Jahrelange Krankenhausaufenthalte & ein Leben in Angst

Doch kein Krebs! Jenny (33) lebt sechs Jahre mit falscher Diagnose

Lucy Hammersley bekommt 2012 ihre Krebs-Diagnose. Erst Jahre später stellt sich heraus: Sie ist eigentlich vollkommen gesund!
Lucy Hammersley bekommt 2012 ihre Krebs-Diagnose. Erst Jahre später stellt sich heraus: Sie ist eigentlich vollkommen gesund!
© facebook/Lucy Hammersley

16. November 2021 - 9:45 Uhr

Lucy Hammersley bekommt mit 24 Jahren ihre (falsche) Krebs-Diagnose

Mit einer schrecklichen Krankheit diagnostiziert zu werden, muss unvorstellbar sein. Aber wie muss es sich erst anfühlen, wenn sich dann auch noch herausstellt, dass die Ärzte einen Fehler gemacht haben und man gar nicht krank ist? Von einem solchen Schicksal kann Lucy Hammersley aus Großbritannien ein Lied singen: Mit 24 Jahren soll sie Krebs haben, jahrelang lebt sie in Angst. Dann stellt sich heraus: Sie ist kerngesund.

Der Krebs der jungen Mutter soll angeblich gestreut haben

Mit 24 Jahren, im Jahr 2012, wird bei Lucy Hammersley aus Essex, Großbritannien, Krebs im vierten Stadium diagnostiziert. Die Ärzte finden einen verdächtigen Knoten in ihrer Gesäßbacke, wie die "Sun" berichtet. Für die damals frisch gebackene Mutter eines kleinen Mädchens ein Riesenschock. Angeblich soll es sich bei dem Knoten nämlich um ein Melanom handeln, das sich von einer anderen Stelle in ihrem Körper bis in den Po ausgebreitet hat. Zum Glück kann der Knoten entfernt werden – woher er allerdings gestreut hatte, bleibt zunächst unklar. Deswegen soll Hammersley regelmäßig zur Kontrolle kommen. Es folgen jahrelange Krankenhausaufenthalte und ein "Leben in ständiger Angst", wie sie gegenüber der britischen Zeitung erklärt. "Ich war dauernd darauf gefasst, dass der Tag kommt, an dem sie mir sagen werden, dass sie den Ursprung gefunden haben, nur um mir dann zu sagen, wie viel Zeit mir noch bleibt. Denn offensichtlich war Krebs im vierten Stadium sehr ernst."

Ihr Leben gerät völlig aus den Fugen, wie die heute 33-Jährige weiter erklärt. "Ich konnte mich nicht mehr auf das Leben oder irgendetwas anderes konzentrieren, ich wurde depressiv, verlor viel Gewicht und trank viel zu viel Alkohol."

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"Ich kann die Zeit nie wieder zurück bekommen"

Lucy Hammersley wurde 2012 fälschlicherweise mit Krebs im vierten Stadium diagnostiziert.
Lucy Hammersley (rechts) und ihre Kinder können die schwere Zeit hoffentlich nun hinter sich lassen.
© facebook/Lucy Hammersley

"Ich habe mein Leben völlig auf Eis gelegt, wollte niemanden kennen lernen", erzählt sie. Erst Jahre später hat sie einen neuen Partner kennengelernt, mit dem sie einen neuen Arzt aufsucht. Hammersley hofft durch die zweite Meinung endlich mehr Klarheit zu bekommen. Wie sich dann herausstellt, ist die Britin völlig gesund! Sechs Jahre Bangen für nichts! Einen Krebs, der gestreut hat, gibt es gar nicht. "Es war eine wirklich seltsame Mischung aus Wut und Erleichterung. Meine erste Reaktion war: 'Sie müssen mich mit jemandem verwechselt haben.' Man vertraut Ärzten im Krankenhaus, man glaubt ja nicht daran, dass sie so etwas Schwerwiegendes falsch machen", erinnert sie sich.

Mittlerweile hat sie fast 50.000 Euro Entschädigung erhalten, nachdem sie den "Mid and South Essex NHS Foundation Trust" wegen medizinischer Fahrlässigkeit verklagt hat. Trotzdem hat Hammersley das Gefühl, sechs Jahre ihres Lebens verloren zu haben: "Ich denke darüber nach, was passiert wäre, wenn ich an jenem Tag im Jahr 2012 nicht zum Arzt gegangen wäre – wie mein Leben anders verlaufen wäre. Und ich habe das Gefühl, dass ich sechs Jahre lang umsonst leiden musste. Ich kann die Zeit nie wieder zurück bekommen. Das wird auch keine Geldsumme je ändern können." Trotz allem ist sie glücklich: "Ich habe zwei weitere Kinder bekommen und einen Partner, der die ganze Zeit zu mir gehalten hat." Hoffentlich kann die Familie diese Erfahrung verarbeiten und die Zeit hinter sich lassen. (vdü)

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