Arbeitskräftemangel in Deutschland

Wer soll auf dem Weihnachtsmarkt den Glühwein ausschenken?

Der Berliner Weihnachtsmarkt dürfte in diesem Jahr wieder stattfinden.
Der Berliner Weihnachtsmarkt dürfte in diesem Jahr wieder stattfinden.
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13. Oktober 2021 - 14:51 Uhr

Betreiber schlagen Alarm

Die Weihnachtsmärkte werden in diesem Winter wieder öffnen. Aber können sich die Besucher auch wirklich auf Glühwein, Punsch und Flammkuchen freuen? Einige Betreiber schlagen jedenfalls Alarm. Ihnen fehlen die Arbeitskräfte. Und das könnte nicht nur auf Weihnachtsmärkten zu Problemen führen. Denn: In Deutschland fehlen viele Arbeitskräfte!

"Long Covid" in der Gastronomie?

"Uns fehlen schlicht die Leute, die in den Marktständen arbeiten wollen", berichtet u. a. Moritz Hitzer (36), Juniorchef von "Advent auf dem Neumarkt" der "Bild-Zeitung" und erklärt weiter: "Wir rekrutieren bereits Mitarbeiter in Osteuropa". Aber selbst das sei schwer. Auch Holger Zastrow, Betreiber des Augustusmarktes in Dresden, warnt in der "Bild-Zeitung": "Der Gastronomie und den traditionellen Märkten droht ein wirtschaftliches Long Covid."

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Auch Einzelhändler suchen händeringend

Neben der Gastronomie sind auch andere Branchen betroffen. Zum Beispiel der Einzelhandel. Die Unternehmerin Martina Hübner betreibt im Erzgebirge mehrere Bäckereien. Sie beschäftigt 160 Mitarbeiter, 20 weitere Stellen kann sie nicht besetzen, weil sie keine Arbeitskräfte findet, berichtet sie dem "Spiegel". Ähnlich geht es vielen Betrieben in der Region. Bei Bäckern und Fleischern "laufen uns die Leute alle weg", sagt Thomas Lißner, Chef der Gewerkschaft NGG in der Region Dresden-Chemnitz dem "Spiegel". Fest steht: Fast überall fehlen Arbeiter und Fachkräfte!

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Lage könne sich zuspitzen

"Ich glaube, der Fachkräftemangel zeichnet sich branchenübergreifend ab", sagt Peter Adrian, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) im RTL-Interview. Sein Lösungsansatz: "Wir als deutsche Wirtschaft, wir versuchen auszubilden, versuchen junge Menschen in diese Fachkräftepositionen hineinzubringen. Wir stehen aber auch zur Verfügung, um Fachkräfte aus anderen Ländern hier in die Wirtschaft zu integrieren", stellt er klar.

Auch der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, hat vor einem massiven Arbeitskräftemangel in Deutschland gewarnt und forderte in der "Süddeutschen Zeitung": "Wir brauchen 400.000 Zuwanderer pro Jahr. Also deutlich mehr als in den vergangenen Jahren" Durch die demografische Entwicklung habe die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte im typischen Berufsalter bereits in diesem Jahr um fast 150.000 abgenommen, in den kommenden Jahren werde es noch "viel dramatischer" werden. (xst)