Dr. Specht erklärt, wie das sein kann

Großbritannien: Mehr als die Hälfte aller Delta-Toten war geimpft

Eigentlich soll die Corona-Impfung vor schweren Krankheitsverläufen und Tod schützen. (Symbolbild)
Eigentlich soll die Corona-Impfung vor schweren Krankheitsverläufen und Tod schützen. (Symbolbild)
© picture alliance, Victoria Jones

28. Juni 2021 - 9:41 Uhr

Alte und Kranke trotz Impfung an Delta-Variante gestorben

Das sind beunruhigende Zahlen! Die britische Gesundheitsbehörde "Public Health England" sagt: Mehr als die Hälfte der Patienten, die durch die Delta-Variante gestorben sind, waren bereits geimpft. Bei 117 Toten konnte die Delta-Variante nachgewiesen werden. 50 von ihnen waren vollständig geimpft, 20 davon hatten nur eine Impfdosis erhalten, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet. Die Gestorbenen waren überwiegend sehr alt oder gesundheitlich bereits sehr angeschlagen, so die Wissenschaftler. Aber wie kann das möglich sein – das haben wir Mediziner Dr. Christoph Specht gefragt.

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Warum gibt es trotz Impfung Delta-Tote?

Dr. Specht: "Der Impfstoff ist ja auf den Urtypus gebaut worden. Da passt er super, da kann er in vielen Fällen sogar die Infektion verhindern. Aber jetzt mit den Varianten, da passt der Impfstoff nicht mehr ganz exakt. Trotzdem - er kann immer noch sehr zuverlässig sein." Vor allem in Zahlen ausgedrückt ist der geringere Impfschutz bei der Delta-Variante deutlich zu erkennen.

"Man weiß, dass bei nur einmal Geimpften der Schutz vor neuen Varianten nicht besonders gut ist – maximal 30 Prozent bei einem mRNA-Impfstoff, bei AstraZeneca etwas weniger. Beim Urtypus ist der Impfschutz um die 50 Prozent." Im Vergleich dazu liege der Schutz bei Vollgeimpften bei einer mRNA-Impfung bei 88 Prozent – beim "Ur-Virus" bei 90 Prozent, so Dr. Specht. Aber: "Die Engländer sind hauptsächlich mit AstraZeneca geimpft worden. Außerdem waren die allermeisten davon Hochbetagte und Vorerkrankte." Genau diese Gruppe an Menschen, die ohnehin ein schwaches Immunsystem hat, ist laut Dr. Specht besonders benachteiligt bei der Delta-Variante: "Die gleichen Menschen wären, wenn es noch den Urtypus geben würde, besser geschützt."

RTL-Medizinexperte Dr. Specht
RTL-Medizinexperte Dr. Specht sieht trotz neuer Varianten Hoffnung in der Impfung gegen das Coronavirus.
© RTL

Trotzdem ist der Mediziner zuversichtlich: "Wir müssen uns keine Sorgen machen in Deutschland. Wir müssen schon aufpassen: Maske tragen in geschlossenen Räumen ist immer noch sinnvoll. Aber wir sollten jetzt keine Panik bekommen, sondern gucken, dass wir das mit der Impferei hinbekommen. Wenn wir viele doppelt Geimpfte haben, ist es das Beste, was wir tun können."

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60 Prozent der Briten vollständig geimpft

In Großbritannien ist die Delta-Variante zur dominierenden Corona-Variante geworden. 111.000 Menschen haben sich bisher mit ihr angesteckt, so die FAZ. 1.320 davon mussten wegen der Infektion im Krankenhaus behandelt werden. Aber es gibt auch Zahlen, die Hoffnung machen. Großbritannien hat bereits einen sehr hohen Impfstand. 60 Prozent der Bevölkerung sind bereits vollständig geimpft, 83 Prozent haben zumindest die erste Impfung erhalten.

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Mehr Tests gleich mehr erkannte Fälle

Einige britische Wissenschaftler machen darauf aufmerksam, dass die vergleichsweise sehr hohen Delta-Varianten-Fälle auch an den vielen Tests in Großbritannien liegen könnten. Im Vereinigten Königreich würden täglich fast eine Millionen Tests gemacht. Dementsprechend sei die Zahl der entdeckten Fälle auch relativ hoch. Großbritannien teste zehnmal mehr als vergleichbare Länder in Europa. (gas/dbö)

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