Bahnstreik

Flixbus & Co. als Bahn-Alternative: Umstieg wird deutlich teurer

12. August 2021 - 8:39 Uhr

Deutsche Bahn: Ab Freitag wieder Regelbetrieb

Kunden der Deutschen Bahn müssen sich auch am Donnerstag auf Verspätungen und Zugausfälle einrichten. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) setzt ihren gestern begonnenen Streik im Güter- und Personenverkehr noch bis in die Nacht fort. Die Bahn setzt nach eigenen Angaben alles daran, ab Freitagfrüh wieder den Regelbetrieb zu fahren. In der Zwischenzeit nutzen Bahnkunden vermehr auf Alternativen wie Flixbus. Doch die Tickets bei den Fernbusanbietern werden wegen des Ansturms durch den Streik deutlich teurer.

Flixbus und Mietwagen als Alternative: Preise steigen

Viele Reisende hatten die GDL-Ankündigung vom Dienstagvormittag mitbekommen und stiegen auf andere Verkehrsmittel um. Wegen des Passagierandrangs setzt die Lufthansa bis einschließlich Freitag größere Flugzeugtypen auf ihren innerdeutschen Flügen ein, wie eine Sprecherin berichtete.

Auch Fernbus-Anbieter Flixbus sowie Mietwagen-Anbieter verzeichneten eine deutlich erhöhte Nachfrage. Damit stiegen auch die Preise. Flixbus wie Lufthansa arbeiten mit automatisierten Buchungssystemen, die teurere Buchungsklassen aufmachen, wenn die Plätze knapp werden. Viele Reisende haben inzwischen wenig Verständnis für die Gesamtsituation: "Es wird immer auf den Rücken der Gäste ausgetragen. Das finde ich scheiße", sagt ein Reisender gegenüber RTL, der von der Bahn in einen Fernbus umsteigen musste.

LESE-TIPP: Diese Rechte haben Bahnkunden bei Zugausfällen und Verspätungen

Ungewöhnlich lange Staus gab es im Berufsverkehr hingegen nicht. In der Mehrzahl der Bundesländer sind Schulferien.

Im Westen fahren deutlich mehr Züge als im Osten

Wie bereits am Mittwoch sollen auch am zweiten Streiktag nur rund 25 Prozent der Fernzüge nach einem Sonderfahrplan verkehren, hat die Deutsche Bahn angekündigt. Insbesondere in den westdeutschen Regionetzen könnten erneut etwas mehr Züge fahren, weil hier noch mehr beamtete Lokführer ohne Streikrecht ihren Dienst tun. Wegen des höheren Organisationsgrads der GDL im Osten waren unter anderem zwischen Berlin, Leipzig und Dresden gestern kaum Züge unterwegs.

GDL-Chef Claus Weselsky hat bereits mit weiteren Streiks gedroht. Insbesondere die von der Bahn vorgeschlagene lange Laufzeit von 40 Monaten für den Tarifvertrag müsse vom Tisch. Zu seinen Gefolgsleuten sagte Weselsky: "Ich verspreche euch nicht, dass es am Freitag schon vorbei ist. Aber wir gehen sorgsam mit unserer Tarifmacht um." Eine Entscheidung über weitere Arbeitskampfmaßnahmen soll erst in der kommenden Woche fallen.

Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn, die im Regional- und Güterverkehr beträchtliche Marktanteile haben. Bei ihnen kam es gestern ihren Verbänden zufolge nur zu vereinzelten Störungen.

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190 Güterzüge im Stau

Zusätzliche Sorgen bereitet in Corona-Zeiten der Platzmangel in den wenigen verbliebenen Zügen. "Die Züge werden dadurch natürlich voller als sie es sonst sind. Das macht die Sache nicht gerade leichter, denn wir versuchen ja in Pandemiezeiten möglichst viel Abstand zu bieten", sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Er kritisierte die GDL für die kurzfristige Streikankündigung. "Das ist unverantwortlich von der Lokführergewerkschaft, nur 15 Stunden Zeit zu lassen zwischen Streikankündigung und Streikbeginn."

Laut Bahn gefährdet der Streik auch die Lieferketten der deutschen und europäischen Industrie. Momentan stünden rund 190 Güterzüge im Stau, berichtete das Staatsunternehmen. Mit großem Aufwand und enger Zusammenarbeit mit anderen Bahnbetrieben fahre die Güterverkehrs-Tochter DB Cargo die versorgungsrelevanten Züge etwa zu Kraftwerken oder großen Industriebetrieben. (dpa/aze)