erklärt er. Umso wichtiger sei es deshalb, Quellen zu überprüfen: „Genauso, wie wir uns in der Corona-Pandemie angewöhnt haben, unsere Hände zu waschen, um keine Viren weiterzugeben, sollten wir uns auch angewöhnen, keinen Bullshit aus dem Netz weiterzugeben, ohne das einmal einordnen zu können.“

Gerücht 1: Unser Arm wird nach der Impfung magnetisch

Im Netz behaupten einige angeblich gegen Corona Geimpfte, ihr Arm sei nach der Spritze magnetisch geworden. Als „Beweis“ hängen sie Kühlschrankmagneten an die Einstichstelle – die augenscheinlich haften bleiben. Wir zeigen von Hirschhausen das Video einer TikTok-Userin. „Wenn ich solche Videos sehe, muss ich nur lachen. Weil ich mich sehr viel mit Zauberkunst beschäftigt habe.“ Für ihn ist die Erklärung für das angebliche Phänomen klar: „Schweiß und die natürlich klebende Haut.“ Um das zu entlarven, müsste man nur den Arm der Frau mit Alkohol reinigen. „Ich wette mit ihnen um eine Million Dollar: Die Münze wird fallen.“

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Gerücht 2: Mit der Impfung wird ein Chip unter die Haut gepflanzt

„Ich wundere mich immer, was Verschwörungstheoretiker für Ideen haben, wie diese Welt gesteuert werden kann“, so von Hirschhausen. Mit einem Blick hinter die Kulissen würde man sehen, „dass viele Dinge eben gar nicht so wahnsinnig gesteuert gelaufen sind“, sagt er im Hinblick auf die Logistik von den Masken bis zu den Impfstoffen. Außerdem: „Jeder, der schon mal mit Microsoft-Produkten gearbeitet hat, weiß, die sind jetzt nicht ganz ohne Fehler. Und zuzutrauen, dass Bill Gates dahintersteckt, tut ihm glaube ich wirklich Unrecht“, ergänzt der Schriftsteller lachend.

LESE-TIPP: Bill Gates’ Tochter wurde geimpft – aber ohne Mikrochip

Gerücht 3: Man darf vor und nach der Impfung keine Schmerzmittel nehmen

Dass man sich nach der Impfung etwas krank und schlapp fühlt, sei genau die beabsichtigte Reaktion des Immunsystems, erklärt von Hirschhausen. „Impfen ist ein Training für den Körper.“ Von dem immer wieder gehörten Tipp, schon vor der Impfung vorsorglich Mittel gegen Schmerzen einzunehmen, rät von Hirschhausen tatsächlich ab: „Schmerzmittel wirken ja über die Entzündungsreaktion des Körpers.“ Es sei zwar noch nicht bewiesen, aber plausibel, dass die Einnahme zu vieler Schmerzmittel den Lerneffekt des Immunsystems abschwächen.

„Nun soll auch keiner unnötig leiden“, rät er für die Zeit nach der Impfung. „Das heißt, wer starke Symptome hat, kann sich mit einem frei verkäuflichen Schmerzmittel helfen: Ibuprofen, Paracetamol.“

LESE-TIPP: Geimpft – und jetzt? Das passiert nach dem ersten Piks im Körper

Gerücht 4: Die Impfung kann unfruchtbar machen

„Ich bin mir sicher, dass Impfen nicht unfruchtbar machen kann. Wenn es einen Zusammenhang gäbe, wäre der schon längst aufgefallen“, so der Arzt. „Coronaviren sind ja eine ganze Gruppe, wir hatten schon Epidemien mit SarS 2002, 2003 – Frauen sind nach der Infektion genauso schwanger geworden.“ Die Impfung sei nichts Unnatürliches, „sondern ein natürliches Trainingscenter für einen Vorgang, der mit der vollen Infektion den Körper viel, viel härter trifft. Wenn also die Impfung als kleines Abbild von der Infektion unfruchtbar machen würde, würde man auch erwarten, dass die Infektion selbst unfruchtbar macht. Auch das ist nicht beobachtet worden.“

"Gesunde Menschen gibt's nur auf einer gesunden Erde"

Für von Hirschhausen ist die Pandemie „sowohl ein Vorbote als auch eine Konsequenz von der Art und Weise, wie wir mit der Natur umgehen.“ Langfristig müsse gelten: „Gesunde Menschen gibt’s nur auf einer gesunden Erde mit gesunden Tieren. Stop dem Wildtierhandel – da kamen diese Viren her.“ In seinem neuen Buch „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“* dröselt der Experte den Klimawandel und seine Folgen auf – und zwar klug und humorvoll, wie unsere Redakteurin Lauren Ramoser findet. (rka)

"Impfen gegen Corona": Die Initiative von RTL, Stern & Co.

STERN, RTL und ntv starten in Zusammenarbeit mit Handbook Germany die bundesweite Initiative "Impfen gegen Corona". Die Initiative möchte aufklären und informieren. Noch mehr aufgeklärte Mythen und Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Corona-Impfung finden Sie in elf Sprachen auf der Online-Plattform www.impfen-gegen-corona.eu.

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