Weizenpreis steigt stark

Werden Nudeln bald deutlich teurer?

21. September 2021 - 15:20 Uhr

Miese Weizenernte treibt Preise nach oben

Die steigenden Preise machen sich immer mehr beim Einkauf bemerkbar. Nicht nur Gemüse ist teurer geworden, demnächst könnten Verbraucher auch für Nudeln deutlich mehr bezahlen. Der Grund ist derselbe: Das Klima setzt den Herstellern kräftig zu, die Nudelhersteller stöhnen bereits seit Wochen über schlechte Weizenernten.

Pasta-Weltmarktführer Barilla warnt vor "harten Zeiten"

So machen Engpässe bei der weltweiten Weizenversorgung und steigende Rohstoffpreise dem Pasta-Weltmarktführer Barilla zu schaffen. Viele hielten Lebensmittel für selbstverständlich, aber es sei ein sehr fragiles System, sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef, Paolo Barilla, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Weizenproduktion in diesem Jahr ist ungenügend, das kann eine sehr harte Zeit sein", so der 60-Jährige, der das Familienunternehmen zusammen mit seinen Geschwistern lenkt. "Damit haben wir vor zwei oder drei Monaten nicht gerechnet."

Hitzewellen ließen die Weizenernten in den wichtigsten Exportregionen der Welt zuletzt verdorren. Dies überraschte die Handelsunternehmen und konfrontierte die Mühlen mit möglichen Produktionskürzungen. Der Klimawandel könnte der Branche in Zukunft zunehmend zusetzen, warnte Barilla.

Klimawandel wirkt sich auf Weizenernte aus

Das bestätigt auch Guido Jeremias, Spartensprecher Teigwaren und Hartweizenmühlen vom Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS), gegenüber Capital: "Die diesjährige Erntemenge reicht nicht aus, und wir sehen eine Verdoppelung, teilweise eine Verdreifachung der Preise für Hartweizen." Ähnlich wie Barilla für Italien sieht der Verbandssprecher eine "dramatische Situation" in Deutschland. Wie stark die Engpässe sich beim Endverbraucher bemerkbar machen werden, sei noch unklar. "Aber die Rohstoffe haben neben Energie und Fracht einen erheblichen Anteil daran, die Kosten nach oben zu treiben", so Jeremias.

Auch in Deutschland herrscht bei den Nudelherstellern Alarmstufe Rot: Der Klimawandel schlägt unerbittlich zu. War ganz Nordeuropa in diesem Frühjahr von einer Feuchtwetterlage stark betroffen, vernichtete in Kanada und den USA eine ungewöhnlich lang anhaltende Dürre die Hälfte der Weizenerträge. Und das schlägt sich auf den Preis nieder: Im August dieses Jahres kostete Hartweizen zwischenzeitlich mehr als 600 Euro je Tonne. Im Vorjahr waren es laut VGMS weniger als die Hälfte und 2019 rund 220 Euro.

Auf Nudelfans können harte Zeiten zukommen. Immerhin verzehren die Deutschen laut Herstellerverband rund 9,5 Kilogramm Nudeln im Durchschnitt pro Kopf. Bei über der Hälfte der Verbraucher kommen Nudeln mindestens einmal pro Woche auf den Tisch. Zwar versprechen die Nudelhersteller, dass die Verbraucher nicht vor dauerhaft leeren Regalen stehen werden. Allerdings wird die ausreichende Nudelversorgung ihren Preis haben. (capital/reuters/aze)