Poker um Haaland, Mbappé und CR7

Die perverse Demut der Bestverdienenden

Kylian Mbappé
Kylian Mbappé
© Imago Sportfotodienst

25. August 2021 - 21:20 Uhr

PSG soll Mega-Angebot für Mbappé abgelehnt haben

160 Millionen Euro. Soviel soll Real Madrid den übereinstimmenden Berichten von spanischen und französischen Medien zufolge im Werben um PSG-Star Kylian Mbappé geboten haben. Doch die Königlichen beißen vorerst offenbar auf katarisches Granit – Paris Saint-Germain soll die Offerte ausgeschlagen haben. Auch für Cristiano Ronaldo könnte es nochmal eine lukrative Herausforderung geben. Und wer sich mit Erling Haaland beschäftigt, der muss sowieso massiv viel Geld bunkern. Und das in Corona-Zeiten.

PSG, City und Co. brauchen keine kreativen Lösungen - sie haben die Kohle

Die Pandemie ist ein riesiges Geschenk für den Fußball! So muss man es sehen. Zumindest wenn man ein sehr, sehr reicher Mann ist. Sehr, sehr reiche Frauen kommen im Spitzenfußball ja eher nicht vor. Denn die Pandemie hat der ebenso verzweifelten wie titelgierigen Elite der Oligarchen und Scheichs wichtige Konkurrenten aus dem Spiel genommen. Auf dem Transfermarkt jedenfalls. Dort üben die solide finanzierten Vereine Zurückhaltung. Die Zeit der Monster-Deals ist für sie (vorübergehend) vorbei. Kreative Lösungen braucht es, um die Kader zu füllen oder wichtiges Personal zu halten. So hat es etwa der FC Bayern in diesem Sommer gemacht. Wie auch immer diese kreative Lösung aussah, sie hat dafür gesorgt, dass Joshua Kimmich seinen Vertrag vorzeitig verlängert.

Andernorts lächelt man darüber nur müde. Kreative Wege müssen Paris Saint-Germain, der FC Chelsea, Manchester City oder Manchester United nicht gehen. Und womöglich auch Real Madrid nicht. Denn diese Clubs werfen gerade mit Mega-Transfers oder Mega-Angeboten um sich. Lionel Messi hat den massiv überschuldeten FC Barcelona unter Tränen verlassen und sich bei PSG ein teures neues Taschentuch zum Trocknen der Heultropfen ausgehandelt. Auch Sergio Ramos, der sich mit Real Madrid unter eigenartigen Umständen nicht einig geworden war, verdient nun prächtig in Paris.

Nun kann man den Vereinen ihren enthemmten Aberwitz am Markt nicht als Doppel-Moral auslegen. Denn von einer neuen Demut während und nach der Corona-Pandemie, die ja sehr viele Funktionäre, vor allem aus Deutschland, beschworen hatten, sprachen diese Schwergewichte nicht. Sie überlegten via Super League ja sogar, wie sie noch mal reicher werden würden. Und sich noch luxuriösere Kader zusammenbauen könnten. Geklappt hat das nicht. Was gut ist.

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Neymar, Messi und Mbappé überstrahlen die Menschenrechtsdiskussion

Als Erziehungsmaßnahme fürs Maßhalten taugten die vehementen Ansagen von UEFA und Co. aber nicht. Die reichsten Clubs des Kontinents verlegten ihr Wettrüsten einfach in die schon bestehenden Wettbewerbe. Das ist in England die Premier League und sonst eben die Champions League. Die hat in der vergangenen Saison der FC Chelsea gewonnen. Ein Club von Oligarchens Gnaden. Man möchte vermutlich gar nicht wissen, was Roman Abramowitsch in den vergangenen Jahren an Geld in seinen Club gesteckt hat. Allein, dass er die Königsklassen-Helden mit Romelu Lukaku beschenkte, der ja 115 Millionen Euro gekostet haben soll, sagt alles über das Interesse an Demut. Manchester United war knapp sparsamer unterwegs, gönnte sich für 85 Millionen Euro den Dortmunder Top-Youngster Jadon Sancho. Hinzu kam noch Abwehrmann Raphael Varane für 40 Millionen.

Aber wie gesagt: kein Vorwurf. Die Oligarchen des Fußballs waren schon immer so. Für manche ist der Fußball ein Spielzeug, für andere die Möglichkeit des Sportwashing. So etwa für die katarischen Investoren von PSG. Neymar, Messi, Mbappé und Ramos in einer Mannschaft, das reizt viele Fans weitaus mehr als die quälende Auseinandersetzung mit der prekären Menschenrechtslage im Unrechtsstaat. Und so schauen die Anhänger von PSG aktuell natürlich auch mit viel mehr Sorge auf die Zukunft von Mbappé als auf die Lage der Arbeiter des kommenden WM-Gastgebers.

Der 22-Jährige wird derzeit heftig von Real Madrid umworben. Zum Einstieg in den offiziellen Poker sollen die Königlichen 160 Millionen Euro in den Pott geworfen haben. Eine sehr beachtliche Ablöse, vor allem angesichts dessen, dass der Vertrag des Franzosen im kommenden Sommer ausläuft. Aber die Summe ist eben auch eine, über die die mächtigen PSG-Bosse nur freundlich lächeln. Das ist dann wohl Demut unter Bestverdienenden. Da man den trotz Mega-Gehalts-Offerte wechselwilligen Stürmer eigentlich nicht hergeben möchte, könnte die Gesprächsbereitschaft bei 200 Millionen ernsthaft beginnen. Sollte es bis zum 31. August wirklich noch zu einem Deal kommen, hat PSG offenbar schon Pläne zur Kompensation. Pini Zahavi, der Berater von Robert Lewandowski und Kingsley Coman, soll bereits vorgesprochen haben. Dem FC Bayern wird das nicht gefallen. Gegenüber RTL/ntv bestätigt der Israeli allerdings auch vielsagend, dass die Münchner ihren Starstürmer nicht verkaufen wollen.

Ausgerechnet Ronaldo könnte zur "Discount-Lösung" werden

In ähnlichen Dimensionen wie Real und PSG diskutierten in diesen Tagen auch Manchester City und Tottenham Hotspur über Harry Kane. Verlockende 176 Millionen Euro sollen die Scheichs angeboten haben, nachdem sie in den vergangenen Wochen ja schon 117 Millionen Euro für den englischen Nationalspieler Jack Grealish an Aston Villa überwiesen hatten. 186 Millionen Euro sollen für Kane aber gefordert gewesen sein. Womöglich hätte man sich als Geste der Demut ja noch in der Mitte getroffen, ist nun aber nicht mehr nötig. Denn der Stürmer erklärt via Twitter: "Ich werde in diesem Sommer bei Tottenham bleiben und mich zu 100 Prozent darauf konzentrieren, der Mannschaft zum Erfolg zu verhelfen." Was dahintersteckt? Unklar.

Tja, und so könnte ganz plötzlich Cristiano Ronaldo wieder in Manchester aufschlagen. Dort hat er ja bereits fantastische Zeiten erlebt, allerdings beim Rivalen United. Der mehrfache Weltfußballer Ronaldo, das muss man sich auch erstmal vorstellen, wäre die Discount-Variante für das Sturmzentrum. Eine schöne, schmückende und hochwertige Notlösung. Für bloß 25 Millionen Euro könnte er laut mehreren Medienberichten zu haben sein. Das ist fast beschämend niedrig für eine Elite, die sonst lieber in völlig enthemmten Dimensionen einkauft. Kleiner Trost: Das Gehalt, das der ganz langsam alternde Portugiese aufrufen dürfte, wird mutmaßlich nur in elitären Kreisen gezahlt werden können.

21.08.2021, xblx, Fussball 1.Bundesliga, SC Freiburg - Borussia Dortmund emspor, v.l. Erling Haaland Borussia Dortmund, enttaeuscht, enttaeuscht schauend, dissapointed DFL/DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and/or QUAS
Erling Haaland
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Bayerns Transferwünsche wären für die Oligarchen wohl eher ein Witz

Damit sind wir dann bei Erling Haaland. Der Stürmer des BVB ist ein Phänomen. Dieser Status ist noch immer unangreifbar, obwohl er ja bereits zweimal nacheinander nicht getroffen hat und seine Quote damit minimal unter ein Tor pro Spiel gefallen ist. In den 63 Pflichtveranstaltungen für die Borussen hat er 62 Mal getroffen. Diese beeindruckenden Zahlen subsumiert sein Starberater Mino Raiola in einem künftigen Jahressalär von 50 Millionen Euro. Das wäre dann knapp eine Million Euro pro Woche. Davon kann man sicher sehr vernünftig leben. Vermutlich sogar ein bisschen demütig.

Übrigens, auch der FC Bayern beobachtet den Transfermarkt. Die aktuellen Transferziele sollen Jonas Hofmann, der Nationalspieler steht bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag, und der Leipziger Marcel Sabitzer sein. Für Hofmann sollen offenbar 24 Millionen fällig werden. Bei Sabitzer sollen die Münchner über eine Ablöse von knapp über zehn Millionen diskutieren. Man bekommt eine Ahnung, warum die Mächtigen beim Rekordmeister fürchten, international abgehängt zu werden … (tno)