Überraschende Pole für Verstappen

Aufschwung über Nacht: Wie Red Bull die Texas-Experten von Mercedes überholte

Pole für Max Verstappen, Startplatz 3 für Sergio Perez - damit hätte zum Auftakt des US-GP wohl keiner gerechnet
Pole für Max Verstappen, Startplatz 3 für Sergio Perez - damit hätte zum Auftakt des US-GP wohl keiner gerechnet
© AP, Darron Cummings, DC

24. Oktober 2021 - 2:20 Uhr

Red Bull macht alles richtig, Mercedes gibt alles her

Wer hätte das gedacht?! Zum ersten Mal in der Hybrid-Ära der Formel 1 startet beim US-GP in Austin kein Mercedes-Fahrer von der Pole Position. Dabei hatte beim Trainingsauftakt am Freitag noch alles für ein weiteres Kapitel texanischer Silber-Festspiele gesprochen. Nix da! Red Bull schlug eiskalt zurück und frohlockt vor dem 17. Saisonrennen. Mercedes-Teamchef Toto Wolff dagegen ist stinkig.

Freitag schrie nach Gähn-Wochenende

Wer am Freitag das 1. Freie Training zum US-GP sah, kam aus dem Gähnen kaum heraus. Sowohl auf eine schnelle Runde als auch im Longrun-Modus hämmerten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas konstante Zeiten auf den Circuit of the Americas. Die Konkurrenz – Red Bull inklusive – gurkte fast schon hoffnungslos hinter. Fast eine Sekunden fehlte den "Bullen" zu den WM-Rivalen. Lichtjahre in der Formel 1.

Ein GP-Wochenende der jahrelang so typischen Mercedes-Dominanz kündigte sich an. Dass Sergio Perez im 2. Training mal eine Bestzeit fuhr, änderte nichts an dem Eindruck, schließlich war die Runde des Mexikaners langsamer als jene, die Valtteri Bottas noch in der Morgen-Session hingelegt hatte.

Red-Bull-Hirne hirnen - und finden Antworten

Die Herausforderer aus Milton Keynes verfielen ob des Rückstands aber nicht in Panik, sondern in arbeitsame Ruhe. Akribisch studierten die Ingenieure um den endlich von den Folgen eines Rad-Unfalls genesenen Design-Guru Adrian Newey über Nacht die Daten. "Wir hatten in der Nacht Sébastien Buemi zuhause im Simulator und glauben, wir haben in Sachen Abstimmung Fortschritte gemacht", klärte Teamchef Christian Horner schon vor dem Qualifying auf. Es muss ein paar Mal "Bingo" gemacht haben.

In den den (Un-)Tiefen der F1-Matrix fanden die Aerodynamik-Hirne Antworten auf die Probleme, die Max Verstappen und Sergio Perez auf der Buckelpiste Austin im Training das Leben schwer gemacht hatten. Entsprechend änderte Red Bull am Samstag das Setup – mit durchschlagendem Erfolg.

"Da sind wir wirklich stolz auf unsere Techniker, dass die das so optimiert haben", lobte Red-Bull-Eminenz Helmut Marko nach Verstappens Husarenritt auf die Texas-Pole bei Sky. "Unser Auto ist sicherlich schwieriger abzustimmen als vielleicht der Mercedes. Die kommen her und sind auf Anhieb schnell", so der Österreicher. Das Team kenne das Potenzial des RB16B aber, "wir müssen es nur abrufen".

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Auch Perez endlich stark im Qualifying

Und das Potenzial des Boliden rief diesmal nicht nur Verstappen ab, der schon zum neunten Mal in dieser Saison auf Startplatz 1 raste. Auch der im Qualifying oft abgehängte Perez ließ unweit der Grenze zu seiner Heimat die mexikanischen Trompeten ertönen. Nach dem ersten Schuss in Q3 sah es gar nach der ersten Checo-Pole überhaupt aus, ehe Verstappen und Hamilton noch ein paar Kohlen nachlegten.

Perez wurde – auch, weil es auf seiner letzten Runde tröpfelte – letztlich Dritter, dürfte aber wie seine Bosse hochzufrieden sein. Von Position 3 kann er im Rennen voll attackieren, sich zudem als strategisch wertvolle Waffe in den WM-Kampf zwischen Verstappen und Hamilton einmischen. Die Laune bei Red Bull an diesem Samstag – prächtig.

Wolff: Haben in die falsche Richtung entwickelt

Lange Gesichter dagegen bei Mercedes. Statt auf dem nahezu idealen Start ins Austin-Wochenende aufzubauen, baute das Weltmeister-Team von Session zu Session ab. Am Samstag half auch der geniale Hinterachsen-Kniff, der den W12 auf den Geraden absenkt und so schneller macht, nichts.

Im Mittelteil mit der langen Gerade waren Hamilton und Bottas zwar stets überlegen. Aber: Im ersten Sektor mit seinen Silverstone-artigen Esses sowie dem dritten Sektor mit den langsamen Ecken galoppierten die "Bullen" davon. Unterm Strich war Verstappen zwei Zehntel schneller als Hamilton, in Q2 auf den Medium-Pneus sogar drei.

Offenbar gelang es Red Bull die Reifen über die gesamte Runde besser im ominösen Temperaturfenster zu halten, in dem die Gummis ihre Arbeit am wirkungsvollsten verrichten. "Es ist alles ein Setup-Thema und wie man die Reifen im richtigen Fenster hat. Und die hatten wir entweder im ersten Sektor oder im letzten - aber nie gemeinsam", sagte Mercedes-Häuptling Toto Wolff im ORF zerknirscht.

"Wir haben es übers Wochenende hergegeben. Wir haben ein richtig starkes Auto gehabt am Freitag und sind jetzt nicht mehr auf den grünen Zweig gekommen. Und dann gibt es halt so ein Ergebnis", ärgerte sich der Österreicher. Danach gefragt, ob Mercedes in die falsche Richtung entwickelt habe, sagte Wolff kurz und knapp: "Ja." (mar)