Mega-Bahnstreik übers Wochenende

Notfallfahrplan, Fahrgastrechte, Kulanzregelungen - das müssen Bahnreisende jetzt wissen

Die Gewerkschaft GDL streikt diesmal 6 Tage lang.
Die Gewerkschaft GDL streikt diesmal 6 Tage lang.
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01. September 2021 - 20:38 Uhr

GDL streikt 6 Tage lang

Für Bahnreisende und Pendler beginnen wieder harte Tage. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit zum Streik aufgerufen, ab Donnerstagfrüh um 2 Uhr ist auch der Personenverkehr betroffen. Im Fern- und Regionalverkehr kommt es wieder zu zahlreichen Verspätungen und Zugausfällen. Bei den letzten beiden Streiks konnte nur noch etwa jeder vierte Zug fahren. Der Streik soll Dienstagfrüh (7.09) um 2 Uhr enden. Die Bahn hat Fahrgäste darum gebeten, nicht notwendige Fernreisen vom 02.09. bis 09.09. zu verschieben.

Bahn bittet Kunden, nicht notwendige Reisen zu verschieben

Tausende Fahrgäste müssen improvisieren, es gelten wieder Ersatzfahrpläne. Auch im Regionalverkehr und bei den S-Bahnen dürfte es teils erhebliche Ausfälle geben.

LESE-TIPP: Zu spät zur Arbeit? Dass müssen Pendler jetzt wissen

Die Bahn bat Fahrgäste, nicht zwingend notwendige Reisen zu verschieben: "Bitte verschieben Sie Ihre vom 02. bis 06.09. geplanten Fernverkehrsreisen, wenn Sie nicht zwingend fahren müssen. Die Ticket-Gültigkeit wird ausgeweitet." Wegen des Coronavirus rief sie auch zu Rücksichtnahme in den Zügen auf.

Notfallfahrplan innerhalb Deutschlands

Während der Streiktage hat die Deutsche Bahn einen Notfallfahrplan aufgestellt und versucht, die wichtigsten Pendlerstrecken in den einzelnen Bundesländern zu bedienen. Einen Überblick über den Notfallfahrplan der Bahn finden Sie hier.

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Diese internationalen Verbindungen für Urlaubsreisende verkehren planmäßig

Belgien/Niederlande:

  • ICE-Züge Frankfurt(M) - Köln - Brüssel
  • ICE-Züge Frankfurt(M) - Köln - Amsterdam
  • IC-Züge Bad Bentheim - Amsterdam

Frankreich:

  • ICE/TGV-Züge Frankfurt(M) - Strasbourg/Saarbrücken - Paris
  • ICE/TGV-Züge Stuttgart - Strasbourg - Paris
  • TGV-Züge Frankfurt(M) - Strasbourg - Marseille

Schweiz:

  • ICE-Züge Hamburg - Frankfurt(M) - Basel - Zürich/Chur
  • IC-Züge Singen - Schaffhausen - Zürich

Österreich/Italien:

  • RJ-Züge München - Salzburg - Wien - Budapest
  • ICE-Züge Passau - Linz - Wien
  • EC-Züge München - Innsbruck - Verona

Tschechien:

  • EC/RJ-Züge Dresden - Prag (-Budapest)

Polen/Dänemark:

  • kein grenzüberschreitender Fernverkehr während des GDL-Streiks

Hinweis für Sylt-Verkehr

  • Der Sylt-Shuttle wird von den Streikmaßnahmen nicht betroffen und verkehrt nach dem regulären Fahrplan.

Besondere Kulanzregelungen für den Streik

Für den Zeitraum des GDL-Streiks gelten bei de Deutschen Bahn besondere Kulanzregelungen für die Gültigkeit bereits gekaufter Fernverkehrstickets:

"Alle Fahrgäste, die im Zeitraum vom Donnerstag, den 02.09. bis Dienstag, den 07.09.2021 ihre Reise aufgrund des Streiks der GDL verschieben möchten, können ihr bereits gebuchtes Ticket ab Montag, 30.08.2021 bis einschließlich Freitag, den 17.09.2021 entweder flexibel nutzen oder kostenfrei stornieren. Auch Sitzplatzreservierungen können kostenfrei umgetauscht werden. Zudem gelten bei Verspätung oder Zugausfall die allgemeinen Fahrgastrechte."

Die Bahn hat eine kostenfreie Hotline eingerichtet: Unter 08000 996633 gibt es weitere Informationen rund um den Bahnstreik.

Diese Rechte haben Bahnkunden bei Zugausfällen

Im Fall eines Streiks können die Fahrgäste:

  • von geplanten Zugfahrten zurücktreten und sich den Fahrpreis erstatten lassen, wenn eine Verspätung von mehr als 60 Minuten zu erwarten ist oder der Zug komplett ausfällt.
  • Wer trotzdem in den Zug steigt, für den gelten die üblichen Entschädigungsregeln: bei 60 Minuten Verspätung 25 Prozent des Fahrpreises, ab 120 Minuten 50 Prozent.
  • Wird ein Anschlusszug verpasst oder ist am Zielbahnhof eine Verspätung von mehr als 20 Minuten zu erwarten, können Reisende einen anderen – auch höherwertigen Zug – nehmen. Das Zugpersonal entscheidet, ob sich wegen Corona noch genug Plätze im Zug befinden.
  • Stranden Bahnkunden an einem Bahnhof und ist eine Weiterfahrt über Nacht nicht möglich, dann muss die Deutsche Bahn auch die Kosten für ein Hotel übernehmen, inklusive die Fahrt zum Hotel und zurück.
  • Taxikosten werden bis zu einem Betrag von 80 Euro übernommen, wenn die Ankunftszeit am Zielbahnhof zwischen 0 und 5 Uhr liegt und der Zug eine zu erwartende Verspätung von mindestens 60 Minuten am Zielbahnhof hat.

GDL-Streik umstritten

Die Lokführergewerkschaft GDL kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. So will die GDL auch bei den Mitarbeitern im Machtkampf mit der EVG punkten.

Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Sie haben im Regional- und Güterverkehr beträchtliche Marktanteile. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen möglich, wenn sich auch Fahrdienstleiter dem GDL-Streik anschließen.

Sie fordert unter anderem Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine deutliche Corona-Prämie im laufenden Jahr. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen.

Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. (dpa/aze)