Inflations-Wahnsinn im September

Darum steigen in Deutschland die Preise um 4,1 Prozent

30. September 2021 - 21:07 Uhr

Höchste Inflationsrate seit 1993

Die megahohen Energiepreise haben die deutsche Inflationsrate im September erstmals seit 1993 über die Vier-Prozent-Marke getrieben. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um durchschnittlich 4,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte.

Nur in Baden-Württemberg liegt Inflation bei knapp unter 4 Prozent

In Bayern, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen verteuerten sich Waren und Dienstleistungen zwischen 4,0 und 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Nur in Baden-Württemberg blieb die Inflation knapp unter der Vier-Prozent-Schwelle.

Die Teuerung wird seit Monaten von steigenden Energiepreisen angeheizt. Im Zuge der Konjunkturerholung nach der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Rohöl deutlich gestiegen, das treibt die Preise nach oben. In Deutschland sind zudem seit Januar 25 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Beides lässt die Energiepreise steigen. So mussten im September die Verbraucher für Haushaltsenergie und Kraftstoffe nach den vorläufigen Daten 14,3 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor.

Im August hatte die Inflationsrate bundesweit noch bei 3,9 Prozent gelegen. Das sind die 20 Waren und Dienstleistungen, die im August besonders im Preis gestiegen sind:

Verbraucherpreisindex: Diese Waren und Dienstleistungen sind im August 2021 besonders teuer geworden

Waren und DienstleistungenVeränderungen gegenüber Vorjahreszeitraum in Prozent
Leichtes Heizöl57,3 %
Dieselkraftstoff27,8 %
Superbenzin26,4 %
Autogas24,2 %
Glücksspiele14,4 %
Foto- und Videokameras11,0 %
Fahrschule10,3 %
Gemüse9,0 %
Schiffsticket8,6 %
Speisefette und Speiseöle7,4 %
Finanzdienstleistungen6,2 %
Fahrzeuge5,0 %
Pflanzen und Blumen6,1 %
Milch, Butter, Eier5,0 %
Erdgas4,9 %
Produkte für Körperpflege4,8 %
Mineralwasser, Limonaden und Säfte4,3 %
Brot und Backwaren4,3 %
Zeitungen und Zeitschriften4,3 %
Bekleidung4,0 %

Aber es ist nicht nur die teure Energie, die die Preise hochtreibt. So wird die schlechte Weizenernte zu Preiserhöhungen bei Nudeln führen. Und auch bei Softdrinks wurden bereits höhere Preise angekündigt: So teilte Coca-Cola den Händlern bereits mit, wegen höherer Rohstoffpreise die Preise anzupassen.

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Experten rechnen noch in diesem Jahr mit Inflation von 5 Prozent

Experten zufolge ist damit das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. "Wir werden in den nächsten Monaten noch höhere Inflationsraten bekommen", sagte kürzlich der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser. "Sie wird vielleicht in Richtung fünf Prozent gehen."

Die starke Teuerung ist dem Bankenverband zufolge auf temporäre Sondereffekte zurückzuführen wie dem extrem niedrigen Ausgangsniveau bei den Rohstoffpreisen, Pandemie- und Lockdown-bedingten Nachholeffekten oder der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung im Kampf gegen die Corona-Krise in der zweiten Jahreshälfte 2020. (dpa/reuters/aze)