Hätte Schlimmeres verhindert werden können?

Flutkatastrophe im Ahrtal: Politik wurde offenbar schon früh über Unwetter informiert

Mitte Juli hatte extremes Wetter einen großen Teil des Ahrtals zerstört.
Mitte Juli hatte extremes Wetter einen großen Teil des Ahrtals zerstört.
© deutsche presse agentur

16. September 2021 - 15:27 Uhr

Warnmeldungen kamen zu spät

Hätte die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal in Rheinlandpfalz verhindert werden können? Warnmeldungen über hohe Pegelstände und extremes Wetter erreichten Anwohnerinnen und Anwohner mitunter erst als es bereits zu spät war. Jetzt wurde öffentlich, dass die rheinlandpfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer bereits frühzeitig über sehr hohe Pegelstände informiert worden war. Laut einem Medienbericht wusste auch das Umweltministerium Bescheid, hatte jedoch noch am Nachmittag eine Pressemitteilung verschickt, mit der Aussage, dass "kein Extremhochwasser" drohe.

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Katastrophenfall erst am Abend ausgerufen

Einem Medienbericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zu Folge hatte es bereits am Nachmittag des 14. Julis – dem Tag der Flut, Anrufe aus Altenahr an das Landratsamt gegeben. Mit der Bitte den Katastrophenfall auszurufen. Zu dem Zeitpunkt hatte das Landesamt für Umwelt bereits einen Pegel von mehr als fünf Metern prognostiziert. Beim Jahrhundertwasser in Altenahr 2016 lag der Pegelstand bei 3,7 Metern.

Doch der Katastrophenfall wurde erst deutlich später ausgerufen: Erst um 23:09 Uhr. Erst dann sollten alle Gebäude im Umkreis von 50 Metern der Ahr evakuiert werden. Zu spät denn die meisten Häuser standen dann schon fast drei Stunden unter Wasser. Am Abend war der Pegel auf letztendlich sieben Meter angestiegen. Viele Menschen waren zu dem Zeitpunkt bereits verletzt oder haben ihr Leben verloren.

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Innenminister besucht Einsatzleitung am Abend

Die rheinlandpfälzische Ministerin Malu Dreyer sei "im Laufe des Abends" über die unübersichtliche Lage an der Ahr und in der Eifel im Austausch" gewesen. Trotzdem wurde der Krisenstab der Landesregierung erst am nächsten Tag aktiviert.

Landesinnenminister Roger Lewentz hatte zuvor – nach eigenen Angaben zwischen 19:14Uhr und 19:30 Uhr – noch die Einsatzleitung des Landkreises Ahrweiler besucht. Dort habe er einen "ruhig und konzentriert arbeitenden Krisenstab" erlebt, berichtet die Zeitung unter Berufung einer Sprecherin des Innenministeriums. Ein Foto von ihm, mache jedoch nicht den Eindruck einer Notlage.

Auch zu diesem Zeitpunkt hatte das Landesamt für Umwelt allerdings bereits einen Pegel von mehr als fünf Metern prognostiziert.

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Pressemeldung des Umweltlandesamtes am Nachmittag: "kein Extremhochwasser"

Auch am korrekten Vorgehen des Landesamts für Umwelt an diesem Tag, lässt der Medienbericht Zweifel und Fragen aufkommen – vor allem an Umweltministerin Anne Spiegel. Die Zeitung berichtet, dass das Ministerium noch um 16:43 Uhr eine Pressemitteilung verschickt hat. In dieser wurde mitgeteilt, dass "kein Extremhochwasser" drohen würde. Dabei hatte das Umweltministerium selbst bereits eine Stunde zuvor vor einem extrem hohen Pegelstand von mehr als fünf Metern gewarnt – über dessen Entwicklung das Amt laut des Berichts informiert worden sei.

Auf Nachfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erklärt eine Sprecherin des Ministeriums, dass sich diese Aussage auf die Pegelstände des Rheins und der Mosel bezogen hätten.

Bei dem Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden viele Gemeinden und insbesondere das Ahrtal verwüstet. Allein in Rheinland-Pfalz kamen durch das Hochwasser 133 Menschen ums Leben. In Nordrhein-Westfalen waren es 48 Tote. (khe)