Ehegatten-Splitting und Mini-Jobs

100.000 Frauen in neue Jobs: Bertelsmann-Stiftung schlägt Reform vor

13. Oktober 2021 - 14:35 Uhr

Für viele Frauen lohnt sich Arbeiten kaum

Millionen Frauen und Mütter haben ein geringeres Einkommen als ihr Partner und sind demnach Zweitverdienerinnen. Das Ja-Wort verspricht steuerliche Vorteile. Aber für Millionen Frauen lohnt sich heute Arbeit über den Minijob hinaus kaum. Damit sich das ändert, schlägt die Bertelsmann-Stiftung Reformen vor. Aber was muss sich ändern?

Bei einem Teilzeitjob bleibt kaum Geld

Von 7,6 Millionen Ehefrauen im Alter von 25 bis 60 Jahren haben mit 6 Millionen rund drei Viertel ein geringeres Einkommen als ihr Partner und sind demnach Zweitverdienerinnen. Für sie setzt das Steuer- und Sozialversicherungssystem laut Bertelsmann-Studie in Deutschland falsche Anreize.

Der Grund: "Für Frauen und Mütter ist die Kombination aus Ehegattensplitting und Minijobs eine Falle und Grund dafür ist, dass sich bei einem Verdienst jenseits des Minijobs – der Steuer- und abgabenfrei ist – für verheiratete Ehefrauen das Ehegattensplitting greift", sagt Manuela Barišić, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. Das führe dazu, dass Ehefrauen in diesem Fall sehr stark besteuert werden.

Ein Beispiel: Verdient der Mann 48.000 Euro brutto im Jahr, würde die Ehefrau bei einem Stundenlohn von 10 Euro und einem Minijob mit ca. 10 Wochenstunden 5.400 Euro im Jahr hinzuverdienen. Wählt sie stattdessen einen Teilzeitjob mit 20 Wochenstunden, bei gleichem Bruttostundenlohn, blieben der Familie nicht einmal mehr 1.000 Euro zusätzlich.

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Minijobs sind krisenanfällig

Die Folge: Viele Zweitverdienerinnen entscheiden sich häufig für einen Minijob, der sich insbesondere in der Corona-Pandemie als besonders krisenanfällig erwiesen hat. Dies hat weitreichende Folgen für die Absicherung der Frauen – sowohl bei Arbeitslosigkeit als auch im Alter. "Es muss uns gelingen, Frauen und Mütter aus der Zweitverdienerinnenfalle zu befreien", sagt Barišić.

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108.000 Frauen könnten in Arbeit gebracht werden

Die Lösung: "Das Ehegattensplitting müsste in ein Realsplitting umgewandelt werden und die Minijobs in reguläre Beschäftigungen", erklärt Barišić. So könnten laut Berechnungen der Studie 124.000 Menschen in Arbeit gebracht werden, darunter 108.000 Frauen. "Arbeit muss sich für alle lohnen, insbesondere für Frauen und Mütter", stellt Barišić klar. Denn: "Eine kombinierte Reform könnte auch helfen, Geschlechterunterschiede auf dem Arbeitsmarkt zu reduzieren." (xst)