Wieder keine Zähler für den Briten

"Herzensbrecher" Alonso crasht Russells Punkte-Party

Fernando Alonso und George Russell.
Fernando Alonso und George Russell.
© picture alliance, HOCH ZWEI

04. Juli 2021 - 21:01 Uhr

Drei Runden fehlten für die Punkt-Premiere mit Williams

Williams-Youngster und Formel-1-Kronprinz George Russell hat erneut ein starkes Österreich-Wochenende abgeliefert. Allein: Für die ersten Punkte mit dem Williams-Rennstall reichte es auch beim zweiten Rennen in Spielberg nicht. F1-Routinier Fernando Alonso erwies sich drei Runden vor Ende als Party-Crasher – und hatte hinterher sogar Mitleid mit seinem Konkurrenten. Trotz der Punkte-Flaute wird immer klarer: Russell ist dem unterlegenen Williams längst entwachsen.

SPIELBERG, AUSTRIA - JULY 04: George Russell of Great Britain driving the (63) Williams Racing FW43B Mercedes during the F1 Grand Prix of Austria at Red Bull Ring on July 04, 2021 in Spielberg, Austria. (Photo by Bryn Lennon/Getty Images)
Fernando Alonso (h.) lauert schon.
© Getty Images, Bongarts, AJB / WTM

Q3-Coup noch nicht belohnt

Die Rennen in Österreich wird George Russell zwiegespalten in Erinnerung behalten. Wieder lieferte der Williams-Mann ab, wieder musste er den "ewigen" Punkte-Traum begraben. Aber der Reihe nach.

Schon im Qualifying raste der 23-Jährige dank einer Fabel-Runde und mit Medium-Reifen (!) überraschend ins Q3 – zum ersten Mal überhaupt im Williams (für den Rennstall war es das erste Q3 seit 2018).

In der vergangenen Woche beim Steiermark-GP hatten Russell noch ein paar Tausendstel für den Q3-Streich gefehlt. Diesmal aber gelang der Quali-Coup. Das allein löste schon Jubelstürme in der Garage des Traditionsteams aus. Durch die Startplatzstrafe gegen Sebastian Vettel rückte der Brite dann sogar auf Rang acht im Grid vor.

Youngster "russellt" an Stroll vorbei

Beim Start ins Rennen kostete zwar ein Ausweichmanöver gegen Yuki Tsunoda (AlphaTauri) ein paar Plätze. Russell ließ sich aber nicht beirren, kämpfte sich zurück. In Runde 38 ließ er es gegen Lance Stroll "russelln".

Vor der Remus-Spitzkehre keilte er sich innen am Vettel-Kollegen vorbei. Russell wieder auf Punkte-Kurs. Schon in der Vorwoche war er in aussichtsreicher Position über den Ring gejagt. Damals funkte die Power Unit dazwischen. Technisch lief am Sonntag in der Steiermark alles glatt. Hinter ihm baute sich dafür ein blaues Alpine-Ungetüm namens Fernando Alonso auf.

Es entwickelte sich ein rundenlanges Duell, bei dem sicher viele Fans dem Youngster auf der Jagd nach den ersten Williams-Punkten die Daumen gedrückt haben dürften. Williams wartet nämlich seit dem wilden Deutschland-Rennen 2019 in Hockenheim auf WM-Zähler. Damals hatte Robert Kubica mit Rang zehn ein Pünktchen eingeheimst.

Dabei bleibt es auch vorerst. Denn Alonso mutierte zum britischen Herzensbrecher, schnappte sich den Jungspund drei Runden vor Schluss. "Ich wie, ich weiß", antwortete der zweimalige Weltmeister im Sky-Interview auf die "Herzensbrecher"-Aussage. "Ich hatte ein bisschen Mitleid mit George, er ist am Wochenende großartig gefahren. Ich hatte gehofft, dass es jemand anders ist, als ich P10 vor mir hatte. Aber so ist Sport."

Russell konstatierte gewohnt abgezockt: "Wir haben alles gegeben, aber wir konnten den Punkt nicht halten. Respekt an Fernando Alonso für einen sauberen Fight. Hoffentlich der erste von vielen", kabelte er nach dem Rennen via Social Media.

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Helmtausch, Umarmung und Lob von Alonso

Es war ein toller Generationen-Fight, den Alonso und Russell den Fans beschert hatten. Runde um Runde beackerte der Routinier den Youngster, legte ihn sich mundgerecht zurecht. In Runde 68 der Stich, letztlich leichtes Spiel: "Ich hatte bessere Reifen, bessere Traktion und nach Kurve 3 konnte ich das Manöver machen", sagte Alonso und blickte schon mal in die Zukunft: "Er wird noch viele Möglichkeiten auf Rennsiege und Podien haben."

Jedoch nicht im Williams. Schon seit langer Zeit mehren sich die Zeichen, dass Russell in der kommenden Saison in das Mercedes-Cockpit aufrückt – und dann neben Lewis Hamilton fährt, wie seit Samstag klar ist.

Die Situation wäre für Mercedes eigentlich aussichtsreich: Bei Rekordchamp Hamilton kann sich Russell einiges abgucken, sportlich und in Sachen Arbeitseinstellung. Wenn dann 2023 – so sieht es Stand jetzt aus – Hamilton endgültig Goodbye zur F1 sagt, übernimmt Russell das Zepter bei den Silberpfeilen.

Wobei nicht ausgeschlossen wäre, dass er vorher schon ein Wörtchen in Sachen Rennsiege (oder mehr?) mitredet. Nicht zuletzt die starke Performance in Bahrain 2020, als er den Corona-erkrankten Hamilton ersetzte, deutete dies an. Zudem zeigt er gerade Woche für Woche, wie viel er aus dem eigentlich hoffnungslos unterlegenen Williams rauskitzeln kann.

Dass Russell eine große Zukunft vor sich hat, bezweifeln die allerwenigsten. Auch Alonso nannte ihn nach dem Monaco-GP bereits einen "zukünftigen Champion" und tauschte die Helme mit dem Briten. Nach dem Spielberg-Duell sprang zudem eine herzliche Umarmung vom Altmeister heraus.

Geschenkte Punkte in Österreich gab es dafür natürlich nicht. Punkte dürften für Russell in dieser Verfassung allerdings nur eine Frage der Zeit sein – oder womöglich des Wetters. (msc)