Meldungen über Pilzvergiftungen

Experten warnen vor Apps für Pilzsammler

Grüner Knollenblätterpilz.
Grüner Knollenblätterpilz.
© dpa, Bernd Wüstneck, erü jol hoh uk wie

27. September 2021 - 9:08 Uhr

Giftinformationszentrum (GIZ) Nord warnt

Wer auf Pilzsuche im Herbst geht, sollte sich nicht auf Apps oder Google verlassen. Davor warnt das Giftinformationszentrum (GIZ) Nord. Derzeit gebe es wieder vermehrt Meldungen über Pilzvergiftungen bei der Beratungsstelle der Universitätsmedizin Göttingen.

Oft handele sich um Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen

"Zur Zeit melden sich rund eine Handvoll Menschen täglich bei uns", sagt Andreas Schaper der Deutschen Presse-Agentur. Mit seinem Kollegen Martin Ebbecke leitet der Toxikologe das GIZ-Nord, das für die Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zuständig ist. Bei Pilzvergiftungen seien Sommer und Herbst die Hochzeit. Es habe bisher keine Toten zu beklagen gegeben. Oft handele sich allerdings um Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen. "Das Gift dieses Pilzes kann die Leber zerstören und zum Tod führen", erklärte Schaper. Dem Experten zufolge vergiften sich in vielen Fällen aus dem Ausland zugezogene Menschen. Diese kennen aus ihrer Heimat Pilze, die in Deutschland wachsenden Exemplaren sehr ähnlich sehen. "Nur die einen sind harmlos und die anderen können sehr giftig sein", sagte Schaper. Deshalb sei es vor dem Pilzesammeln wichtig, sich umfassend zu schulen. Apps oder Internetrecherchen seien nicht ausreichend. Schaper: "Im Zweifel gesammelte Pilze besser nicht essen." In der Regel sind Pilzvergiftungen durch folgende Symptome zu erkennen: Fieber, Harnbluten, Brechdurchfall, Herzschwäche, Leibschmerzen und Schwellung der Leber. In diesen Fällen sollte man grundsätzlich schnellstmöglich einen Arzt oder das Krankenhaus aufsuchen, oder den Notarzt verständigen.

Rund 1000 Pilzvergiftungen und Verdachtsfälle pro Jahr

Dem Notruf werden pro Jahr rund 1000 Pilzvergiftungen und Verdachtsfälle üblicherweise gemeldet. Von mehr als 40.000 möglichen Vergiftungen erlangt die Beratungsstelle jährlich Kenntnis. Es geht aber bei den Beratungen auch um Unverträglichkeiten, überwiegend was Arzneimittel sowie chemische Produkte betrifft. Neue psychoaktive Substanzen bereiten seit einiger Zeit den Fachleuten Sorgen. Seit fünf bis sieben Jahren werden neuartige Drogen mit Namen wie "Spice", "Kräutermischung" oder "Badesalz" häufiger gemeldet. Zudem fallen synthetische Cannabinoide, also künstlich hergestellte Rauschmittel, die Cannabis ähneln, nach Schapers Angaben auf. "Die Zahlen explodieren nicht", sagte der Leiter des GIZ-Nord. "Aber sie treiben uns um." (dpa/rri)