Greenpeace-Deutschland-Geschäftsführer Martin Kaiser im RTL-/ntv-Interview

"Laschet steht für Partei, die Klimaschutz seit 15 Jahren systematisch verhindert!"

23. Juli 2021 - 18:53 Uhr

Greenpeace fordert andere Klimapolitik

Die Wirtschaft macht zu wenig, um das Klima zu retten – so die Meinung von Greenpeace-Geschäftsführer Deutschland, Martin Kaiser. Warum es dringend eine andere Klimapolitik braucht und welche Maßnahme die zukünftige Bundesregierung in Angriff nehmen muss, erklärt Kaiser auf dem SZ-Nachhaltigkeitsgipfel im RTL-/ntv-Interview.

Kaiser: "Wir brauchen eine Mobilitätsgarantie für jeden Menschen hier in Deutschland!"

Nach der Flutkatastrophe sei laut Kaiser nun eins klar: "Dieses Economy-First-Paradigma – das muss vom Tisch! Es wird uns nichts nützen, wenn wir in der Gesellschaft das Klimachaos bekommen, das nützt auch der Wirtschaft nicht."

Auf die Frage, wie Klima und Wirtschaft vereinbar sei, sagte Kaiser: "Wir haben jetzt vier Jahre große Koalition hinter uns, die nicht den Mut hatte, die notwendigen Rahmenbedingungen gesetzlich so festzulegen, dass wir den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen können, sehr schnell auf 100 Prozent bringen und auf der anderen Seite die Kohle bis spätestens 2030 aus dem Energiesystem rausbekommen."

Der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse Hand in Hand gehen mit dem beschleunigten Ausbau von Elektromobilität, so Kaiser gegenüber RTL/ntv. Das heiße nicht, dass jedes Auto, was jetzt einen Verbrennermotor habe, 1:1 mit einem Elektroauto ersetzt werde, sondern es brauche viel intelligentere Mobilitätskonzepte.

"Ich glaube, wir brauchen eine Mobilitätsgarantie für jeden Menschen hier in Deutschland – ob in der Stadt oder auf dem Land und da kann das Auto eine Rolle spielen, aber dann das Elektroauto, denn das ist die effizienteste Form". Auch der öffentliche Nahverkehr, Elektrobikes, Fahrräder und auch der Personennahverkehr spielten eine Rolle.

Greenpeace-Chef Deutschland: Laschet steht für Partei, die Zukunft unserer Kinder und Enkel verspielt hat!

Auf die Frage, ob die künftige Bundesregierung diese Herausforderungen auch wirklich lösen könne, sagte der Greenpeace-Geschäftsführer im RTL-/ntv-Interview: "Wenn der Kanzlerkandidat der Union sich nach dieser Klimaflut hinstellt und sagt: Wegen einem Tag Regen ändert er nicht seine Klimapolitik, dann möchte ich nicht diesen Tag erleben, an dem er seine Politik ändert", so Kaiser.

Dazu sagte er weiter: "Ich glaube, Herr Laschet steht für eine Partei, die jetzt seit 15 Jahren Klimaschutz systematisch verhindert, Interessen der fossilen Industrien in der Regierung umsetzt und damit die Zukunft für unsere Kinder, für unsere Enkel verspielt hat."

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Kaiser: "Es ist klar geworden, wenn wir jetzt nicht den Klimaschutz auf ganz andere Füße stellen, dann geht es um Leib und Leben"

Ob die Brisanz der Klima-Lage in der Union erkannt wurde, dazu sagte Kaiser: "Ich glaube, Herr Söder präsentiert sich gerade als lahme Ente. Nachdem er jetzt nicht Kanzlerkandidat der Union wurde, bringt er seine persönlichen Meinungen zum Ausdruck, um grüne Wählerstimmen abzufangen. Aber er sollte doch jetzt im Kern als CSU-Vorsitzender im Wahlprogramm der Union durchsetzen, dass der Kohleausstieg bis 2030 kommt".

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Weiter sagte der Greenpeace-Chef Deutschland, Söder solle sich verabschieden von seiner 10H-Windabstandsregelung, denn selbst die bayerische Wirtschaft sehe das als Hemmschuh für die zukünftige Entwicklung.

Nach Kaiser sei klar: "Die Flutkatastrophe hat die Debatte in unserer Gesellschaft gravierend verändert. Es ist klar geworden, wenn wir jetzt nicht den Klimaschutz auf ganz andere Füße stellen, dann geht es um Leib und Leben, dann geht es um die Existenz". (lwe)

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