Veränderung im Bereich der Wirbelsäule

Gesundheitslexikon: Bandscheibenprotrusion (Bandscheibenvorwölbung)

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9. April 2019 - 10:18 Uhr

Bandscheibenprotrusion: Was passiert, wenn sich die Bandscheibe nach vorne wölbt?

Der Mensch besitzt 23 Bandscheiben, die auch als Zwischenwirbelscheiben bezeichnet werden. Sie bestehen aus einem Kern sowie dem umgebenden Faserring. Bandscheiben wirken wie ein elastischer Puffer, indem sie Stöße abfedern und den Druck auf die Wirbelsäule verteilen. Wölbt sich die Bandscheibe durch einen Unfall oder eine Fehlbelastung nach vorne, kann der Faserring auf die vorgelagerte Nervenwurzel drücken und dadurch den sogenannten Hexenschuss auslösen. Je nach Lage der vorgewölbten Bandscheibe sind die Symptome unterschiedlich: Manchmal treten überhaupt keine Beschwerden auf, andere Patienten verspüren dagegen starke Schmerzen.

Ursachen einer Bandscheibenprotrusion

Eine Bandscheibe füllt den Raum zwischen zwei Wirbelkörpern flexibel aus und schafft dadurch die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Eine Bandscheibe besteht aus zwei Teilen: Im Inneren liegt ein weicher und wasserreicher Gallertkern, der außen von einem faserreichen Knorpelring umschlossen wird. Beim Sport, bei schwerem Heben oder dauerhaften, einseitigen Belastungen entsteht ein hoher Druck, der dazu führt, dass sich der Faserring in Richtung des Wirbelkanals vorwölbt. Das passiert insbesondere dann, wenn Muskeln und Bänder die Wirbelsäule bei stark wirkenden Kräften nicht ausreichend stützen können. Da die Elastizität der Bandscheiben im Alter abnimmt, wird eine Bandscheibenvorwölbung bei älteren Menschen häufiger.

Symptome einer Bandscheibenvorwölbung

Wenn sich der knorpelige Ring der Bandscheibe nach außen wölbt, kann er auf die Spinalnerven drücken und unterschiedliche Beschwerden verursachen - angefangen von dumpfen Rückenschmerzen bis hin zu Schmerzen, die bis in den Arm oder das Bein hinunter ausstrahlen. Weitere Beschwerden wie Missempfindungen (Kribbeln, Ameisenlaufen), Gefühllosigkeit oder das Gefühl des eingeschlafenen Fußes oder Armes ähneln allesamt denen des Bandscheibenvorfalls. Im Unterschied zu einem kompletten Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) reißt der Ring bei einer Protrusion jedoch nicht oder nur wenig ein, sodass kein Material aus dem Kern austritt.

Diagnose einer Protrusion

Im Gespräch fragt der Arzt zunächst nach dem Schmerzcharakter, bei welchen Bewegungen die Schmerzen zunehmen und wann sie erstmals auftraten. Weil im betroffenen Bereich oft auch die Reflexe gestört sind, prüft der Behandler beispielsweise den Kniesehnenreflex mit einem Reflexhammer. Anhand dieser Auskünfte lässt sich die Diagnose Bandscheibenprotrusion meistens schon sehr gut erstellen sowie ihre Lage und Ausprägung beurteilen. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an, kann eine MRT-Aufnahme angefertigt werden. Bei einer Magnetresonanztomografie können Weichteilgewebe dargestellt werden, was in einem Röntgenverfahren nicht möglich ist.

Behandlung und Vorbeugung

Die Therapie der Bandscheibenprotrusion entspricht im Wesentlichen der eines Bandscheibenvorfalls; eine Operation ist im Unterschied dazu allerdings nur selten nötig. Eine konservative Behandlung mit Physiotherapie und physikalischen Anwendungen ist in der Regel ausreichend: Entlastende, stabilisierende und kräftigende Übungen verhindern das Fortschreiten der Vorwölbung und damit die Beschwerden. Auftretende Schmerzen und eine dadurch verspannte Rückenmuskulatur lassen sich meist durch Schmerzmedikamente beseitigen. Um die Bandscheiben dauerhaft an der richtigen Position zu halten, ist regelmäßiger Sport (Schwimmen, Rückenschule, Nordic Walking, Joggen) in Kombination mit einem rückenfreundlich gestalteten Arbeitsplatz sowie einem angemessenen Körpergewicht die beste Vorbeugung gegen eine Bandscheibenvorwölbung.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.