RTL News>Formel 1>

Formel 1, Haas-Teamchef Steiner: So lief die Trennung von Nikita Mazepin - "War alternativlos"

„Keine Reaktion von ihm“

Haas-Teamchef Steiner: So lief die Mazepin-Trennung

von Felix Görner und Emmanuel Schneider

Hinter dem Formel-1-Rennstall Haas liegen turbulente Tage. Nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine trennte sich das Team vom russischen Hauptsponsor Uralkali und dem Piloten Nikita Mazepin. Im RTL/ntv-Interview spricht Haas-Teamchef Günther Steiner über die Entscheidungen und erklärt, wie die Trennung ablief und warum sie alternativlos war.

"Anstrengend und mühsam"

Die grauen Haare sind definitiv nicht weniger geworden, erklärt Günther Steiner gleich zu Beginn des Gesprächs. Dem Haas-Teamchef ist im Interview das Chaos der zurückliegenden Tage noch anzumerken.

„Die letzten zwei, drei Wochen waren ziemlich anstrengend und mühsam“, sagt der Haas-Teamchef im RTL/ntv-Interview. Seinen Humor hat er bei all dem Trubel nicht verloren. „Das Schlimmste sollte durch sein. Es kann nur noch nach oben gehen. Wir sind immer für eine Überraschung gut, wenn Dramen anstehen.“

Und Dramen gab es allein 2022 schon genug für Haas. Am vergangenen Wochenende zog das Team einen endgültigen Schlussstrich und trennte sich vom russischen Sponsor und Fahrer.

Diese Entscheidung sieht Steiner als absolut alternativlos an. Am Tag nach der russischen Invasion habe er mit Team-Eigentümer Gene Haas schon beim Frühstück sofort angefangen über die Folgen für das Team und die Zusammenarbeit nachzudenken. Für ihn war klar: „Da muss man Konsequenzen ziehen.“

Steiner: Darum ist Magnussen der Richtige

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Video: Mazepin - "Haas hat mir meinen Traum genommen"

Steiner reagiert auf Mazepin-Rundumschlag

Die Konsequenzen folgten Tage später mit dem Doppel-Aus. Nikita Mazpin reagierte auf den Rauswurf unter der Woche mit einer Pressekonferenz aus Moskau mit einem Rundumschlag gegen Haas und Steiner. Ob er Mazepin als Opfer sehe und Mitleid habe, findet Steiner „schwierig zu sagen“. Ihm tue es „immer leid, wenn man so etwas machen muss.“ Steiner weiter: „Die äußeren Umstände, die weder ich noch er ändern können, sind halt so. Damit muss man leben und weitermachen. Ich sehe das als Teil des Lebens.“

Mazepin hatte sich bei seiner PK beschwert, dass er den Rauswurf erst zeitgleich mit der offiziellen Team-Mitteilung erfahren habe und sein Chef Steiner kein Gespräch mit dem Piloten geführt habe. Letzteres bestätigte der Südtiroler. „Ich habe das nur schriftlich gemacht. Nicht mit ihm gesprochen.“ Eine Reaktion Mazepins habe er persönlich nicht erhalten. Das Mazepin-Interview habe er nur kurz gesehen und eine Zusammenfassung gelesen.

Klar wird: Haas will das Thema abhaken, nach vorne schauen. Doch mit Ex-Sponsor Uralkali drohen noch rechtliche Probleme. In einem Statement forderte das Unternehmen Geld von Haas zurück und bezeichnete die Haas-Entscheidung als „unangemessen“.

Wie die Causa Uralkali weitergeht, weiß auch Steiner nicht. „Es ist ein sehr komplexes Thema, auch für rechtliche Experten“, sagt er und räumt ein, dass Haas „sicher etwas Geld verlieren“ wird. Steiner betont allerdings: „Das Team ist finanziell stabil. Um das Team muss man sich keine Sorgen machen. Das ist für mich das Wichtigste.“ Einen neuen Sponsor habe Haas noch nicht an Land gezogen, allerdings gebe es momentan mit mehreren Interessenten Gespräche, verrät Steiner.

Immer wieder Drama

Sorgen macht hingegen ein anderes Haas-Drama. Wegen Fracht-Problemen erreichten die Autos und Ersatzteile Bahrain verspätet. Das Team um Mick Schumacher und Mazepin-Ersatz Kevin Magnussen startete mit Verzögerung in die abschließenden Testfahrten in der Wüste. Dabei zählt dort jede Test-Minute. Inzwischen ist klar: Die Piloten dürfen am Freitag und Samstag länger fahren. Im Raum stand zuvor eine Sonderschicht am Sonntag, dagegen hatten andere Teams protestiert.

„Für uns wäre ein halber Tag am Sonntag besser gewesen“, erklärt Steiner. „Die Jungs sind müde, einer musste 30 Stunden durcharbeiten. Mit den längeren Tagen werden die Nächte kürzer. Deswegen wäre es für uns besser gewesen, am Sonntag nachzuholen.“

So gehen Mick Schumacher und Kevin Magnussen am Freitag und Samstag mit dem neuen Renner auf die Strecke. Sein Gefühl sage ihm, dass das Auto besser sei als im vergangenen Jahr, sagte der Teamchef. Ein Problem: „Wir haben noch zu viele Kinderkrankheiten beim Testen“, so Steiner. „Ich hoffe, wir kommen endlich richtig in die Gänge.“

Kurz darauf gab es schon wieder schlechte Nachrichten: Der Auspuff von Schumachers VF-22 streikte und bremste den deutschen Piloten aus.

2022 sollte alles besser werden, „nach oben gehen“, wie Steiner sagte. Bislang bleibt Haas aber vom Pech verfolgt.