Welcher Politiker zeigt Krisen-Qualitäten?

Laschet, Baerbock und Scholz - Wahlkampf in Unwetter-Trümmern

Armin Laschet und Horst Seehofer (rechts) im Gespräch.
Armin Laschet und Horst Seehofer (rechts) im Gespräch.
© imago images/Political-Moments, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

20. Juli 2021 - 10:39 Uhr

Wirbelt Unwettertief Bernd den Wahlkampf durcheinander?

von Maximilian Storr

Überflutete Keller, zertrümmerte Häuser, gesprengte Straßen: Die Hochwasser-Katastrophe erschüttert mit unfassbaren Bildern. Zu den besonders hart getroffenen Orten reisen Deutschlands Spitzenpolitiker: Während Kanzlerkandidat Armin Laschet die Union dabei in Erftstadt in eine mögliche Krise lacht, unterstützt Kanzlerin Merkel die an Multiple Sklerose leidende Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bei der Besichtigung des Dorfes Schuld in Rheinland-Pfalz.

Markus Söder (CSU) und Olaf Scholz (SPD) trösten eine verzweifelte Frau in Südostbayern. Und Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock vermeidet bei ihrem Besuch das Scheinwerferlicht bewusst. Die Trümmerfelder in NRW, Rheinland-Pfalz und Bayern, sie sind derzeit auch eine Bühne für Deutschlands Spitzenpolitiker – und könnten den Wahlkampf richtig durcheinanderwirbeln.

+++ Alle aktuellen Infos zum Hochwasser im Liveticker +++

Laschet als Verlierer?

Der große Verlierer der Spitzenkandidaten ist bisher zweifelsohne CDU-Mann Armin Laschet: Während Bundespräsident Steinmeier live den Flutopfern seine Anteilnahme ausspricht, lacht und feixt Laschet im Hintergrund – und ganz Deutschland schaut zu. Für den Mann, der künftig Deutschlands Regierungschef werden will, ein Desaster:

"Wäre ich Kommunikationsberater von Armin Laschet, ich glaube, ich würde mir ernsthaft überlegen, zu kündigen", sagt Prof. Reimar Zeh, Inhaber des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft an der Universität Nürnberg-Erlangen. Für Laschets Umfragewerte könnte sein Auftritt verheerende Folgen haben. Cleverer hat sich da jemand anderes angestellt – und zwar, indem sie das Scheinwerferlicht geschickt gemieden hat.

Baerbock als Gewinnerin ?

Annalena Baerbock besuchte ebenfalls die Hochwasser-Gebiete, allerdings ohne öffentlichen Auftritt. "Ich glaube, das hat sie tatsächlich ganz gut gemacht", sagt Professor Zeh, betont aber auch: "Baerbock ist in einer unglaublich schwierigen Situation. Man kann da eigentlich als Oppositionspolitikerin nur Fehler machen. Und alles eine Nummer kleiner zu machen und nicht den ganzen Berliner Pressetross mitzuschleppen, war sicherlich besser, als es anders zu machen." Und weil das Thema Klimawandel durch das Hochwasser noch stärker in den Fokus rückt, sieht Zeh die Grünen im Wahlkampf jetzt in einer günstigen Position. "Sie müssen die Gunst der Stunde nutzen, wenn die Klimadebatte jetzt den Wahlkampf dominiert, aber sie dürfen nicht zu sehr nach vorne preschen."

Ein Lob gibt es auch für den Auftritt von Kanzlerin Merkel und der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Dreyer. Die Kanzlerin hatte Dreyer, die an MS leidet, beim Gang durch das Katastrophengebiet gestützt: "Das sind natürlich sehr emotionalisierende Bilder, die dort auch entstanden sind", so Zeh. Und mit Wahlkampf hatten sie eher weniger zu tun. Während Dreyer erst im März wiedergewählt worden ist, wird Merkel ihre politische Karriere bekanntlich beenden.