Ursachen, Symptome, Behandlung

Gesundheitslexikon: Ischialgie (Ischiassyndrom)

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22. August 2019 - 16:24 Uhr

Bei Ischialgie strahlt der Schmerz meist vom Rücken bis ins Bein aus

Die Ischialgie ist eine äußerst schmerzhafte Reizung des Ischiasnervs. Typisch ist dabei der ausstrahlende Schmerz vom Gesäß bis in das Bein. Umgangssprachlich wird das Ischiassyndrom "Ischias" genannt. Die Störung kann von verschiedenen Faktoren ausgelöst werden.

Was ist Ischialgie?

Als Ischialgie oder Ischiassyndrom bezeichnet man stechende bis ziehende Schmerzen in den vom Ischiasnerv versorgten Körperarealen. Dazu gehören der untere seitliche Teil des Rückens, das Gesäß, die Beine und die Füße. Manchmal werden die charakteristischen vom Rücken bis in die Rückseite des Oberschenkels ausstrahlenden Schmerzen auch von Missempfindungen begleitet. Die umgangssprachliche Bezeichnung "Ischias" ist im Grunde falsch, da dies nur der Name des Nervs ist. Der Ischiasnerv ist der längste und dickste Nerv im ganzen Körper und kann daher auch stärkste Schmerzen verursachen.

Ursachen

Das Ischiassyndrom entsteht, wenn der Nerv gereizt wird. Diese Reizung kann auf verschiedene Arten stattfinden. Sehr häufig ist eine Bandscheibenvorwölbung oder ein Bandscheibenvorfall der Auslöser. Dabei werden die Wurzeln des Ischiasnervs durch herausgedrücktes Gewebe gequetscht oder eingeklemmt. Auch degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule verursachen relativ oft die Ischialgie. Weitere mögliche Auslöser sind Muskelverspannungen, Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule, eine Verengung des Wirbelkanals, Arthrose der Wirbelbogengelenke oder eine instabile Wirbelsäule. Als eher seltene Ursachen für das Ischiassyndrom gelten Abszesse, Blutergüsse, Tumore oder Entzündungen.

Symptome

Die ersten Beschwerden einer Ischialgie zeigen sich in Schmerzen im Lendenwirbelbereich, die durch das Gesäß bis zum Oberschenkel hinunter ausstrahlen. Im weiteren Verlauf können Empfindungsstörungen, wie Kribbeln und Taubheitsgefühle, vorkommen. Der Schmerz wird als ziehend und reißend wahrgenommen; oft schießt er ganz plötzlich ein und macht sich ziemlich heftig bemerkbar. Durch Husten, Niesen oder Pressen oder durch Bewegung verstärken sich die Schmerzen oft noch. In schlimmeren Fällen können sogar Lähmungserscheinungen, Entleerungsstörungen der Blase und des Darms vorkommen. Auch Potenzstörungen sind möglich.

Diagnose

Zunächst wird abgeklärt, wie lange die Beschwerden bereits bestehen und ob sie durch bestimmte Bewegungen oder Belastungen ausgelöst wurden. In einer körperlichen Untersuchung werden Beweglichkeit und Reflexe kontrolliert sowie die Wirbelsäule auf Fehlstellungen hin geprüft. Auch die Wahrnehmungsfähigkeit in den Beinen wird vom Untersuchenden getestet. Zur weiteren Abklärung setzt man bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT (Magnetresonanztomografie) oder CT (Computertomografie) ein. Mit einer ENG (Elektroneurografie) werden die Nerven auf ihre Leitgeschwindigkeit hin untersucht. Mittels Bluttests kann abgeklärt werden, ob eine Entzündung vorliegt.

Behandlung und Vorbeugung

Als erste Maßnahme erfolgt die Gabe von Schmerzmitteln und Entzündungshemmern, um dem Patienten Linderung zu verschaffen. Die sogenannte Stufenbettlagerung, bei der Hüft- und Kniegelenke um 90° abgewinkelt werden, entlastet den Nerv und reduziert die Schmerzen. Ansonsten ist Bewegung und Physiotherapie wichtig. Dauerndes Liegen sollte vermieden werden. War der Auslöser eine Infektion, wird ein Antibiotikum verabreicht. Bei anderen Ursachen, wie einem Abszess oder Tumor, wird dieser operativ entfernt. Auch wenn die Bandscheibe die Ischialgie ausgelöst hat, hilft häufig nur eine Operation.

Rückentraining, Sport, eine korrekte Körperhaltung und das Vermeiden falscher Belastungen des Rückens tragen zur Vorbeugung einer Ischialgie bei.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.