Von Kohle zu KIMicrosoft baut drei Rechenzentren im Rheinischen Revier

von Tosca Strassberger und Niklas Bönsch

Im Rheinischen Revier beginnt ein neues Kapitel: Der US-Konzern Microsoft baut in Bergheim, Bedburg und Elsdorf gleich drei große Rechenzentren, unter anderem für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz. Die Milliardeninvestition soll der Strukturwandelregion neue Jobs bringen. Kritiker warnen dennoch vor wachsender Abhängigkeit von einem US-Techriesen.

Milliarden für neue Jobs in der Kohle-Region

Mit einem symbolischen Spatenstich ist am Donnerstag (12.03.) der Startschuss für die neuen Microsoft-Standorte im Rheinischen Revier gefallen. Der Softwarekonzern plant in Bergheim, Bedburg und Elsdorf drei große Rechenzentren, die künftig auch für KI-Anwendungen genutzt werden sollen. Insgesamt will Microsoft nach eigenen Angaben 3,2 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Ein erheblicher Teil davon fließt in die vom Kohleausstieg betroffene Region. Schon während der Bauphase sollen Tausende Arbeitsplätze entstehen. Aber nicht nur das: „In einem langfristigen Betrieb der Rechenzentren werden hier hunderte neue Arbeitsplätze geschaffen und dass hier so viele qualifizierte Menschen zu finden sind im Rheinischen Revier, war unter anderem ein Grund, warum wir uns für den Standort entschieden haben“, erklärte Agnes Heftberger, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, beim Baustart.

Strukturwandel von der Braunkohle zur KI

Das Rheinische Revier ist eines der größten Braunkohlegebiete Europas. Mit dem vorgezogenen Kohleausstieg steht die Region unter Druck, neue Perspektiven zu schaffen. Wo früher Tagebaue und Kraftwerke das Bild prägten, sollen nun Rechenzentren und digitale Infrastruktur entstehen. Die Landesregierung sieht darin eine Chance, den Wandel aktiv zu gestalten. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) betonte, es sei gut, dass sich die Region nun mit IT und IT-Infrastruktur neu ausrichte. So könnten unterschiedliche Chancen „an unterschiedlichen Orten“ in konkrete Wertschöpfung übersetzt werden, sagte sie und machte deutlich, dass die Projekte im Rheinischen Revier aus ihrer Sicht ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Technologie- und KI-Region sind.

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Sorge vor Abhängigkeit von US-Konzern

Die Microsoft-Milliarden sorgen aber nicht nur für Jubel. Kritiker warnen davor, zentrale Teile der digitalen Infrastruktur einem US-Konzern zu überlassen und damit die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern weiter zu vergrößern. Die Frage nach digitaler Souveränität stellt sich besonders deutlich, wenn Cloud- und KI-Dienste von wenigen internationalen Techriesen dominiert werden. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) kennt diese Bedenken, sieht darin aber keinen Widerspruch zu den aktuellen Plänen. Man müsse Partnerschaften eingehen, betonte er: Deutschland werde „niemals in einer Welt leben, wo wir alles alleine können“. Gleichzeitig müsse sich das Land stärker auf eigene Fähigkeiten besinnen und „mal wieder selber machen“, um eigenes Wachstum zu erzeugen, so Wildberger.

Fertigstellung für 2028 geplant

Bis die Server im Rheinischen Revier tatsächlich laufen, wird es noch dauern. Nach den aktuellen Planungen soll das erste Microsoft-Rechenzentrum in der Region im Jahr 2028 in Betrieb gehen. Für die vom Kohleausstieg geprägten Kommunen ist der Baustart trotzdem ein wichtiges Signal: Die Flächen der früheren Energieindustrie sollen zum Motor einer neuen, digitalen Wirtschaft werden. Ob die Investition am Ende eher als Vorzeigeprojekt des Strukturwandels oder als Symbol neuer Abhängigkeiten wahrgenommen wird, dürfte sich allerdings erst zeigen, wenn die Rechenzentren tatsächlich arbeiten und die versprochenen Jobs in der Region angekommen sind.