Rätselraten um Mercedes-Speed gelöst

Dieser Mega-Trick macht Hamilton so schnell – aber hält sein Motor auch?

Mercedes ist offenbar ein Mega-Trick auf der Hinterachse gelungen.
Mercedes ist offenbar ein Mega-Trick auf der Hinterachse gelungen.
© Imago Sportfotodienst

23. Oktober 2021 - 13:52 Uhr

Mercedes-Boss Wolff sorgt sich um die Zuverlässigkeit

Von wegen zusätzliche PS: Mercedes' neue Wahnsinns-Topspeed auf der Geraden kommt nicht durch zusätzliche Power im Motor der Silbernen. Die Superhirne des Weltmeisterteams haben eine Lösung gefunden, wie sie den Wagen in den entsprechenden Streckenteilen absenken – und so trotz eines großen Heckflügels die Konkurrenz hinter sich lassen. Der Motor ist statt der heimlichen Wunderwaffe vielmehr zum Sorgenkind des Teams geworden. Mercedes-Boss Toto Wolff fürchtet gar ums Überleben seiner Power-Units. Ein Nachteil im WM-Kampf?

Mercedes-Trick für mehr Speed: Klingt so simpel, ist aber genial

Mercedes' Stärke auf der Gerade ist seit dem Sommer so beeindruckend, dass Red-Bull-Teamchef Christian Horner und seine Jungs sogar mal freundlich bei der FIA anfragen ließen, ob da im Heck von Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auch alles mit rechten Dingen zugeht. Das Rätselraten hielt über Wochen hinweg an.

TV-Bilder zeigen nun aber, wie der Performance-Vorteil der Schwarzpfeile im Topspeed-Bereich möglich ist, obwohl sie größere Heckflügel fahren als die Konkurrenten. Über eine mechanische Vorrichtung an der Hinterachse senkt sich der Mercedes auf den Geraden ab. Klingt so simpel, ist aber genial – dadurch wird der eigentliche aerodynamische Luftstrom unterbrochen und der Luftwiderstand des Flügels auf das ganze Aerodynamil-Konstrukt in Folge dessen verringert.

Wolff: Gibt für Mercedes "Risiko eines Ausfalls"

Wie Mercedes diesen cleveren Trick genau möglich macht? Unklar, sodass das Rätselraten bei der Konkurrenz doch wieder weitergeht. Fest steht: Mercedes wird damit kaum das Risiko eingehen, gegen das bestehende Reglement zu verstoßen. Es scheint eher so, also hätten die Silbernen mal wieder eine Lücke im Regelwerk gefunden.

Schließlich schleppen Hamilton und Bottas im Kampf um die beiden WM-Titel wohl eh schon einen Risikofaktor mit sich rum: ausgerechnet den als so zuverlässig geltenden Mercedes-Motor. Teamchef Toto Wolff erklärte, dass sie mit "einigen Zuverlässigkeitsproblemen, die immer wieder zurückkehren" zu kämpfen haben. Auch wenn man die Schwierigkeiten mehr und mehr verstehe: "Das bedeutet auch, dass es keine Haltbarkeit gibt und das wiederum heißt, dass es das Risiko eines Ausfalls gibt", so Wolff gegenüber Sky.

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Toto Wolff macht sich Sorgen um die Zuverlässigkeit der Mercedes-Motoren.
© dpa, Matthias Balk, mbk htf

"Dieses Jahr hat es uns wirklich hart getroffen"

WM-Kandidat Hamilton musste in der Türkei eine Motorstrafe in Kauf nehmen, weil es für ihn einen neuen Verbrenner ins Heck gab. Der Vierte diese Saison. Bottas hingegen bekam für den Großen Preis von Austin (Sonntag ab 21 Uhr im RTL-Liveticker) sogar schon den Sechsten – dafür gibt es zwar "nur" noch fünf Strafplätze in der Grid, trotzdem hätte sich Mercedes den dritten Tausch innerhalb von vier Rennen liebend gerne gespart.

"Wir haben dieses Jahr Probleme mit der Zuverlässigkeit", gab Wolff auf der Pressekonferenz offen zu. Das hat zur Folge, dass die Silbernen "um unser Leben kämpfen, um alle Kunden zu beliefern, und das ist nicht trivial." Auch die Kundenteams sind von den Problemen betroffen. In Austin beispielsweise bekommen auch Sebastian Vettels Aston Martin und der Williams von George Russell einen neuen Mercedes-Motor ins Heck.

"Wir versuchen jedes Jahr, die Leistung zu steigern, und dieses Jahr sind wir an einem Punkt angelangt, an dem uns das Punkte gekostet hat. In den letzten sieben oder acht Jahren haben wir mit dieser Einstellung Rennen und Meisterschaften gewonnen", weiß Wolff, betont deshalb: "Ich hätte mir ein paar weniger Strafen und weniger Motoren gewünscht, aber dieses Jahr hat es uns wirklich hart getroffen." Red Bull wird es gerne hören. (ana)