"Ich hatte drei glückliche Tage"

Nawalnys Ehefrau meldet sich mit emotionalem Post nach Besuch bei Alexej

Julia Nawalnaja meldet sich nach einem Besuch bei ihrem Mann bei ihren Unterstützern
Julia Nawalnaja meldet sich nach einem Besuch bei ihrem Mann bei ihren Unterstützern
© dpa, Alexander Zemlianichenko, AZ mbu

05. August 2021 - 19:17 Uhr

Post aus dem Straflager

Es ist still geworden um den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny, der seit mehreren Monaten in einem russischen Straflager inhaftiert ist, weil er angeblich gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll. Doch jetzt meldet sich seine Frau mit einem emotionalen Post, nachdem sie ihren Ehemann in dem Lager für drei Tage besuchen durfte.

„Ich saß einige Zeit im Gefängnis. So cool!“

Es ist sieben Monate her, dass der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny bei seiner Rückreise nach Russland verhaftet und vor Gericht gestellt wurde. Seitdem lebt er in einem Straflager rund 100 km östlich von Moskau. Doch jetzt hat er Besuch von seiner Frau Julia bekommen. Drei Tage durfte sie bleiben. "Ich saß einige Zeit im Gefängnis. So cool!", schreibt die 45-Jährige dazu auf ihrem Instagram-Account.

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Dazu postete sie ein Selfie vor dem Eingangstor des Straflagers. Offenbar waren im Innern keine Fotos erlaubt. Doch Julia Nawalnaja lässt ihre Abonnenten über ihren Text, den sie unter das Foto gepostet hatte, an dem Besuch teilhaben.

Drei glückliche Tage

Tief betroffen und emotional schildert Nawalnys Frau dort, wie sie ihren Mann das erste Mal seit Monaten wiedergetroffen hat. "Dann wird ein dünner, braun gebrannter, lächelnder Mann in einem Gefängnisanzug hereingebracht." Sie hätten die Zeit gemeinsam in Besuchsräumen mit Küche verbracht.

+++ Lebenszeichen von Nawalny aus dem russischen Straflager +++

Es sind glückliche Tage für die beiden. "Genau wie in dem Lied - "Ich hatte drei glückliche Tage". Kein Glas und Gitter. Ein geliebter Mensch ist in der Nähe", beschreibt Nawalnaja die Zeit mit ihrem Mann. "Der geliebte Mensch ist dort. Du streckst die Hand aus und berührst sie, immer noch ein wenig überrascht, dass niemand versucht, dich aufzuhalten", schreibt sie weiter.

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Ein bisschen Normalität

Überrascht zeigt sich die Oppositionelle, die selbst Demonstrationen gegen Russlands Präsident Waldimir Putin anführt, auch von dem, was sie im Straflager vorfindet. "In dem Straflager Pokrow ist alles sehr anständig, und es sieht aus wie ein Zwei-Sterne-Hotel, es gibt sogar Gemälde an den Wänden."

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Ob sie dies schreibt, um ihrem Mann keine weiteren Schwierigkeiten zu bereiten oder ob es tatsächlich der Wahrheit entspricht ist nicht bekannt. Auch nicht, ob nur die Besucherräume so "komfortabel" ausgestattet sind.

Bekannt ist aber, was Julia Nawalnaja ihrem Mann als Begrüßungsgeschenk mitgebracht hat: viel zu Essen, darunter einen Topf Borschtsch (traditionelle russische Rote-Beete-Suppe/Anm. der Redaktion) mit Sauerampfer und eine Tüte Kirschen. Ein Stück Normalität für ihren Ehemann. Denn das sei das, was er am meisten vermisse.

Kremlgegner Alexej Nawalny mit seiner Frau auf dem Rückflug nach Russland
Kremlgegner Alexej Nawalny mit seiner Frau auf dem Rückflug nach Russland
© dpa, Mstyslav Chernov, DL pda

„Nach drei Tagen ist es vorbei"

Doch die drei glücklichen Tage, wie Nawalnys Frau sie nennt, sind schnell wieder vorbei. "Nach drei Tagen ist es vorbei, und mein Ehemann wird wieder in ein Gewand gekleidet und abgeführt", schreibt sie. In diesem Moment hätte sie ihren Ehemann am liebsten zurückgehalten - "aber die einzige Waffe ist ein leerer Borschtsch-Topf." Sie solle aber allen Unterstützern Nawalnys "herzliche Grüße" ausrichten.