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Ehefrau von Kreml-Kritiker gibt ehrliches Interview

So erlebte Alexej Nawalnys Ehefrau Julia Nawalnaja die Zeit nach dem Giftanschlag

Julia Nawalnaja spricht sehr ehrlich über den Kampf für ihren Mann Alexej Nawalny.
Julia Nawalnaja spricht sehr ehrlich über den Kampf für ihren Mann Alexej Nawalny.
© deutsche presse agentur

03. März 2021 - 18:40 Uhr

Julia Nawalnaja spricht offen über ihre Gefühle

Am 21. August 2020 waren alle Augen auf sie gerichtet: Einen Tag, nachdem der russische Kreml-Kritiker Alexej Nawalny Opfer eines Giftanschlags geworden war, forderte seine Frau Julia Nawalnaja eine sofortige Ausreisegenehmigung. Kurz darauf durfte Nawalny nach Deutschland ausgeflogen werden. Als er während seiner Behandlung in der Berliner Charité 18 Tage lang im Koma lag, wich sie nicht von seiner Seite. In einem Interview mit dem Lifestyle-Magazin "Harper's Bazaar" spricht Nawalnaja über ihre Gefühle während dieser Zeit.

Julia Nawalnajas Mantra: „Gib nicht auf"

Sie habe viel Zuspruch bekommen, als ihr Ehemann mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden sei, so die 44-Jährige. Dabei habe ihr das Mantra "Gib nicht auf" geholfen. Es sei ihre Hauptlektion für 2020. "Keine Schwäche zeigen, sich nicht selbst bemitleiden und das tun, was getan werden muss", so die studierte Ökonomin.

Als Alexej Nawalny verhaftet wurde, rief seine Frau zu Massenprotesten auf.
Als Alexej Nawalny verhaftet wurde, rief seine Frau zu Massenprotesten auf.
© dpa, Uncredited, AZ nic

Was das für sie bedeutet, zeigte Nawalnaja nach ihrer Rückkehr nach Russland: Als ihr Ehemann dort verhaftet wurde, rief sie zu Massenprotesten auf, an denen sie auch selbst teilnahm und dafür mehrfach verhaftet wurde. "Das Leben hat meinen Willen gestärkt", sagt sie, gibt sich dabei aber bescheiden. Auf die Frage, ob sie selbst von Natur aus furchtlos sei oder eine Strategie habe, die Angst zu bewältigen, sagte sie: "Manchmal fragt mein Mann: 'Hast du Angst?' Ich antworte dann: 'Du weißt, was für ein Feigling ich bin', und er sagt: 'Deshalb bist du so mutig: Du behauptest, ein Feigling zu sein, aber du zeigst, es niemandem.'"

Darum kehrte das Ehepaar zurück nach Moskau

Das Interview gab die zweifache Mutter bereits im Januar, als sich ihr Ehemann noch in Deutschland erholte. "Ich wäre unehrlich, wenn ich sagen würde, dass ich mir keine Sorgen mache. Ich weiß nicht, wie alles ausgehen wird", sagte sie. Im Ausland zu bleiben, sei für das Ehepaar aber keine Option gewesen – "auch und gerade, weil das zu viele mächtige Leute gerne gesehen hätten", so Nawalnaja. "Ich liebe Moskau, bin dort geboren und aufgewachsen." Seit dem Attentat sei ihr öfter mulmig. "Nicht sehr gute Leute wollten ihn stoppen. Das heißt, dass ihnen das nicht gestattet werden darf."

17.01.2021, Schönefeld: Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und seine Ehefrau Julia sitzen in einem Flugzeug auf dem Weg nach Moskau.
17.01.2021, Schönefeld: Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und seine Ehefrau Julia sitzen in einem Flugzeug auf dem Weg nach Moskau.
© dpa, Mstyslav Chernov, DL pda

Auch wenn Julia Nawalnaja bereits als "First Lady" der russischen Opposition bezeichnet wird, sei eine politische Karriere vorerst nicht ihr Ziel. "Obwohl ich, besonders, was die Rolle der Frau betrifft, durchaus meine Überzeugungen habe. Was wir zum Beispiel brauchen ist eine Gleichheit beim Einkommen. Dieses Problem muss auf staatlicher Ebene behoben werden." Ebenso wichtig sei es ihr, das Problem der alleinerziehenden Mütter zu lösen: "Millionen junger Frauen kämpfen verzweifelt ums Überleben."

Schlag ins Gesicht für Putin

Dass Nawalnaja mit einer Fotostrecke in einem Hochglanzmagazin abgebildet wird, ist für den russischen Präsidenten Wladimir Putin ein Schlag ins Gesicht. Er nennt Nawalny nie beim Namen, bezeichnet ihn als unbedeutenden Blogger. "Er gibt nicht auf, und ich werde nicht aufgeben", sagte Nawalnaja über ihren Ehemann. Sie unterstütze ihn nicht, weil sie seine Ehefrau sei, sondern "weil ich seine Anhängerin und der Mensch bin, der am besten von allen weiß, was ihn all diese Jahre gekostet haben".

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