Hoher Wasserverbrauch, schlechte C02-Bilanz

Kakao, Rindfleisch & Co: Diese Lebensmittel sind echte Klimakiller

Manche Lebensmittel schaden dem Klima deutlich mehr als andere. Wir verraten, welche
Manche Lebensmittel schaden dem Klima deutlich mehr als andere. Wir verraten, welche
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05. Oktober 2021 - 16:17 Uhr

Bei diesen Lebensmitteln meldet sich unser Umwelt-Gewissen

Klar, die meisten wählen ihr Essen danach aus, ob's schmeckt und vielleicht noch gesund ist. Aber nach der CO2-Bilanz oder dem Wasserverbrauch? Immerhin haben die meisten Menschen schon mal gehört, dass der CO2-Fußabdruck von Rindfleisch desaströs ist. Aber hätten Sie gedacht, dass Kakao das Lebensmittel mit dem weltweit höchsten Wasserverbrauch ist? Und dass Tomaten viel weniger Wasser bei der Aufzucht benötigen, auch wenn Ihre Balkontomate immer durstig zu sein scheint und als wasserreiches Lebensmittel gilt? Es lohnt sich also, die Umweltbilanz der Lebensmittel zu kennen, wenn man seinen ökologischen Fußabdruck verbessern will.

Kaffee – 140 Liter Wasser für eine einzige Tasse

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Latte Macchiato, Cappucino oder Espresso - sie alle verbrauchen viel mehr Wasser als das im Glas
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Man könnte leicht denken, dass man ordentlich Wasser spart, wenn man Espresso trinkt statt Filterkaffee – schließlich passen in eine Espressotasse maximal 70 ml statt der üblichen 200 ml in einem Henkelbecher. Aber das sind "Peanuts" im Vergleich zu den 140 Litern an virtuellem Wasser, die beim Herstellen einer Tasse Kaffee verbraucht werden. Jawohl, einer einzigen Tasse.

Unter virtuellem Wasser versteht man nicht das Leitungswasser, mit der Kaffee aufgebrüht wird, sondern die Menge an Wasser, die im gesamten Produktionsprozess aufgewendet wird – also vom Gießen der Pflanzen über das Waschen der Bohnen bis hin zu Wasser, das beim Reinigen oder beim Transport verschmutzt wird. Auch wenn Kritiker monieren, dass dabei auch Regenwasser mitgerechnet wird, käme selbst dann eine stattliche Menge zusammen, wenn man den Regen wegließe. Und nicht alle Pflanzen wachsen in regenreichen Gebieten. Auf ein Kilo Kaffe kommt so durchschnittlich 21.000 Liter virtuelles Wasser – je nach Anbaugebiet.

Die CO2-Bilanz von Kaffeebohnen ist übrigens auch nicht gerade rosig: Zwischen 59 und 100 Gramm C02 entstehen bei der Herstellung einer Tasse Kaffee, also rund fünf Kilo CO2 pro Kilo. Eine Alternative wäre Tee, der sowohl beim Wasserverbrauch als auch bei der CO2-Bilanz besser abschneidet.

Kakao und Schokolade- hier sündigt man nicht nur Kalorien

Einer aktuellen Studie zufolge besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem in Kakao enthaltenen Flavonoid (-)-Epicatechin und einem gesunden Herz-Kreislauf-System
Kakao ist gut für Herz und Gefäße - aber der Wasserverbrauch ist enorm
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Lecker ist Kakao, keine Frage, aber alles andere als ein nachhaltiges Produkt. Es fängt mit der Kinderarbeit auf vielen Kakaoplantagen in Ländern wie Ghana oder Elfenbeinküste an. Die Monokultur laugt den Boden aus und könnte dafür sorgen, dass von den jetzigen Kakaoanbaugebieten im Jahr 2050 nur noch 10 Prozent ertragbringend nutzbar sind. Entweder gibt es weniger Kakao und die Preise steigen, oder es werden weitere Regenwaldgebiete abgeholzt, um neue Anbauflächen zu schaffen – ein Teufelskreis. Und die CO2-Emissionen? Pro Tafel weißer Schokolade fallen 400 Gramm CO2-Äquivalent ein, also auf jedes Kilo Schoki 4 Kilo CO2. Die restlichen Zutaten sind auch nicht gerade umweltfreundlich, nehmen wir nur die Milch oder das Palmöl.

Beim CO2-Äquivalent berechnet man nicht nur den konkreten Ausstoß an CO2, sondern auch anderer Emissionen wie Methangas, das Rinder ausscheiden – ihre Umweltschädlichkeit wird dabei umgerechnet im Vergleich zu der von CO2.

Und dann der virtuelle Wasserverbrauch! Mit 27.000 Litern pro Kilo Kakaobohnen sind Kakao und Schokolade Spitzenreiter bei den Wasser-Sündern. Pro Tafel Schokolade im Schnitt 1.700 Liter Wasser – je nach Gewicht und Kakaoanteil. Selbst wenn wir unseren Kakao hell trinken, schwimmen da schnell 500 Liter und mehr an virtuellem Wasser zusätzlich in unserer Tasse. Und da haben wir von der Milch noch gar nicht geredet. Apropos:

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Butter, Käse & Co - tierische Produkte sind nicht gut für die Umwelt

Butter und Käse sind wegen ihrer CO2-Emissionen nicht gut für die Umwelt
Butter und Käse haben keine gute CO2-Bilanz
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Schätzen Sie mal: Wie viel Liter Wasser braucht's für ein Kilo Butter? 4.800 Liter! Bei Käse sind es sogar im Schnitt 5.600 Liter, je nach Sorte. Da steht Milch mit "nur" 1.000 Litern fast schon gut da. Mit eingerechnet sind der Wasserbedarf für die Futterpflanzen, das Wasser, das die Kühe trinken und das, was der Bauer verbraucht, zum Beispiel beim Reinigen des Stalls, sowie die Molkerei beim Weiterverarbeiten. Wenn wir zum Frühstück ein Glas Milch von 200 Millilitern trinken oder auf unser Müsli schütten, stehen dahinter 200 Liter virtuelles Wasser.

Wesentlich stärker fällt hier die CO2-Belastung ins Gewicht: im Schnitt 24 Kilo CO2 pro Kilo Butter, für das Kilo Käse 8,5 Kilo CO2. Die Faustregel lautet: Je fetter der Käse, desto geringer sind die Emissionen. Das Ausgangsprodukt Milch benötigt 1,5 Kilogramm CO2 pro Liter bei der Gewinnung.

Eine Alternative zu Butter wäre Pflanzenmargarine, als Milchersatz gibt es eine ganze Reihe von Pflanzendrinks wie Hafermilch. Und veganen Käse gibt es in immer mehr Sorten.

Rindfleisch hat keine gute Umweltbilanz

Wer beim Steak nicht nur an den saftigen Fleischgeschmack denkt, kommt unweigerlich auf die äußerst ungünstige CO2-Bilanz: "Pro Kilo Rindfleisch werden umgerechnet 13,3 Kilo CO2-Äquivalent freigesetzt. Ein großer Faktor hierbei: Methangase. Sie entstehen beim Verdauungsprozess, werden von den Wiederkäuern sozusagen in die Atmosphäre gerülpst und gepupst und sind 10 bis 20 Mal schädlicher als CO2. Zum Vergleich: Die gleiche Menge Mischbrot produziert 0,75 Kilo CO2-Äquivalent, Äpfel 0,5 Kilo und Tomaten 0,2 Kilo", rechnet Greenpeace vor.

Damit man sich das vorstellen kann. Bei der Produktion eines 250-Gramm-Steaks entsteht so viel CO2 wie bei einer 20-Kilometer-Fahrt mit einem Mittelklasse-Pkw. Laut Statista.de ist der C02-Wert bei Bio-Rindfleisch sogar noch höher als der Durchschnitt. Die Tiere werden mit Sojaschrot gefüttert. Um mehr Anbauflächen für die enormen Mengen Futter zu schaffen, wird übrigens Regenwaldareal gerodet.

Doch auch der Wasserverbrauch der Rinderzucht ist enorm: Bis zur Schlachtreife trinkt ein Rind im Schnitt 24.000 Liter Wasser. Dazu kommt das virtuelle Wasser, das für Futter und den landwirtschaftlichen Wassereinsatz. Da kommen pro Kilo Steakfleisch 15.500 Liter zusammen – 111 Badewannen voller Wasser.

Wenn es schon Fleisch sein soll, wäre Wild eine Alternative, etwa Wildschwein oder Reh. Selbst helles Fleisch wie Huhn kommt auf 3,7 kg CO2 – im Vergleich also auf 6 Kilometer mit dem Pkw pro 250-Gramm-Portion Fleisch. Der Wasserverbrauch liegt bei 4.000 Liter Wasser pro Kilo. Immerhin weniger als beim Rind.

Reis - beim Anbau entsteht Methangas

Beim Reisanbau wird klimaschädliches Methangas freigesetzt - durch Bakterien
Beim Reisanbau wird klimaschädliches Methangas freigesetzt - durch Bakterien
© pizmovka (pizmovka (Photographer) - [None], Photographer: Pizmovka

Doch es ist für die eigene Klimabilanz nicht automatisch besser, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Ein Kilo roher Reis kommt auf eine virtuelle Wasserbilanz von 3.470 Litern – und da haben wir ihn noch nicht gewässert, um die Arsenrückstände auszuspülen, und noch nicht in Wasser gekocht. Dazu 3 kg Co2 – so viel wie 21 gefahrene Kilometer mit dem Auto.

Die meisten klimaschädlichen Gase entstehen übrigens nicht beim Transport der Reissäcke, sondern beim Anbau. In den großen Nassflächen bilden sich nämlich Bakterien, die Methangase ausscheiden – wie die Kühe. 600 Millionen Tonnen Reis werden übrigens jedes Jahr weltweit angebaut. Und jetzt rechnen Sie das mal in Autofahrten um!

Avocado - Superfood mit ganz viel Durst

Die Avocado hat als Superfood eine erstaunliche Karriere hingelegt und muss gleichzeitig viel Kritik einstecken. Denn für ein Kilo Avocado werden mehr als 1.000 Liter Wasser verbraucht. Ein Kilo, das sind gerade mal drei Früchte. Gut, im Vergleich zum Kakao oder zum Rindfleisch mutet das wenig an, aber sogar Orangen "kosten" nur die Hälfte des wertvollen Guts Wasser.

Die CO2-Bilanz fällt trotz des langen Transports noch halbwegs moderat aus, aber in Ländern wie Mexiko werden illegal Wälder abgeholzt, um die umweltschädlichen Avocado-Monokulturen hochzuziehen – unter Beteiligung lokaler Gangsterbanden. Vor allem werden die Avocados oft künstlich bewässert – und zwar aus Trinkwasservorräten in Ländern, in denen der Zugang zu sauberem Wasser ohnehin nicht für alle Menschen selbstverständlich ist.

Mandeln - oft künstlich bewässert und damit nicht gut fürs Klima

Mandelbäume brauchen viel Wasser
Durstige Pflanzen: Mandeln werden meist künstlich bewässert
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Nüsse und Samen sind wichtige Bestandteile in einer ausgewogenen Ernährung. Doch sie haben auch einen hohen virtuellen Wasserverbrauch, allen voran Mandeln. Sie werden oft in trockenen Gebieten angebaut, nicht nur in Spanien, sondern allen voran Kalifornien – gerade dort also, wo Wasser ohnehin nicht in rauen Mengen vorhanden ist. 10.000 Liter virtuelles Wasser ist die traurige Öko-Bilanz – und ein guter Teil davon aus künstlicher Bewässerung. Die CO2-Bilanz fällt zwar geringer aus als bei der Kuhmilch, aber dafür ist der Wasserverbrauch zehn mal so hoch. Zudem gilt die Mandelproduktion in Kalifornien nicht als bienenfreundlich. Die Bienenstämme werden von Monokultur zu Monokultur transportiert und sind dort Pestiziden ausgesetzt. Tierschützer sehen einen Zusammenhang mit dem weltweiten Bienensterben.

Ein Ersatz wären Hasel- oder Walnüsse, Kastanien heimischer Herkunft oder Hafermilch als Alternative zur Mandelmilch.

Wie kann man's besser machen?

  • Auf Siegel wie Fairtrade, Biokreis oder Bioland achten
  • Besorgungen im Bioladen oder auf dem Wochenmarkt erledigen
  • Einkaufen nach dem Motto: regional, saisonal, unverarbeitet und am besten bio und pflanzlich
  • Lebensmittel mit niedrigem Wasserverbrauch sind z.B. Karotten, Kartoffeln, Erdbeeren, Salat

Noch mehr Tipps, wie wir unseren CO2-Verbrauch in der Küche senken können, finden Sie hier.

Ein erster Schritt zu einer bewussteren Ernährung ist auf jeden Fall das Wissen darüber, welche Lebensmittel unsere Ressourcen auf der Erde schonen und welche nicht. Wenn man dann noch "klimasündigt", dann vielleicht zumindest seltener und in Maßen. Wenn das alle machen, ist es auf jeden Fall ein Anfang. (mzi)