Fatale Fehldiagnose

Frau bekommt 18 Monate lang Chemo - obwohl sie gar keinen Krebs hat

Janice Johnston bekam 18 Monate lang eine Chemotherapie, obwohl sie nicht an Krebs erkrankt war.
© Janice Johnston

28. Januar 2021 - 12:02 Uhr

Nach 18 Monaten Chemotherapie: Janice Johnston hatte nie Krebs

Was die vierfache Mutter Janice Johnston durchgemacht hat, wünscht man wohl nicht mal seinem schlimmsten Feind. Die Britin bekommt 2017 von Ärzten erst die Schockdiagnose Krebs und muss daraufhin eine langwierige und schmerzhafte Chemotherapie über sich ergehen lassen. Als die Behandlung nach Monaten immer noch keine Wirkung zeigt, holt sie sich eine zweite ärztliche Meinung ein und erfährt: Sie hatte nie Krebs.

Janice leidet unter Nebenwirkungen der Chemo: Haarausfall, Übelkeit, Gewichtsverlust

"Die Krebsdiagnose war ein absoluter Schock", erinnert sich die 53-jährige Janice Johnston im "BBC"-Interview an den Tag zurück, an dem die Ärzte ihr sagten, dass sie eine seltene Art von Blutkrebs habe und sich ihre Lebenserwartung dadurch beträchtlich verringern würde. "Aber erst als ich beim Hämatologen saß, verstand ich wirklich, was das bedeutete", so Janice weiter. "Ich war in einem Raum mit Menschen, die Chemotherapie bekamen und unglaublich krank aussahen."

Und so begannen 18 grauenvolle Monate für die vierfache Mutter, in denen die Chemo ihr alles abverlangte. Janice fielen die Haare aus, ihr Zahnfleisch bildete sich zurück und die ersten Zähne lockerten sich bereits in ihrem Kiefer. Wegen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Gewichtsverlust sowie heftigen Schmerzen und einem völlig zerstörten Immunsystem sah sich die Britin schließlich gezwungen, ihren Job als Mitarbeiterin eines Pflegeheims aufzugeben. Das sei für sie besonders schlimm gewesen, erzählt Janice Johnston im Interview mit "BBC". Hinzu kam die ständige Angst davor, die eigenen Kinder und Enkelkinder nicht weiter aufwachsen zu sehen.

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"Ich dachte, das wäre ein grausamer Scherz"

Als sich nach vielen Monaten der Chemotherapie keine Besserung bei Janice einstellte, beschloss sie, im Internet nach einem Spezialisten für die Krebsart Polycythaemia vera (PV) zu suchen, die ihr die Ärzte diagnostiziert hatten. Im Guy's Hospital in London wurde sie fündig und vereinbarte einen Beratungstermin. "Die Spezialistin sah sich mein Blutbild an und sagte: 'Ich glaube nicht, dass Sie Krebs haben.'", erinnert sich Janice.

Stattdessen, so habe ihr die Ärztin gesagt, habe sie eine seltene Erkrankung namens Sekundäre PV, die aber nichts mit Krebs zu tun habe. "Ich dachte, das wäre ein grausamer Scherz. Ich begriff nichts", so die Britin. "Sie frage mich, ob die Ärzte einen Knochenmarkstest und einen Milz-Scan gemacht hätten, um die Diagnose zu bestätigen - das hatten sie nicht."

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Krankenhaus zahlt Janice Schmerzensgeld

Das Krankenhaus gestand den Fehler ein und zahlte 75.950 britische Pfund (umgerechnet etwa 86.000 Euro) Schmerzensgeld an die ehemalige Patientin. Während ihr Mann einfach überglücklich über die Verwechslung gewesen sei, habe sie sich nur wütend gefühlt, sagt Janice. Noch heute leide sie unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung sowie Depressionen. Sie wolle nun vor allem die Menschen auf ihre Erkrankung aufmerksam machen – damit jene, die nach einer Diagnose Zweifel verspüren, wissen, dass sich das Einholen einer zweiten Meinung lohnen kann.