"Da muss ich als Arzt der Spielverderber sein"

Experte zum Wegfall der Maskenpflicht: Was spricht dafür, was dagegen?

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia
Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, zum Wegfall der Maskenpflicht
RTL

Fast zwei Jahre lang war die Maske unser ständiger Begleiter: zunächst als selbstgenähtes Exemplar und später in Form von FFP2 oder medizinischer Maske. Doch damit ist nun in den meisten Bereichen Schluss. Die Maske darf seit dem 3. April 2022 zu Hause bleiben. Ausnahmen gibt es nur noch vereinzelt. Ist diese Maßnahme angesichts der aktuellen Coronazahlen überhaupt sinnvoll? Wir haben mit Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, gesprochen.

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Das sind die Vor- und Nachteile

Seit dem 3. April 2022 dürfen wir in den meisten Lebensbereichen auf den schützenden Helfer verzichten, aber ist das wirklich sinnvoll? Dr. Zinn sieht den Wegfall der Maskenpflicht im RTL-Interview kritisch: „Der Nachteil ist, da muss ich als Arzt der Spielverderber sein, dass die Infektionszahlen noch sehr hoch sind und das Infektionsrisiko immer noch sehr sehr groß ist und man sich schützen muss. Deshalb würde ich für das Weitertragen der Maske für die nächsten 4-6 Wochen – gerade in geschlossenen Räumen - plädieren.“

Ohne Maske könne es zu einer schnellen Ansteckung kommen: „Mit der BA.2-Variante, die momentan vorherrschend ist, geht es relativ schnell. Ein paar Minuten in der Schlange an der Kasse gestanden oder ein kleiner Schnack mit dem Nachbarn, das ist schon ein Infektionsrisiko. Deshalb würde man gerade in solchen Situationen die Maske empfehlen“, sagt Dr. Zinn.

Es gebe jedoch auch Vorteile, wenn die Maske nicht mehr getragen würde: „Endlich kann man wieder in Gesichter gucken, Mimik sehen. Man kann wesentlich besser atmen. Das sind die großen Vorteile. Auch weniger Konflikte in Geschäften und Restaurants.“

Wegen Wegfall der Masken: Kommt eine große Krankheitswelle auf uns zu?

Zusätzlich begünstige das Ende Maskenpflicht nicht nur die Ansteckung mit Corona, sondern auch mit anderen Krankheitserregern. Im Frühjahr rechnet der Experte noch mit keiner Krankheitswelle, aber im Herbst werde es vermehrt Erkältungen und Influenza-Ausbrüche geben: „Wir sollten jetzt aber keine Angst haben. Wir sollten uns bewusst sein, dass es da Probleme geben könnte. Wir haben das bei den Kindern im Frühjahr/Sommer erlebt, dass da Infektionen mit den RS-Viren nachgeholt wurden, die vorher nicht zirkulierten – und die Kinder waren geschützt. Wir sehen das auch jetzt bei Älteren mit sogenanntem Brech-Durchfall, hervorgerufen durch Noro-Viren. Die gute Nachricht ist, dass das alles weniger gefährlich ist als Corona.“
Und auch bei diesen Krankheiten helfe es, die Hygienemaßnahmen wie Abstand und Händewaschen sowie das Masketragen beizubehalten. (pdr)

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