Wie sicher sind solche Implantate?

Hormonstäbchen wandert vom Arm in die Lunge

© BMJ Case Reports

22. Juli 2019 - 14:27 Uhr

Frau aus Portugal hatte starke Blutungen

Weil sie seit drei Monaten Blutungen hatte, ließ sich eine 31-Jährige Frau aus Portugal auf der Gynäkologiestation im Krankenhaus untersuchen. Dort stellte sich heraus: Das Hormonstäbchen, mit dem die Frau verhütete, war in ihrem Körper gewandert und von ihrem Oberarm in die Lunge gelangt. Aus dieser musste es operativ entfernt werden. Wie kann so etwas passieren und wie sicher sind Hormonimplantate eigentlich?

Hormonimplantat gelangte in den Blutkreislauf

Die 31-Jährige, die bereits seit acht Jahren Hormonimplantate benutzt, hatte das Stäbchen in ihrem Oberarm nicht mehr ertasten können - und auch für die behandelnden Ärzte des Krankenhauses in Viana do Castelo nördlich von Porto war das Implantat zunächst nicht mehr auffindbar. Erst Röntgenaufnahmen zeigten: Es war bis in die Lunge gewandert! Das geht aus einem Fallbericht von "BMJ Case Reports" hervor, über den zunächst die "Daily Mail" berichtet hatte.

Die Ärzte vermuten, dass das Stäbchen zu tief eingesetzt worden war. Passiert das, können die kleinen Implantate tatsächlich im Körper wandern. Im Fall der 31-Jährigen sei das Stäbchen von einem Blutgefäß aufgenommen worden und daraufhin in den Blutkreislauf gelangt - und zwar zunächst in das Venensystem und von dort aus in die Lunge.

Zyklus der Frau war durcheinander

Für die lange andauernden Blutungen der Frau gebe es dagegen eine simple Erklärung: Weil das Hormonstäbchen nicht mehr an Ort und Stelle saß, habe es den Zyklus der 31-Jährigen durcheinandergebracht.

Hormonimplantate können im Körper wandern

Dass Implantate im Körper wandern, kann hin und wieder vorkommen. "Das Risiko ist sehr gering", erklärt die Londonerin Gynäkologin Dr. Tania Adib zu dem Fall jedoch. "Es erhöht sich, wenn das Hormonstäbchen nicht korrekt eingesetzt wurde, also etwa zu tief." Für sehr schlanke Frauen sei das Risiko höher. Frauenärzte, die das Implantat einsetzen, müssten außerdem unbedingt entsprechend geschult sein, um korrekt arbeiten zu können.

Die Wahrscheinlichkeit für eine sogenannte Implantatmigration liegt laut der Deutschen Apothekerzeitung jedoch nur bei 1,3 pro eine Million verkaufter Implantate. Trotzdem weist auch der Implantat-Hersteller MDS darauf hin, dass die Hormonstäbchen nach dem Einsetzen nicht immer an Ort und Stelle bleiben und schon in Gefäßen, im Brustraum und eben in der Lunge gefunden wurden.

So funktioniert das Hormonstäbchen

Das vier Zentimeter lange und zwei Millimeter dicke Hormonstäbchen wird an der Innenseite des Oberarms unter der Haut eingesetzt und setzt dort permanent Hormone frei. Das Gestagen Etonogestrel, das auch in einigen Anti-Baby-Pillen steckt, gelangt von dort aus ins Blut und verhindert den monatlichen Eisprung. Zudem verdickt es den Schleim im Gebärmutterhals. Die Wirkung hält für maximal drei Jahre an, danach muss das Hormonimplantat entfernt oder gewechselt werden. Das Hormonstäbchen ist eines der sichersten Verhütungsmethoden, aber nur etwa ein Prozent der Frauen verhütet mit einem solchen Implantat.

Frauen sollten den Sitz des Stäbchens regelmäßig überprüfen und sicherstellen, dass es sich nicht bewegt hat. Kann man das Hormonstäbchen nicht mehr im Arm fühlen, sollte man das überprüfen lassen. Manchmal passiert es, dass das Implantat nicht mehr leicht aufzufinden ist und mittels Ultraschall oder MRT gesucht werden muss. Mitunter geht es ganz im Körper verloren. Damit es auch beim Röntgen sichtbar wird, enthält das Hormonimplantat geringe Mengen Bariumsulfat als Kontrastmittel.

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In welche vier Phasen der weibliche Monatszyklus unterteilt wird und was in welcher Phase im Körper passiert, erklären wir im Video.