Vialli nach Schock-Diagnose mit Mancini zur EM

EM-Titel nach Krebsdiagnose: "Bro"-Duo schreibt italienisches Märchen

12. Juli 2021 - 16:27 Uhr

Mancini und Vialli holen gemeinsam den EM-Titel

Europameister Italien hat eine der magischsten EM-Geschichten geschrieben. Denn einen großen Anteil am EM-Titel hat ein besonderes Duo: Trainer Roberto Mancini und sein Assistent Gianluca Vialli. Sie verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft, die vor anderthalb Jahren eine Tragödie überstand. Kurz nach Viallis Krebs-Diagnose holte Mancini seinen alten Freund als Delegationsleiter zur Squadra Azzurra. Auf den gemeinsamen EM-Triumph folgte ein emotionaler Ausbruch, den Mancini auf der Pressekonferenz versuchte in Worte zu fassen – im Video.

"Er ist wie ein Bruder für mich"

dpatopbilder - 11.07.2021, Großbritannien, London: Fußball: EM, Italien - England, Finalrunde, Finale im Wembley-Stadion. Fußball: EM, Italien - England, Finalrunde, Finale im Wembley-Stadion. Italiens Trainer Roberto Mancini (l) und Gianluca Vialli,
Mit Tränen in den Augen umarmen sich Gianluca Vialli und Roberto Mancini nach Italiens EM-Triumph gegen England
© dpa, Christian Charisius, jai

Die Connection zwischen den beiden Trainern geht schon so weit zurück, dass sie zusammen ein Buch verfasst haben. 1991 feierten die beiden als Spieler einen riesigen Erfolg, gemeinsam holten sie bei Provinzclub Sampdoria Genua den Meistertitel der Serie A in Italien.

"Unsere Beziehung geht weit über Freundschaft hinaus", sagt Mancini: "Er ist wie ein Bruder für mich." Daher war es ihm auch ein besonderes Anliegen, Vialli Ende 2019 zur Nationalmannschaft zu holen. Niemand sprach es offen aus, aber es war auch eine Gefälligkeit, eine Art Therapie. Vialli hatte ein Jahr zuvor die Schock-Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhalten.

Die monatelange Chemotherapie mergelte den einstigen Sturmtank aus. Um keine mitleidigen Blicke oder Kommentare zu erhalten, "habe ich unter meinem Hemd einen Pullover getragen", verriet Vialli später. Auch seinem Kumpel erzählte er zunächst nichts, Mancini erfuhr erst über Umwege von der Erkrankung. Und der "Fratello" (Bruder) half sofort.

Vialli ist ein Kämpfer

Viallis Arbeit im Team ist aber vielmehr als Symbolik. Als Motivator und Ratgeber vor allem für die Talente im Team hat der frühere Torschützenkönig der Serie A seinen Anteil am Triumphzug. Genau wie damals bei Sampdoria Genua, als der leichtfüßige Mancini und der dynamische Vialli den Provinzclub zu Meisterehren und zum Sieg im Europacup der Pokalsieger (1990) führten, ergänzen sich "Mancio und Luca" auch jetzt perfekt.

Neben Mastermind und "Hirn" Mancini fungiert Vialli als Vorbild mit Kämpferherz. Er ist "eine Inspiration für alle", schrieb die italienische Zeitung "La Repubblica."

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Mancini und Vialli leben Freundschaft vor

Soccer Football - Euro 2020 - Round of 16 - Italy v Austria - Wembley Stadium, London, Britain - June 26, 2021 Italy coach Roberto Mancini celebrates with delegation chief Gianluca Vialli after Italy's Federico Chiesa scores their first goal Pool via
Fratello mio!
© Pool via REUTERS, LAURENCE GRIFFITHS, mb

Die ungekünstelte "Bromance", die sich in innigen Umarmungen im Jubelrausch zeigt, beflügelt das Team. Mancini und Vialli leben mit ihrer Freundschaft vor, was sie auf dem Platz von ihren Spielern verlangen: bedingungslos zusammenstehen, Widerstände überwinden, an sich glauben. Die Serie von 34 ungeschlagenen Spielen kommt nicht von ungefähr. "Das ist die mannschaftlichste Mannschaft aller Zeiten", sagte Abwehr-Routinier Leonardo Bonucci.

Die Unbeschwertheit früherer Jahre, als Mancini und Vialli von der Hafenstadt Genua aus oft mit dem Motorboot ins Casino nach Monte Carlo gebrettert waren, ist zwar vorbei. Aber ihre Freundschaft lebt. "Roby sagt, dass wir alt geworden sind", erzählt Vialli, "aber dieses gemeinsame azurblaue Abenteuer hält uns jung."

Das große Ziel: der EM-Titel

Vialli gilt medizinisch zwar als krebsfrei, aber er selbst fühlt anders. "Der Krebs ist ein unerwünschter Reisebegleiter, der einfach zu mir in den Zug gestiegen ist", beschreibt es der 57-Jährige. Er müsse "mit gesenktem Kopf weiterfahren" und könne nur hoffen, "dass dieser ungebetene Gast eines Tages müde wird und mich einfach verlässt". Bis dahin heißt es kämpfen, "denn es gibt noch so viele Dinge in diesem Leben, die ich schaffen möchte".

Der Europameister-Titel ist nun Teil seines Kampfes und seiner Reise. Weinend lagen sich Mancini und Viallo nach dem erfolgreichen Elfmeterschießen im Wembleystadion in den Armen – zum Abschluss eines weiteren Kapitels der besonderen Geschichte der beiden Brüder im Geiste. (msc/ swi/ sid)