Rezension zu "Mensch, Erde!" von Dr. Eckart von Hirschhausen

Sympathischer kann man die Klimakrise kaum erklären

Mediziner Eckart von Hirschhausen analysiert in seinem neuen Buch die Klimakrise.
Mediziner Eckart von Hirschhausen analysiert in seinem neuen Buch die Klimakrise.
© dpa, Julian Engels, vco

27. Mai 2021 - 9:25 Uhr

Artensterben, Gesundheitsprobleme, Umweltbelastung

von Lauren Ramoser

Wie schlimm steht es wirklich um unseren Planeten? Und wer ist eigentlich Schuld daran? Reicht es aus, wenn ich etwas mehr Bahn statt Auto fahre? Auf diese und viele andere Fragen findet Dr. Eckart von Hirschhausen in seinem neuen Buch "Mensch, Erde!" Antworten. Die sind für uns Leser unbequem, ehrlich und schonungslos – und daher sollten wir sie unbedingt kennen.

520 Seiten voller Probleme - aber auch Lösungen

In seinem neuen Buch "Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben" hat sich der Arzt und Entertainer Dr. Eckart von Hirschhausen mächtig was vorgenommen: die Klimakrise. Auf über 520 Seiten dröselt Hirschhausen die Krise auf, verpackt in kleine und verdauliche Hiobsbotschaften.

Das ist für Leser dankbar und nur ehrlich. Denn in seiner fundierten Analyse von Klimastudien zeigt Hirschhausen: Hier lässt sich nichts beschönigen. Angereichert mit Anekdoten von Treffen mit Klimavorreitern und Größen des Umweltschutzes wie der berühmten Affen-Forscherin Jane Goodall. Das liest sich kurzweilig und interessant.

Was man als Leser allerdings sofort ablegen sollte, ist die Distanz zum Thema, auch wenn es weh tut. Denn eins wird von Seite zu Seite klarer: Wir tragen alle eine Mitschuld und die Jahre, in denen wir alle vermeintlich gedankenlos konsumieren konnten, sind aus Sicht unseres Planeten auf jeden Fall vorbei. Wer nicht bereit ist, sich das einzugestehen, sollte umso dringender dieses Buch lesen.

Kann man Witze über die Klimakrise machen?

Dass Eckart von Hirschhausen nicht nur Buchautor, sondern vor allem Entertainer ist, wird schon auf den ersten Seiten deutlich. Wer ihn aus dem Fernsehen oder von der Bühne kennt, hat sofort seine Stimme im Ohr. Das lässt die Buchkapitel fast wie ein Programm wirken und natürlich findet sich auch hier viel Humor. Auch wenn es laut Einband "Garantiert 10% weniger lustig als früher" ist.

Anekdotische Scherze mischen sich mit Wortwitzen und immer wieder ertappt man sich dabei zu schmunzeln und zu lachen, während das Kapitel den katastrophalen Stand unseres Planeten näher beschreibt. Und da ist Hirschhausen Gefahr gelaufen, dass es schräg wirkt, Witze um die größte Krise unserer Zeit zu machen – doch der Spagat gelingt überraschend gut. Denn als Leser will ich hin und wieder schmunzeln, auch wenn die Situation ernst ist, sonst ist das alles nicht zu ertragen.

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Selbst wer sich in puncto Klimakrise für gut informiert hält, findet hier dennoch viele neue Informationen, Beispiele und persönliche Anekdoten. "Mensch, Erde!" ist klug, man mag es lesen und das trotz des schwerverdaulichen Themas. Hirschhausen gelingt hier ein feiner Vermittlungsjob zwischen der Klima-engagierten "Fridays for Future"-Generation und den älteren Semestern. Die sind seit Jahrzehnten sein Kernpublikum, wenn er als Entertainer auf der Bühne steht und man liest, dass er diese Zielgruppe gut kennt und daher mit einem Augenzwinkern an ihre eigenen Klima-Verantwortung erinnern kann.

Alltagstipps, Bilder und Grafiken, alles in bunt und vieles mit einem Schmunzeln, lockern die Informationsfülle auf. Auch wenn die Umsetzung des digitalen Anspruchs im Layout hin und wieder hinkt, etwa wenn Computermäuse über auf Buchseiten gedruckte Links fahren.

Über die wenigen Schwächen trösten dann Bilder von Eckart von Hirschhausen, lächelnd in einem Badesee, auf Baumwurzeln liegend oder schlafend im Zug hinweg. Das stimmt nicht nur Fans gut auf die folgenden Kapitel ein – auch wenn auch die Analyse dann leider keine heile Welt zeigt. Aber das ist der Gewinn dieses Buches. Die Klimakrise ist zwar ernst, aber so charmant und sympathisch erklärt, ist dennoch Hoffnung da.

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