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Drei Selbstmorde in einer Woche: Was ist an Bord des US-Flugzeugträgers "George Washington" passiert?

Marine ermittelt

Drei Selbstmorde in einer Woche - Was ist an Bord des US-Flugzeugträgers passiert?

Der Flugzeugträger USS George Washington im südchinesischen Meer.
Was ist an Bord des US-Flugzeugträger passiert? Hat die Kommando-Etage etwas mit den Selbstmorden zu tun?
ABACA

Es sind unglaubliche Vorfälle, über die gerade US-Medien berichten. Haben sich mehrere US-Marinesoldaten im April dieses Jahres selbst umgebracht, weil sie der Führungsstil auf einem Flugzeugträger des Navy derart überfordert hat? Dieser Verdacht drängt sich zumindest auf, wenn sich gleich vier Männer an Bord das Leben nehmen. Insgesamt sollen es sogar sieben Tote sein.

"Toxische Atmosphäre" an Bord

Beschwerden über die Lebensqualität und eine toxische Atmosphäre – so beschreibt die demokratische Kongressabgeordnete Elaine Luria die Zustände auf dem US-Flugzeugträger USS George Washington. Luria ist selbst Marineveteranin und kennt sich mit den Gepflogenheiten an Bord eines so großen Schiffes aus. Disziplin und harte Umgangsformen sind an der Tagesordnung. Dass sich aber gleich mehrere Besatzungsmitglieder innerhalb kürzester Zeit das Leben nehmen, ruft die Politikerin auf den Plan.

„Jeder dieser Todesfälle ist eine Tragödie“, schrieb sie in einem Brief an den Chef der US-Marine Admiral Michael Gilday. Sie fordert die die Aufklärung und Maßnahmen zum Schutz der Besatzung.

Verdacht: Selbstmord wegen psychischer Belastung

Erste Maßnahmen wurden bereits ergriffen: 200 Mitglieder der Besatzung haben, nachdem der Kapitän es ihnen gestattet hatte, das Schiff auf eigenen Wunsch verlassen und leben nun auf einen Militärstützpunkt in der Nähe.

Denn der Verdacht ist brisant: Zwar sind die Umstände der Suizide und der anderen Todesfälle noch unklar. Der US-Sender CBS berichtet allerdings, dass die Mannschaft in der Vergangenheit schon öfter über schlechte Lebens- und Arbeitsbedingungen auf dem Flugzeugträger berichtet hatte – offenbar ohne Erfolg. Das Schiff liegt im Trockendock und wird dort seit 2017 komplett überarbeitet und gewartet. Rund 420 Soldaten leben währenddessen auf dem Schiff, um die Wartungsarbeiten zu unterstützen.

Soldaten auf dem US-Flugzeugträger George Washington.
Marine zieht erste Konsequenzen: Mehr als 200 Besatzungsmitglieder haben den US-Flugzeugträger George Washington inzwischen verlassen.
Guzman, Ricardo, R, MC3, ABACA, dpa

Ermittlung soll Ursache klären

Wie ernst die Lage an Bord offenbar aber ist, zeigt die Tatsache, dass die Marine inzwischen eine Untersuchung eingeleitet hat. Die soll den Umgang der kommandierenden Offiziere mit der Besatzung unter die Lupe nehmen.

„Wir haben einen Ermittlungsoffizier damit beauftragt, dies zu untersuchen und wirklich die unmittelbare Ursache zu ermitteln“, sagte der Chef der US-Marine-Luftstreitkräfte im Atlantik John Meier. Zu untersuchen sei auch, ob zwischen den Todesfällen eine Verbindung gebe. Erste Ergebnisse dieser Untersuchung sollen schon diese Woche vorliegen.

Selbstmorde kein Einzelfall

Offenbar sind die rätselhaften Todesfälle auf der USS George Washington aus dem April aber kein Einzelfall. Seit dem Beginn der Wartungsarbeiten 2017 sollen insgesamt sieben Matrosen ums Leben gekommen sein. Neben den drei Selbstmorden sollen bereits im Dezember 2021, im Juli und Oktober 2020 und im November 2019 vier weitere Soldaten ums Leben gekommen sein. Auch hier seien Selbstmorde nicht auszuschließen, so CBS.

Und auch auf einem anderen Flugzeugträger – der USS George HW Bush – kamen 2019 während der Wartungsarbeiten vier Besatzungsmitglieder ums Leben. Auch hier soll es sich laut CBS um Selbstmord gehandelt haben. (sst)

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