Nach Sprit, Heizöl und Nudeln die nächste Preiserhöhung

Kosten Brötchen bald über 1 Euro?

Bereits jetzt haben einige Bäckereien ihre Preise angepasst. Nachzügler sind zu erwarten.
Bereits jetzt haben einige Bäckereien ihre Preise angepasst. Nachzügler sind zu erwarten.
© dpa, Jan Woitas, woi wst

19. Oktober 2021 - 9:31 Uhr

Verteuerungswelle trifft Bäcker

Man merkt es an der Zapfsäule, auf der Heizabrechnung und im Supermarkt: Überall schießen die Preise nach oben. Die Inflation in Deutschland ist so hoch wie schon seit Jahrzehnten nicht. Und bald wird auch der Gang zum Bäcker teurer.

Das Backhandwerk sieht sich gezwungen, die Preise zu erhöhen, da an allen Ecken und Kanten die Kosten steigen. Die "Allgemeine BäckerZeitung" (ABZ) warnt sogar vor Brötchenpreisen "weit über einen Euro".

"Bäcker zahlen doppelt"

Die enorme Verteuerungsrate trifft uns alle. Doch "Bäcker zahlen doppelt: an der Kasse im Supermarkt und der Tankstelle wie jeder andere auch", heißt es in der Allgemeinen BäckerZeitung. Zu diesen Preissteigerungen kämen auch noch Preisentwicklungen auf dem Rohstoff- und Energiemarkt, "die schwindelig machen".

Tatsächlich sind die Preise für beispielsweise Getreide im letzten Jahr rasant gewachsen: Das statistische Bundesamt gibt an, dass das Landwirtschaftsprodukt diesen August rund ein Drittel mehr kostet als noch im Vorjahr. Damit erleben wir gerade den höchsten Anstieg für Getreidepreise seit 2013.

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Steigende Kosten erzwingen steigende Preise

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Die Kosten für Getreide und andere Backzutaten gehen durch die Decke.
© imago images/Westend61, Manu Reyes via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Doch nicht nur die Getreidepreise bringen die Bäcker finanziell in die Bredouille. Auch andere Back-Zutaten hätten sich im letzten Jahr deutlich verteuert."Rosinen, Mandeln und Kürbiskerne beispielsweise kommen aus Übersee. Und die Transportkosten haben sich teilweise verzehnfacht", berichtet Johannes Kamm der Berliner Zeitung (BZ).

Zudem kommt ein neuer Tarifvertrag im Bäcker-Handwerk, der den Beschäftigten höhere Löhne verspricht. "Wir wollen unsere Beschäftigten ordentlich bezahlen, denn auch wir haben mit Fachkräftemangel zu kämpfen", betont Kamm.

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Der Chef der Bäcker-Innung Berlin und des Konditoren Landesverbands Berlin-Brandenburg glaubt aber auch, dass Preiserhöhungen an der Brötchen-Theke die Konsequenz sein können: "Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Betriebe jetzt die Preise erhöhen müssen, damit sie ihre stark steigenden Kosten überhaupt noch decken können." Die ABZ warnt sogar davor, dass "viele Betriebe an den Folgen der post Corona scheitern."

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Wie viel kosten Brötchen bald?

Wie hoch die Preise deswegen bald genau sein werden, lasse sich pauschal nicht sagen. Denn "jeder Betrieb kalkuliert individuell für sich", meint der Verbandschef. Und die Fachzeitung ABZ rechnet vor: "Um Zweit- und Dritteffekte der explodierenden Energiepreise auszugleichen, müsste ein Brötchen weit über einen Euro kosten."

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Bereits jetzt berichtet die BZ über Berliner Bäcker, die sich zu Preiserhöhung gezwungen fühlen. Bäckermeiste Torsten Scholz prognostiziert: "Wir werden unsere Preise wohl um rund zehn Prozent erhöhen müssen." Brötchenpreise würden dann von 30 auf 33 Cent steigen. Und auch die älteste Bäckerei und Konditorei Berlins hätte bereits jetzt den Preis für ihre Berliner erhöht: Von 1,20 auf 1,30 Euro.

Es scheint also nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Kunden die gestiegen Preise beim Brötchen-Kauf bemerken. (skn)