Ihre Mutter wurde zerstückelt in einem Koffer gefunden

"Sie ist ein Sonnenschein" - so geht es der kleinen Tochter der getöteten Ekaterina B. heute

Ekaterina (†32) war Mutter einer mittlerweile fünfjährigen Tochter.
Als ihre Mutter verschwand, war die Tochter fünf Jahre alt.
privat

von Thees Jagels und Daniel Kandora

Was muss dieses kleine Mädchen alles mitgemacht haben? Als sie gerade einmal fünf Jahre alt ist, verschwindet ihre Mutter Ekaterina. Nach aufwendigen Suchmaßnahmen wird die Frau tot gefunden – Teile der Leiche sind in einem Koffer in Bremerhaven entsorgt worden. Schnell wird der Vater des Mädchens und Ehemann der Toten, Walter B., verdächtigt. Als mögliches Motiv wird vermutet, dass er das alleinige Sorgerecht für sein Kind wollte. Im Prozess gesteht dann die Oma des Mädchens und Mutter des Angeklagten die Tötung.

Tochter von Ekaterina B. "ein Sonnenschein"

Im Gerichtsprozess um die getötete Ekaterina B. sagt an diesem Dienstag ein Mitarbeiter des Jugendamts aus und spricht auch über das gemeinsame Kind von Opfer und Angeklagtem: „Sie ist ein Sonnenschein, es gibt überhaupt gar keine Probleme, Sie spricht inzwischen sehr gut deutsch. Im Moment ist es ein bisschen so, dass sie sich langweilt. Sie freut sich darauf, dass sie im Sommer in die Schule gehen kann.“ Das Mädchen sei in einer Wohngruppe untergebracht und gehe in den Kindergarten. Theoretisch hätte sie auch schon eingeschult werden können.

Walter B.: Vater, Sohn, Angeklagter

Diese guten Nachrichten scheinen auch den Vater des Mädchens, Walter B., zu freuen. Der Angeklagte hört den Aussagen gespannt zu und ist offensichtlich erleichtert, etwas über den aktuellen Zustand seiner Tochter zu hören. Er scheint gerührt zu sein, schaut auch zu seiner Mutter ins Publikum. Die hatte im Oktober des vergangenen Jahres zugegeben, Ekaterina getötet zu haben. Aktuell gilt sie offiziell als Zeugin. Sollten ihre Aussagen als glaubwürdig eingestuft werden, könnte sich das aber noch ändern.

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Jugendamt: Immer wieder gab es Streit

Bereits Ende 2019 wird das Jugendamt auf die Familie B. aufmerksam gemacht, eine mögliche Kindeswohlgefährdung steht im Raum. Immer wieder kommt es in der Folge zu Streitereien zwischen den Eltern Ekaterina und Walter, mehrmals wird die Polizei gerufen. „Wir haben dann entschieden, dass sie ein Familienstabilisierungsprogramm mit mehreren Stunden und intensivere Betreuung bekommen. (...) Beendet wurde die Maßnahme mit der Entscheidung, dass die Tochter bei Herrn und Frau B. Senior unterkommen soll, und Ekaterina und Walter B. sich erstmal klar werden, was sie wollen“, sagt der Sozialarbeiter am Dienstag vor Gericht.

Ekaterina B. wurde fast vier Wochen lang vermisst. Jetzt gibt es traurige Gewissheit. Die Mutter wurde tot aufgefunden.
Ekaterina B. wurde fast vier Wochen lang vermisst, ehe sie tot aufgefunden wurde.
Privat

Wie geht es mit dem Mädchen weiter?

In der Folge nähern sich die Eheleute offenbar wieder an, doch der Frieden währt wohl nur kurz. Das Hin und Her geht immer weiter. Gerade für das Kind keine einfache Situation: „Jetzt im Nachhinein kann man natürlich sagen, dass wir sie hätten rausziehen müssen. Aber wir waren der Einschätzung und sehen es auch heute noch so, dass es besser für das Kind war, sie in der Familie zu belassen.“, sagt der Mitarbeiter des Jugendamts. Die Zukunft des Mädchens ist noch ungeklärt: So könnte sie eventuell in die Obhut ihrer anderen Großmutter in Russland gegeben werden.