Therapie mit natürlichen Mitteln

Gesundheitslexikon: Naturheilkunde

23. Oktober 2019 - 13:23 Uhr

Naturheilkunde: Möglichkeiten und Grenzen der natürlichen Medizin

Der Schulmedizin schenkte man lange Zeit uneingeschränktes Vertrauen. Doch immer mehr Menschen suchen mittlerweile nach einer zusätzlichen Möglichkeit, ihre Gesundheit zu verbessern. Dabei kann es einerseits um die Linderung konkreter Krankheitsbilder gehen, andererseits möchten viele aufgeschlossene Bürger zusätzlich präventiv etwas für ihr Wohlbefinden und die körperliche wie seelische Widerstandskraft tun. Hier scheint die Naturheilkunde die entscheidende Nasenlänge vorn zu haben, denn sie sieht den Menschen als Ganzes. Deshalb werden bei ihr nicht einzelne Symptome behandelt, sondern ganz umfassende Therapiemöglichkeiten zum Wohle des Patienten individuell zusammengestellt.

Was bedeutet Naturheilkunde?

Unter dem Begriff versteht man eine natürliche Heilkunde, die auf mehreren Säulen ruht. Im Mittelpunkt steht zunächst einmal der Mensch mit seiner Lebensbiographie. Ziel der Naturheilkunde ist es, Geist und Körper demgemäß unterstützend anzuleiten, sodass Krankheiten gar nicht erst entstehen können. Sollte es doch zu einer Verschlechterung des Befindens kommen, so basieren die verschiedenen Therapiemaßnahmen darauf, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Jede Behandlung fußt also auf einer Stärkung beziehungsweise Entlastung von Körper und Seele. Dafür kommen die unterschiedlichen Naturheilverfahren zum Einsatz.

Welche Richtungen bietet die Naturheilkunde?

Im Rahmen der Naturheilkunde gibt es vielerlei Unterarten. Zu den typischen Verfahren gehört der Einsatz von pflanzlichen Wirkstoffen (Phytotherapie) sowie der Einsatz von Wasser und Kälte (Hydro- und Balneotherapie). Auch die Homöopathie, die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Ayurveda und die Anthroposophische Medizin sind streng genommen einzelne Richtungen der Naturheilkunde. Zu den konkreten Tätigkeitsfeldern gehören beispielsweise Massageanwendungen, Akupunktur und Akupressur sowie die Bewegungstherapie (Heilgymnastik). Doch auch eine ganzheitliche Ernährungslehre oder die sogenannte Ordnungstherapie – das Ordnen von inneren und äußeren Negativ-Einflüssen – gehören der natürlichen Heilkunde an.

Wer darf Naturheilkunde praktizieren?

Ärzte und Heilpraktiker dürfen gleichermaßen die Naturheilkunde betreiben, vorausgesetzt, sie verfügen über einen entsprechenden Leistungsnachweis. Dieser ist bei den Schulmedizinern sehr viel komplexer: Für die Bereiche Naturheilverfahren, Akupunktur und Homöopathie bieten die Ärztekammern zeitintensive Weiterbildungsmaßnahmen an. Der Vorteil für den Patienten ist, dass Humanmediziner über ein tiefgründiges Verständnis von Anatomie und Krankheiten verfügen und teilweise komplementärmedizinische Behandlungen miteinander verknüpfen. Wer jedoch lieber einen Heilpraktiker aufsucht, der profitiert zumeist von den vielfältigen Therapiemöglichkeiten, die einzelne Praxen anbieten. Ein kundiger Heilpraktiker sieht den Patienten eingegliedert in sein ureigenes Lebensumfeld und kombiniert deshalb häufig mehrere natürliche, auf den Einzelnen abgestimmte Heilverfahren miteinander.

Wann könnte eine Behandlung mit naturheilkundlichen Verfahren sinnvoll sein?

Wer unter chronischen Schmerzen leidet oder als "austherapiert" gilt, der wechselt nicht selten zu einem Spezialisten der Naturheilkunde. Durch den ganzheitlichen Ansatz fühlen sich viele Patienten auch emotional besser aufgehoben und ernst genommen. Da häufig homöopathische Präparate wie Globuli oder Pflanzenextrakte zum Einsatz kommen oder spezielle physikalische Therapien verordnet werden, erfolgt die Genesung unter Umständen mit weniger ausgeprägten Nebenwirkungen. Viele Menschen schätzen aber auch den Gebrauch von natürlichen Präparaten und vertrauen dabei auf die Aktivierung ihrer Selbstheilungskräfte. Gleichwohl sollte bedacht werden, dass die Wirksamkeit einiger naturheilkundlicher Therapieansätze nicht gänzlich bewiesen ist.