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Hammer-Urteil: Bundesrepublik haftet für verpassten Flug

Spektakuläres Gerichtsurteil stärkt Verbraucherrechte

Bundesrepublik haftet für verpassten Flug

02.10.2021, Niedersachsen, Langenhagen: Reisende warten im Terminal C vom Flughafen Hannover-Langenhagen auf die Sicherheitsabfertigung. Weil der von der Bundespolizei für die Abfertigungs-Kontrollen beauftragte Dienstleister massive Personalprobleme hat, kam es zuletzt zu großen Wartezeiten, teilweise verpassten Reisende deswegen ihre Flüge. Foto: Michael Matthey/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Personalprobleme - Lange Wartezeiten am Flughafen Hannover
mm ogu, dpa, Michael Matthey

von RTL-Verbraucherexperte Ron Perduss

Nichts ist ärgerlicher als den Flug in den wohlverdienten Urlaub zu verpassen. Besonders dann, wenn man als Reisender selbst nichts falsch gemacht hat, sondern Dritte am verpassten Flug schuld sind. Ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt/Main nimmt diese nun in die Verantwortung.

Bundesrepublik Deutschland haftet für verpassten Flug

Im konkreten Fall wollten ihren Sommerurlaub in der Dominikanischen Republik verbringen. Wie von der Fluggesellschaft empfohlen, waren die Urlauber bereits knapp drei Stunden vor Abflug am Check-In Schalter. Zwei Stunden vor Abflug fanden sich die Urlauber dann an der Sicherheitskontrolle ein. Doch hier verzögerte sich die Gepäck- und Sicherheitskontrolle erheblich. Das Gericht sagte zwar, dass man als Fluggast mit Wartezeiten rechnen müsse. Jedoch sollten diese nach oben nicht offen sein.

Durch die schlechte Dienstplanorganisation an der Sicherheitskontrolle verzögerte sich die Abfertigung, so dass die Urlauber zu spät am Gate erschienen und ihren Flug verpassten.

Ersatzflug muss bezahlt werden

Die Urlauber musste auf eigene Kosten neue Flüge buchen und verlangten entsprechenden Schadenersatz von der Bundesrepublik Deutschland. Diese sind für die Sicherheitskontrollen über die Bundespolizei verantwortlich. Das Oberlandesgericht Frankfurt/Main sah es als erwiesen an, dass die Sicherheitskontrolle hätte besser organisiert sein müssen. Den Klägern steht der Ersatz der Zusatzkosten zu.

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Wie verhalte ich mich, wenn ich betroffen bin?

Verpassen Sie Ihren Flug, muss zuerst geprüft werden, wer Schuld daran ist. In einem Fall, wie hier vor dem OLG Frankfurt/Main verhandelt, ist es wichtig, dass Sie alle relevanten Informationen gut dokumentieren. Also:

  • Wann waren Sie am Check In?
  • Wann waren Sie an der Sicherheitskontrolle?
  • Wann waren Sie am Gate?

Lassen Sie sich am besten vor Ort die Zeiten bestätigen, wenn Sie absehen können, dass beispielsweise die Sicherheitskontrolle länger dauern wird. Noch einfacher geht das natürlich, wenn Sie Zeugen benennen können. Auch Fotos (die meist digital mit Datum und Uhrzeit markiert sind) können bei der Beweisführung helfen. Die Forderung für den Ersatz von beispielsweise neuen Flugtickets oder auch einer Hotelübernachtung richten Sie direkt an die Bundespolizei unter Verweis auf das Urteil des OLG Frankfurt/Main.

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