Kinder bewegen sich kaum noch - wegen des Corona-Lockdowns

Experte schlägt Alarm: Die Kinder von heute sind die Kranken der Zukunft!

20. Mai 2021 - 9:26 Uhr

Sportwissenschaftler: „Was wir den Kindern zumuten, fördert Krankheit"

Kinder hatten es im vergangenen Corona-Jahr besonders schwer – sie durften sich im Lockdown lange nicht mit Freunden treffen, nicht zum Sportverein und sich richtig austoben. Auch Homeschooling und ständiges Rumsitzen zu Hause hinterlassen ihre Spuren. Eine Studie der Uniklinik Münster macht deutlich: Über ein Viertel der Jugendlichen bewegt sich wegen der Kontaktbeschränkungen und der Schulschließungen nahezu überhaupt nicht mehr. Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln, schlägt Alarm: "Was wir den Kindern zumuten, fördert Krankheit", glaubt der Experte. Er fordert schnelles Handeln seitens der Politik – aber auch von Eltern.

Auch Fußball-Star Hans Sarpei hat sich auf die Fahne geschrieben, Kinder zu mehr Bewegung und gesunder Ernährung zu motivieren – im März erschien dazu auch sein Buch "Hans Sarpeis Fußballküche"*. Ein paar Tipps und Übungen verrät er im Video.

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Gehemmte Entwicklung durchs Zuhausebleiben

"17 Prozent der Kinder haben sich im Verein abgemeldet - dramatisch!", sagt Ingo Froböse im Gespräch mit RTL. Etwa 90 Minuten am Tag mehr säßen Kinder in der Freizeit vor den Medien. Die kindliche Entwicklung reduziere sich dadurch quasi aufs Zuhausebleiben. "Dementsprechend heißt es, dass die ganze Motorik – und die kann man nicht mit Hilfe eines Nachhilfekurses nachholen – auf der Strecke bleibt."

Die Wichtigkeit von Sport und Bewegung – auch im Spiel mit anderen – sei in der kindlichen Entwicklung von größter Bedeutung, so der Sportwissenschaftler. "Ich muss zum Beispiel brüllen und schreien, damit die Lunge sich richtig entwickelt. Ich muss den Herzmuskel so entwickeln, dass ich durch Laufen, Springen, Spielen auch mal die Herzfrequenz in die Höhe bringe." Die Gelenke müssten bewegt und die Muskeln in die Länge gezogen werden. Falle das bei Kindern immer mehr weg, so wie jetzt in der Corona-Zeit, werde das für die Gesellschaft spürbare Folgen haben: "Es ist so schlimm, dass wir gerade bei den Kindern die Kranken der Zukunft produzieren", so Froböse. "Krankheiten, für die wir alle später bezahlen müssen."

Experte: "Kindliche Entwicklung braucht einfach Schreien, Brüllen, Raufen"

Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln, im RTL-Interview
Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln, plädiert für mehr Bewegung im Kinder-Alltag.
© RTL

Denn das viele Zuhausebleiben und die mangelnde Bewegung hat nicht nur körperliche Folgen, sondern hinterlasse auch seelische Narben bei den Kleinsten unserer Gesellschaft. "Leider ist es so, dass die Kinder darunter wirklich stark leiden", sagt Ingo Froböse. Unter anderem zeige sich aktuell, dass den Kindern die Ventile für ihre Emotionen fehlten, wodurch sich bei ihnen auch häufiger Aggressivitäten bildeten. "Kindliche Entwicklung braucht einfach Schreien, Brüllen, Raufen, Toben, Gruppenzusammengehörigkeit zu finden - auch mal wirklich zu kämpfen." Durch solche Aktivitäten werde die Persönlichkeit gebildet. "Wenn wir das nicht haben, bleibt die Individualisierung der Persönlichkeit auf der Strecke."

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Um das zu ändern, seien nun die Familien gefordert, so der Experte. Es sei an der Zeit, "das Wohnzimmer freizuräumen", mal wieder "über Tisch, Stühle und Bänke zu gehen" und in der Familie zu raufen und toben. Auch Tanzspiele eigneten sich gut für die gemeinsame Zeit in den eigenen vier Wänden. "Die Kreativität gibt da ganz viele Freiräume, dass man auch in der Familie etwas übt."

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Doch auch von der Politik fordert Ingo Froböse ein Umdenken. Er wünscht sich, "dass die Regierung die wissenschaftliche Meinung anderer Wissenschaftsdisziplinen akzeptiert." Nicht nur virologische, sondern auch psychologische oder verhaltenstherapeutische Fragestellungen seien in Betracht zu ziehen. Sein Vorschlag, um den Bewegungsmangel beim Nachwuchs zu bekämpfen: eine tägliche Sportstunde. "Das wäre die richtige Antwort in Schulen!", so Froböse gegenüber RTL.

"RTL – Wir helfen Kindern“ startet Aktion "Fit durch den Frühling“

Viele Kinder haben keinen Zugang zu Sport- und Bewegungsangeboten. Hier hilft die Stiftung RTL nachhaltig. Helfen auch Sie mit, dass alle Kinder fit durch den Frühling kommen und gesund bleiben. Schicken Sie jetzt per SMS einfach das Kennwort "KINDER" an die 44 8 44 und helfen Sie mit 10 Euro. Jeder Cent kommt an. Danke.

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