Gesundheitslexikon: Schmerz (Algesie)

29. März 2019 - 16:01 Uhr

Schmerz - ein wichtiges Warnsignal des Körpers

So unangenehm das Schmerzempfinden auch sein kann - es ist ein wichtiges Warnsignal des Körpers. Wenn eine Körperstelle schmerzt, schont man sie automatisch und fördert so deren Heilung. Schmerz kann jedoch seine Warnfunktion verlieren und zu einer chronischen Krankheit werden.

Was ist Schmerz?

Unter Schmerz, im Fachjargon als Algesie bezeichnet, versteht man ein negatives Sinnesempfinden, das mit einer aktuellen oder potenziellen Gewebeschädigung einhergeht. Wenn man zum Beispiel beim Kochen versehentlich die heiße Herdplatte berührt, entstehen aufgrund einer Verbrennung akute Schmerzen. Reflexartig zieht man dann die Hand zurück, um weitere Verletzungen zu vermeiden. Chronische Schmerzen haben ihre Alarmfunktion für den Körper verloren. Sie halten über einen Zeitraum von mindestens drei bis sechs Monaten konstant an und haben keine erkennbare Ursache.

Schmerzentstehung

Überall im Körper verfügt man über Schmerzfühler, sogenannte Nozizeptoren. Diese liegen insbesondere am Ende von Nervenfasern in Häuten, also Hirnhaut, Knochenhaut oder Organhaut. Sie reagieren sehr empfindlich auf Reize wie Druck, Temperatur, Dehnung oder Gifte. Wird eine Körperzelle geschädigt, setzt sie Botenstoffe frei. Diese lösen eine körpereigene Entzündungsreaktion aus und die Nozizeptoren werden angesprochen. Die Nozizeptoren in Gelenken, Haut und Muskeln geben über somatische Afferenzen (Schmerzfasern), die Schmerzfühler in den Eingeweiden über viszerale Afferenzen ein Signal an das Gehirn weiter. Erst hier wird der Schmerz wahrgenommen.

Schmerzleitung

Für die verschiedenen Arten von Schmerzen gibt es im Körper unterschiedliche Nervenfasern. Sogenannte Myelin-Fasern sind für den Erstschmerz verantwortlich und lösen zum Beispiel Fluchtreflexe aus. Dagegen sind Nicht-Myelin-Fasern sowohl für kontinuierlichen Schmerz als auch für vegetative Reflexe verantwortlich. Das Gehirn verarbeitet die ankommenden Signale und schickt dann einerseits über Reflexbahnen Aufforderungen an Muskulatur und Drüsen. Das führt beispielsweise dazu, dass man Schonhaltungen einnimmt oder Schweiß absondert. Andererseits vermittelt das Gehirn über das Rückenmark die Freisetzung schmerzhemmender körpereigener Stoffe wie Endorphine.

Schmerzbeschreibung und Schmerzarten

Schmerzen variieren je nach Entstehungsort und -art. Durch Fehlhaltungen oder Fehlregulationen entsteht zum Beispiel reflektorischer Schmerz, zu dem Migräne- oder Rückenschmerzen zählen. Somatischer Schmerz kommt durch Schädigungen an Haut, Muskeln, Gelenken oder Knochen zustande und wird als dumpf und bohrend beschrieben. Währenddessen ist viszeraler Schmerz, also Eingeweide-Schmerz, oftmals krampfhaft und kolikartig. Neuropathischer Schmerz entsteht bei der Schädigung von Nervenanteilen und ist meist ausstrahlend, brennend und mit Ausfallerscheinungen verbunden. Wenn Schmerzen allein durch seelische Belastung entstehen, spricht man vom psychosomatischen Schmerz.

Behandlung und Therapie

Meist werden Schmerzen mittels einer Kombination aus Medikamenten und konservativen Maßnahmen behandelt. Eine Schmerzbehandlung kann auch operativ erfolgen, beispielsweise durch invasive Verfahren wie einen Schmerzkatheter oder durch Regionalanästhesie. Menschen mit besonders schweren akuten oder chronischen Schmerzen kann in speziellen Schmerzkliniken geholfen werden, eine bessere Lebensqualität zu erlangen.

Die Patienten lernen beispielsweise, Schmerzen selbst einzuschätzen und zu dokumentieren, um weniger Chronifizierungen zu riskieren. Ebenso werden medikamentöse Therapien eingeleitet, um möglichst vor dem Schmerz-Höhepunkt Linderung zu erhalten. In Ergänzung zu den Arzneimitteln lernen Schmerzpatienten nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Wärme- oder Kälteanwendungen, autogenes Training oder spezielle Lagerungen kennen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.