Homöopathie statt Antibiotika: Francesco (7) stirbt an den Folgen einer Mittelohrentzündung

Bei dem kleinen Francesco hatte die Mittelohrentzündung dramatische Folgen.
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13. März 2018 - 12:32 Uhr

Tragischer Tod bewegt Italien

Der sieben Jahre alte Francesco aus Cagli (Ostitalien) leidet an einer hartnäckigen Mittelohrentzündung. Üblicherweise verschreiben Ärzte bei einer solchen Erkrankung Antibiotika. Doch die Eltern verweigern es. Stattdessen wird er mit Homöopathie behandelt. Diese Entscheidung hat tödliche Folgen.

Die Infektion führte zum Hirntod

Eine Erkältung oder Grippe geht bei Kindern manchmal mit einer Mittelohrentzündung einher. Das ist nichts Ungewöhnliches und in den meisten Fällen ungefährlich. Und so ahnte niemand, wie gefährlich die Erkrankung für Francesco werden könnte. "Wir haben dem Doktor immer vertraut", so wird die Mutter in der Zeitung 'Corriere della Serra' zitiert. 

Eine Mittelohrenzündung wird üblicherweise mit Antibiotika behandelt. Weil die Eltern jedoch seit Jahren darauf verzichten wollen, wurde ihr Sohn mit Homöopathie behandelt. Bis dahin habe diese Therapie immer helfen können. Auch diesmal soll der Arzt den Eltern Hoffnung gemacht haben, dass ihr Sohn wieder gesund werde. Doch die Infektion breitete sich aus. Der Zustand von Francesco verschlimmerte sich zunehmend. Schließlich verlor er das Bewusstsein. Im Krankenhaus wurde sofort eine Antibiotikatherapie eingeleitet und der Junge wurde operiert. Doch die Infektion hatte bereits zu schweren Hirnschäden geführt, was zum Hirntod führte. Die Eltern wollen nun die Organe des Sohnes spenden.

Nach dem tragischen Vorfall wollen die Großeltern den behandelnden Arzt verklagen, der die Homöopathie-Behandlung unterstützt hat. Gegen ihn sollen nun rechtliche Schritte eingeleitet werden. Es ist noch unklar, ob auch gegen Francescos Eltern vorgegangen wird.

Dr. Christoph Specht klärt die wichtigsten Fragen

"Nicht jede Mittelohrentzündung muss man mit Antibiotika behandeln", sagt Dr. Christoph Specht. Im Fall des kleinen Francesco habe die Entzündung zu einer Hirnhautentzündung geführt - diese hätte aber verhindert werden können, sagt der Mediziner. "Ob man Abtibiotika braucht oder nicht, entscheidet dann der Arzt." Wann der Einsatz von Antibiotika auf jeden Fall notwendig ist, erklärt Dr. Christoph Specht im Video.

Homöopathie ist umstritten

Die homöopathische-Therapie, die auf den deutschen Arzt Samuel Hahnemann aus dem 18. Jahrhundert zurückgeht, baut auf der These auf, dass Krankheiten geheilt werden, indem man dem Kranken eine geringe Dosis eines Stoffs gibt, der unverdünnt genau diese Krankheit auslösen würde. Die Wirksamkeit der Therapie, die auch in Deutschland viele Anhänger hat, ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt.