Ein Jahr nach der Katastrophe

Baby Lou kam inmitten der Ahrtal-Flut zur Welt – so geht es ihr heute

Inmitten der Katastrophe kam Lou zur Welt 1 Jahr nach der Flut im Ahrtal
02:03 min
1 Jahr nach der Flut im Ahrtal
Inmitten der Katastrophe kam Lou zur Welt

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von Romy Schiemann und Niklas Ullrich

Auf den ersten Blick scheint alles normal zu sein bei Familie Streidt. Mutter Jenna und ihr Mann Lazarus leben mit ihren vier Kindern und den Großeltern unter einem Dach und es sieht so aus, als würden sie einfach nur renovieren und neue Möbel aufstellen wollen.

Doch der Schein trügt. Die vergangenen zwölf Monate waren für die Familie eine riesengroße Herausforderung mit vielen Stolpersteinen und einer unsicheren Zukunft.

Lichtblick in dunkler Zeit

Jenna und ihre Liebsten leben nämlich in Bad Neuenahr-Ahrweiler im Ahrtal, das im Juli 2021 von einer verheerenden Flutkatastrophe heimgesucht wurde und bei der nicht nur tausende Menschen ihr Zuhause verloren, sondern auch 189 Menschen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz starben. Eine schreckliche Situation für die gesamte Region und für Deutschland.

Inmitten all dieses Unglücks gab es für Familie Streidt aber auch einen Lichtblick und dieser hat den Namen Lou. Das kleine Mädchen erblickte nur wenige Tage nach der Katastrophe das Licht der Welt und bekam von all dem nichts mit. Doch so klar war das nicht.

Als das Wasser nämlich anstieg, war Jenna hochschwanger und musste mit ihrer Familie aus dem Erdgeschoss in den ersten Stock fliehen und hoffen, wie sie im Gespräch mit RTL-Reporterin Romy Schiemann im vergangenen Jahr erzählte: „Es war ein ganz blödes Gefühl, als die Flut kam. Man fragt sich: Bleibt die Kleine drin? Überleben wir die Nacht? Die Schwangerschaft war bis dahin ja nicht ohne und die Geburt hätte jederzeit losgehen können. Da kann man schon mal Angst bekommen.“

Familie Streidt ist glücklich, dass Lous gesund ist.
Mama Jenna mit Lou auf dem Arm und daneben ihr Mann Lazarus.
RTL

Oma beobachtete Wasserstand

Weil zu diesem Zeitpunkt bereits der Strom abgestellt und Hilfe nicht in Aussicht war, schaute Jennas Mutter mit einer Taschenlampe immer wieder nach, inwiefern sich der Wasserstand geändert hatte. Sie hätten alle in dem Haus noch eine Etage höher gekonnt, doch das wäre aufgrund des fehlenden Platzes weitaus gefährlicher gewesen.

Glücklicherweise wollte Lou in dieser Nacht aber noch nicht raus. Zwar wurde der untere Teil des Familienhauses durch die Flutmassen zerstört, die Familienmitglieder blieben aber körperlich unverletzt. Nur seelische Schäden trugen sie davon, aufgrund des Erlebten und durch den Anblick des geliebten Hauses.

Die Bauarbeiten gehen nur langsam voran.
Jenna und Lazarus stehen im Haus, das immer noch renoviert wird.
RTL

Geburt in evakuiertem Krankenhaus

Die hochschwangere Jenna konnte daraufhin bei ihrer Schwester Nadine, die ein paar Kilometer weiter wohnt und nicht von der Flutkatastrophe betroffen war, unterkommen. Allerdings nicht allzu lang, denn schon kurz darauf machte sich Lou bemerkbar und die dreifache Mutter musste ins Krankenhaus gebracht werden, um das vierte Kind zur Welt bringen zu können.

Und es war allerhöchste Zeit: Nur zwei Minuten, nachdem sie in dem evakuierten Krankenhaus ankamen, wurde die Geburt eingeleitet, sodass Jenna auch nicht mehr in ein anderes Krankenhaus, das ohne Schaden geblieben war, gebracht werden konnte.

Nach der erfolgreichen Geburt war die Erleichterung bei allen Beteiligten groß. Lou war gesund und Jenna durfte sogar mit ihrer neugeborenen Tochter noch drei Tage mit zu ihrer Hebamme nach Hause, damit sie sich bei etwaigen Notfällen kümmern konnte.

Erleichterung bei der Familie

Jetzt, ein Jahr später, besuchte RTL-Reporterin Romy Schiemann die Familie wieder und konnte mit ansehen, wie Lou bereits laufen gelernt hat. Die stolze Mutter ist trotz all der Umstände froh: „Lou entwickelt sich prächtig, sie läuft, seitdem sie 10 Monate alt ist. Sie wird bald 1 und hat viel Spaß mit ihren älteren Geschwistern.“

Zwar berichtete Jenna, dass die Bauarbeiten in dem Haus nicht so vorangehen, wie man sich das wünsche und es ein Jahr nach der Flut noch sehr schlimm aussehe, gleichzeitig ist sie aber auch froh, dass sie alle die Flut so gut überstanden haben.

Mutter und Lou beim Spielen.
Mutter Jenna freut sich, wie sich Baby Lou entwickelt und groß wird.
RTL

Wünsche für die Zukunft

Für die Zukunft hat die vierfache Mutter auch ganz genaue Wünsche: „Ich wünsche mir, dass unsere Heimat wieder schön, so wie sie war, und wir weiterhin so gut zusammenhalten. Jeder hier war für jeden da und wenn wir auf diese Weise weitermachen, wird es auch wieder schön werden.“

Dem kann man nichts hinzufügen und man kann nur hoffen, dass die Menschen im Ahrtal bald wieder ein normales Leben ohne Trümmer und Zerstörung führen können.