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Formel 1: Anruf von VW? Kein Team würde ablehnen! Das sagt Williams-Teamchef Jost Capito

Williams-Teamchef würde sich über Einstieg freuen

Capito: Anruf von VW? Kein Team würde ablehnen!

von Felix Görner und Emmanuel Schneider

Steigt VW mit seinen Marken Porsche und Audi in die Formel 1 ein? Das Thema beschäftigt Fans, Experten und auch Teamchefs. Jost Capito, Williams-Boss, würde sich über einen Einstieg der deutschen Marke freuen und versichert im RTL-Interview: „Kein Team würde bei einem Anruf sagen: Schleicht euch!“ Mit einer Ausnahme.

Jost Capito: Formel 1 attraktiv für Hersteller

Dass die Volkswagen-Gruppe über ein Engagement in der Königsklasse intensiv nachdenkt, versteht der Teamchef des Traditionsrennstalls Williams als Vertrauensbeweis in die Stärke der Motorsport-Königsklasse. Es zeige, dass „die Formel 1 in den letzten Jahren an Interesse gewonnen hat und sehr attraktiv ist für Hersteller“, sagte Capito. „Ich würde mich freuen, wenn Volkswagen bald entscheidet, dass sie mit der ein oder anderen Marke in die Formel 1 kommen.“

Die Aussagen von Capito haben Gewicht, nicht nur weil er eines der bekannten Teams anführt. Sondern auch, weil er eine Vergangenheit bei VW und Porsche hat. Zwischen 1989 und 1996 hatte er eine leitende Position bei der Motorsport-Abteilung von Porsche. 2012 brachte ihn sein Karriereweg zu VW, wo er als Direktor Motorsport angestellt war. Seit dem vergangenen Jahr ist er CEO und Teamchef bei Williams in Personalunion.

Der 63-Jährige ist sich sicher: Jeder neue Hersteller mache die F1 „attraktiver, spannender.“ Einen konkreten Anruf aus dem Hause VW habe es noch nicht gegeben. „Es macht keinen Sinn darüber zu sprechen, bevor VW entschieden hat, ob sie wirklich in die Formel 1 gehen. Wenn man einen Anruf bekäme, dann würde glaube ich kein Team sagen: Schleicht euch!“ Das kann ich mir nicht vorstellen. Außer wenn Mercedes den Anruf bekommt“, so Capito lachend.

Selbst proaktiv auf die Hersteller zuzugehen sieht er als nicht zielführend. „Das macht glaube ich keinen Sinn, solange es keine Entscheidung gibt. Es gibt kein Grund, Hoffnungen zu schüren. Es muss Schritt für Schritt gehen.“

Video: "Hamilton sollte Platz machen"

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Capitos gewagtes Versprechen an Russell

Schritt für Schritt will sich auch das Team von Capito aus den hinteren Reihen vorarbeiten, den Ruf als Hinterbänkler-Truppe abschütteln. Mit Blick auf das Auto für 2022 ist Capito vorsichtig optimistisch. „Ich denke, wir haben einen soliden Job gemacht“, sagte er. „Wir glauben, dass wir ein gutes Auto auf die Beine gestellt haben. Dass nicht die Nachteile des letztjährigen Autos hat.“ In der Fabrik werde gerade noch „24/7“ gearbeitet. Das Design aber sei schon abgeschlossen.

Wo genau sein Team steht, sei „schwer zu sagen“. „Wir gehen nicht davon aus, dass wir das schnellste Auto haben. Wesentlich wichtiger ist, sich von dort, wo man beginnt, nach vorne zu arbeiten. Während der Saison vom reinen Speed her andere zu überholen.“ Dass einem Team ein grandioser Geistesblitz und Gamechanger gelingt wie anno 2009 Brawn GP (der Doppeldiffusor katapultierte das Team überraschend zum Titel), glaubt er indes nicht. „Das soll ja mit dem Reglement verhindert werden. Wir haben sicher so etwas nicht gefunden. Mal sehen, ob jemand anders was gefunden hat, wir sicher nicht.“

Ganz vorne erwartet Capito wenig überraschend das Trio Mercedes, Red Bull und Ferrari. „Sie haben die größten Kapazitäten von der Infrastruktur.“ Bei den Silbernen fährt in dieser Saison erstmals George Russell als Stammpilot an der Seite von Lewis Hamilton – wenn der nicht noch einen Rückzieher macht.

Seinem Ex-Fahrer Russell gab Capito zum Abgang noch eine möglicherweise gewagte These mit auf den Weg. „Als er gegangen ist, habe ich gesagt: Ich bin mir sicher, du kommst irgendwann zu Williams zurück, weil du Weltmeister werden willst.“

Die Antwort von Russell: Darüber würde er sich freuen.