Wirkung und Anwendungsgebiete

Gesundheitslexikon: Johanniskrautöl

28. August 2019 - 13:01 Uhr

Johanniskrautöl - wohltuend bei Sonnenbränden, Bauchkrämpfen und Sportverletzungen

Johanniskrautöl kann gegen Hautreizungen und Rötungen nach dem Sonnenbad helfen. Eine Massage mit dem Heilöl kann Magenkrämpfe, Zerrungen und Prellungen lindern. Die Blüten, Blätter und Samenkapseln des leuchtend gelben, an Waldrändern und auf Lichtungen wachsenden, Johanniskrautstrauches sind seit Jahrtausenden für ihre Heilkraft bekannt und werden traditionell ab dem 24. Juni, zur Sommersonnenwende, geerntet. Das Johanniskraut, lateinisch "Hypericum perforatum", gehört zur Unterfamilie der rosenähnlichen Pflanzen. Wildes Johanniskraut wächst überall in Europa, Asien und Nordamerika, aber auch in den gemäßigten Klimazonen der Südhalbkugel. Es wird außerdem in Plantagen kultiviert.

Was ist Johanniskrautöl?

Für die Herstellung des Johanniskrautöls werden die Spitzen der 30 bis 100 Zentimeter hohen Blütenstände geerntet, zerkleinert und mit hochwertigem Oliven- oder Leinöl versetzt. Beim Zerkleinern der Blüten tritt die rote Farbe des Pflanzenwirkstoffs "Hypericin" aus, die dem Öl seinen Zweitnamen "Rotöl" gab. Johanniskrautöl wirkt keimtötend und antidepressiv. Die Samenkapseln der Pflanze bergen den Serotoninhemmer "Xanthon" und den Adrenalinhemmer "Hyperforin". Seine Gerbstoffe und Flavonoide wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Johanniskrautöl eignet sich für Sportmassagen ebenso wie für Hautbehandlungen und als Soforthilfe gegen Migräne und Menstruationsbeschwerden.

Wirkung

Die Heilwirkung der Naturstoffe Hypericin und Hyperforin wird von der Kräutermedizin hochgepriesen. Ihre antioxidative Kraft bekämpft nachweislich Entzündungen und stärkt die Immunabwehr, die Gerbstoffe begünstigen die Narbenheilung. Die genaue Wirkungsweise des Naturöls ist allerdings noch nicht entschlüsselt. Schulmediziner zweifeln deshalb an der Effizienz des Naturöls. Breitflächig angewandt, birgt Johanniskrautöl auch Risiken. So kann es Schmerzen und Spannungszustände erhöhen. Die Naturmedizin kennt diese Phänomene allerdings als "Erstverschlimmerung". Nach dem Hahnemannschen "Schlüssel-Schloss-Prinzip" müssen die Nebenwirkungen von Pflanzenstoffen deren Wirkungen entsprechen, um zu helfen.

Anwendungsgebiete

Das Johanniskrautöl ("Hyperici Oleum") wird vorwiegend bei Sportverletzungen und Ischiasschmerzen, Entzündungen und kleineren Wunden einmassiert. Als Hautfunktionsöl eignet es sich bei wunder, rissiger Haut. Es kann Kälteschrunden und Ekzeme lindern und bei Muskelkater entspannend wirken. Auch nach Saunagängen sind Einreibungen mit Johanniskrautöl beliebt. Paracelsus entdeckte die antirheumatische Wirkung des Öls und behandelte damit Gicht, also chronische Gelenkschwellungen infolge von Harnsäure-Ablagerungen. Heilpraktiker setzen Johanniskrautöl für die Bauchnabelmassage bei Schleimhautentzündungen und Magen-Darm-Geschwüren ein. Aufgrund seiner schmerz- und entzündungsstillenden Antioxidantien wird es von Hebammen zur Dammpflege vor der Geburt eingesetzt. Eine sanfte Nackenmassage mit Johanniskrautöl kann bei leichten Depressionen und Nackenschmerzen helfen.

Das müssen Sie beachten

Aufgrund seiner Wirksamkeit kann Johanniskrautöl dieselben Nebenwirkungen auslösen wie Antidepressiva. Ebenso wie bei diesen können Übelkeit, Angst, Panikattacken und Depressionen auftreten, allerdings nur nach längerer, breitflächiger Behandlung. Johanniskrautöl setzt zudem die Lichtempfindlichkeit herauf. Besonders hellhäutige Menschen sollten es deshalb nie vor dem Sonnenbad anwenden. Auch allergische Symptome wie Juckreiz, Hautschwellungen und Müdigkeit können auftreten. Wer blutdrucksenkende Medikamente, Blutgerinnungshemmer oder Krebsmedikamente einnimmt, sollte Massagen mit dem Arzt besprechen, da das Johanniskraut ein Leberenzym aktiviert, das die Medikamentenwirkung herabsetzt. Schwangere und Stillende sollten von Massagen mit Johanniskraut absehen, da es vorzeitige Wehen auslösen und in die Muttermilch übergehen kann.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und ersetzt daher keine Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Heilpflanzen können in falscher Anwendung oder Dosierung schwerwiegende Nebenwirkungen zur Folge haben. Lassen Sie sich deshalb in der Apotheke oder vom Arzt beraten