Heftige Kritik für Schulleiter

Dresscode-Zoff an Schule in Bayern: Bauchfrei-Verbot für Schülerinnen - aus Rücksicht auf andere Kulturen

"Anstößige Kleidung" wie bauchfreie T-Shirts oder zu knappe Shorts sind an der bayerischen Realschule nicht erwünscht. (Symbolbild)
"Anstößige Kleidung" wie bauchfreie T-Shirts oder zu knappe Shorts sind an der bayerischen Realschule nicht erwünscht. (Symbolbild)
© SementsovaLesia

13. Mai 2022 - 16:11 Uhr

Einige Lehrer mit Migrationshintergrund sollen sich offenbar durch bauchfreie T-Shirts gestört fühlen, deshalb sollen sich die Schülerinnen "angemessen" kleiden – so das Argument des Schulleiters der Ebersberger Realschule in Bayern. Für viele ein absolutes No-Go – auch für die männlichen Schüler. Die protestieren jetzt für ihre Mitschülerinnen bauchfrei gegen das Verbot, wie der Münchner Merkur berichtet.

Anstößig versus angemessen

Die seit 2007 bestehende Hausordnung der Ebersberger Realschule besagt, "anstößige Kleidung" würde nicht geduldet. Kleiderordnungen für beide Geschlechter gibt es an vielen Schulen, doch hier sollen jetzt nur Mädchen auf bauchfreie Kleidung verzichten. Anlass sollen Lehrer gewesen sein, die sich über zu freizügig gekleidete Schülerinnen beschwert hatten.

Schule als "weltoffene Gesellschaft"

Das neue Argument des Schulleiters Markus Schmidl: Man müsse Rücksicht nehmen auf Lehrer aus anderen Kulturkreisen, die Schule sei "weltoffen". "Das Recht des Einzelnen hört da auf, wo sich andere gestört fühlen", so der Schulleiter gegenüber dem Münchner Merkur. Doch wo beginnt die Diskriminierung der eigenen Persönlichkeitsentfaltung? Die Kritik bei den Eltern und im Netz ist riesig.

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Verbote seien nicht mehr zeitgemäß

Eltern kritisieren vor allem die mangelnde Kommunikation. Sie sollen im Vorfeld nicht über die unter den Schülerinnen und Schülern heiß diskutierte Thematik informiert worden sein, so der Münchner Merkur. Die Kritik können sie offenbar nachvollziehen: Ge- und Verbote, die nur Mädchen betreffen, seien nicht zeitgemäß.

Shitstorm im Internet

Auch die Meinungen im Netz sind eindeutig: Die Begründung der Schule sei unverantwortlich. Viele empfinden das Argument als diskriminierend für die eigene Freiheit und Selbstbestimmung in Deutschland. Das bietet vor allem Rechtspopulisten viel Zündstoff.

Versöhnliche Stimmen

Einige sehen in der riesigen Debatte aber auch viel Lärm um nichts und verweisen auf die Hausordnung. Immerhin habe Schulleiter Markus Schmidl offenbar bereits die Klassenlehrer gebeten, die Thematik im Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern zu besprechen. (lho)