27. Juni 2019 - 9:53 Uhr

Er wehrte sich mit brennendem Spiritus gegen seine Einweisung

Elf Jahre Haft wegen Mordes, versuchten Mordes, schwerer Körperverletzung und Brandstiftung - so lautet das Urteil des Hamburger Landgerichts gegen Tim B. Außerdem muss der 29-Jährige dauerhaft in eine psychiatrische Klinik. Tim B. war schon vor der Tat in Behandlung. Als ihn im September vergangenen Jahres drei Behördenmitarbeiter in die Psychiatrie einweisen wollten, übergoss er die Männer plötzlich mit brennendem Spiritus. Ein Beamter starb noch am Unglücksort. Wie die Familie des Opfers auf das Urteil reagiert hat, erzählt ihr Anwalt im Video.

Witwe weint vor Gericht – Verurteilter zeigt sich kühl

Bei der Urteilsverkündung wischte sich die Witwe des Opfers immer wieder Tränen aus den Augen, berichtet RTL-Reporterin Jannika Schultz aus dem Gerichtssaal. Der Richter sagte, dass der Verurteilte weder Mitgefühl noch Reue empfinden würde. Tim B. hätte um jeden Preis verhindern wollen, in eine psychiatrische Klinik eingewiesen zu werden. Dass dabei andere Menschen verletzt oder sogar getötet werden, habe er in Kauf genommen. Laut Urteil gilt der Täter wegen seiner psychischen Erkrankung als vermindert schuldfähig, aber nicht als schuldunfähig.

Behörden schätzten Tim B. als ungefährlich ein

Nur wenige Tage vor der Feuer-Attacke hatte eine Richterin Tim B. in seiner Wohnung aufgesucht, weil er auf Antrag seines Betreuers in eine Klinik eingewiesen werden sollte. Der Betreuer hatte Sorge, Tim B. könne sich selbst etwas antun. Die Richterin bemerkte damals keine Anzeichen für eine Gefahr für andere. Das war eine klare Fehleinschätzung, heißt es heute vom Hamburger Landgericht.

Behördenmitarbeiter werden von Feuer-Angriff überrascht

Aufgrund der Einschätzung der Behörden fuhren die drei Mitarbeiter im September 2018 ohne Polizeischutz zu Tim B. in die Wohnung. Sie selbst sind unbewaffnet. Als sie den psychisch kranken Hamburger einweisen wollten, schloss sich der 29-Jährige in seinem Zimmer ein. Behördenmitarbeiter Orkan K. trat schließlich die Tür ein.

Dann schüttete Tim B. plötzlich brennenden Spiritus auf den 50-Jährigen Mitarbeiter und seine Kollegen. Die Kleidung zweier Männer ging sofort in Flammen auf. Orkan K. flüchtete brennend und in Panik ins Freie und brach auf einer Wiese vor dem Haus zusammen. Er starb noch am Unglücksort.

Sein damals 59 Jahre alter Kollege überlebte die Tat, weil er ins Badezimmer rannte und sich dort mit Wasser löschte. Er erlitt schwere Verbrennungen. Weil die Wohnung im dritten Obergeschoss nach dem schrecklichen Anschlag brannte, sprang Tim B. aus dem Küchenfenster und verletzte sich dabei schwer. Nur der 58-jährige Betreuer von Tim B. kam mit leichten Blessuren davon.