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Heroin-Welle überschwemmt Berlin: Drogen kosteten Uwe nach 25 Jahren Sucht das Leben

Autorin Kerstin Herrnkind auf den Spuren ihres Bruders

Heroin-Welle überschwemmt Berlin: Drogen kosteten Uwe nach 25 Jahren Sucht das Leben

Heroin-Hölle Berlin: Uwe stirbt nach 25 Jahren Sucht Kerstin Herrenkind auf den Spuren ihres Brudes

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Von Remzi Karga und Lisa Siewert

Geschichten über Drogentote gibt es viele. Doch nur selten lassen uns Hinterbliebene so nah an ihrer Trauer teilhaben, wie es Journalistin Kerstin Herrnkind in ihrem Buch "Den Drachen jagen" macht. Ihr Bruder war 25 Jahre lang süchtig. Bis er eines Tages tot aufgefunden wird. Im Alter von 52 Jahren stirbt er an einem Drogencocktail aus Heroin, Alkohol und Medikamenten. Die Journalistin sucht verzweifelt nach Antworten – im Video.

Weltweit konsumieren schätzungsweise 13,5 Millionen Menschen Opiate - überwiegend Heroin. Davon nimmt die Öffentlichkeit größtenteils kaum Notiz. Warum Süchtige krank sind, Hilfe brauchen und was Angehörigen von Suchterkrankten tun können, wenn sie unterstützen möchten, sehen Sie im Video.

2020 starben in Deutschland 1.581 Menschen an Drogen

„Uwe war einer von 1.581 Menschen, die 2020 in Deutschland an illegalen Drogen starben. 183 mehr als im Jahr davor. Im Schnitt starben etwa vier Menschen am Tag. In Berlin gab es im ersten Halbjahr 88 Drogentote Einer davon war Uwe. Zahlen, Zahlen, Zahlen. Dahinter verbergen sich menschliche Schicksale. Schicksale wie das von Uwe“, schreibt Kerstin Herrnkind in ihrem Buch „Den Drachen Jagen“.

Die Drogen haben Kerstin Herrenkinds Bruder das Leben gekostet. Hätte sie ihren Bruder retten können? Warum ist es überhaupt soweit gekommen? Welche Rolle spielt dabei ihre Familiengeschichte? Erst als sie anfängt, sich beim Schreiben ihres Buches mit diesen und anderen Fragen auseinanderzusetzen, findet sie Antworten auf ihre Fragen. Wir haben die Journalistin und Autorin auf den Spuren ihres toten Bruders in Bremen und Berlin begleitet, mit ihr über den Verlust ihres Bruders Uwe gesprochen und Plätze aufgesucht, die in ihrem Buch und ihrem Leben eine entscheidende Rolle spielen.

Lese-Tipp: Heroin - eine der gefährlichsten Drogen der Welt

Journalistin und Autorin Kerstin Herrnkind erzählt in ihrem Buch "Den Drachen Jagen", wie ihr Bruder Uwe drogensüchtig wurde
Journalistin und Autorin Kerstin Herrnkind erzählt in ihrem Buch "Den Drachen Jagen", wie ihr Bruder Uwe drogensüchtig wurde.
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Ist Drogenabhängigkeit eine Krankheit oder selbstverschuldetes Leid?

Wenn Menschen über den Tod und Verlust von geliebten Vertrauten sprechen, hat es oft einen bitteren Beigeschmack. Erst recht, wenn es sich bei den Toten um Junkies handelte. Man könnte auch von Suchterkrankten sprechen, doch krank scheint man in dieser Gesellschaft nur dann zu sein, wenn man sich das „Leid“ nicht selbst hinzugefügt hat. Dabei passiert vieles im Verborgenen und bleibt unsichtbar für gesunde Menschen.

Lese-Tipp: Berlin: Für Partygänger und Junkies - Stadt testet bald Drogen kostenlos auf Qualität

Die Gesamtzahl aller Drogensüchtigen in Deutschland liegt bei rund 200.000 Menschen. Allein Berlin verzeichnet laut Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung schätzungsweise 139.000 Konsumenten illegaler Drogen. Doch abseits von dem, was wir über die vermeintliche Partyhauptstadt Berlin zu wissen meinen, jagt man dem „Drachen“ nicht etwa in einem der vielversprechenden Berliner Klubs nach. Viel eher sind es Hinterhöfe, Treppenhäuser oder U-Bahnhöfe - wie die in der Schönleinstraße. Ein Ort, der Kerstin Herrnkind wohl ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird.

Kerstin Herrnkind auf den Spuren ihres Bruders Uwe in Berlin
Kerstin Herrnkind auf den Spuren ihres Bruders Uwe in Berlin.
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Kerstin Herrnkind über ihre letzte Begegnung mit Uwe

Als sie ihren Bruder ein letztes Mal verabschiedet, sind es die Signaltöne der U-Bahnlinie 7, die die Schönleinstraße tagein und tagaus entlang fährt, die ihr in Erinnerung bleiben, erzählt uns die Autorin.

Arm in Arm gingen Kerstin Herrnkind und ihr Bruder Uwe über den Kiez in Neukölln, sie kauften Tabak für Uwe, bevor er sie zur U-Bahn in der Schönleinstraße brachte, schildert Herrnkind ihre letzte Begegnung mit ihrem Bruder: „Uwe warf mir einen Handkuss zu. Ich küsste zurück. Krachend schlossen sich die Türen des Waggons. Knapp sechs Wochen später war Uwe tot.“

Kerstins Reise durch Berlin und die Suche nach dem Grund für Uwes Sucht, sehen Sie im Video.

Hier finden Betroffene Hilfe:

Betroffene brauchen schnelle und zuverlässige Hilfe. Wir zeigen, welche Anlaufstelle für wen die richtige ist. Eine Auflistung aller großen Anlaufstellen bei Suchterkrankungen finden Sie hier.