Krankheiten im Vergleich: Covid-19, Grippe & Co.

Wie viele Personen steckt ein Erkrankter im Durchschnitt an?

Krankheiten im Vergleich: Covid-19, Grippe & Co.
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26. März 2020 - 12:33 Uhr

Wie ansteckend sind einzelne Infektionskrankheiten?

Für alle gilt: Um uns und andere zu schützen, bleiben wir momentan zuhause. Die Gefahr vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist groß. Doch wie viele Personen steckt ein an Covid-19 Erkrankter eigentlich an? Wir machen den Vergleich mit Grippe, Masern & Co. - und da stellt sich heraus: das Coronavirus ist nach jetzigem Wissenstand ansteckender als viele andere Erreger.

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Ansteckungsrate von Infektionskrankheiten im Vergleich

Ähnlich wie die Grippe wird auch das Coronavirus über die Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Vor allem durch Händekontakt, Anhusten oder Niesen wird das Virus an andere Menschen weitergegeben.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) hat die vorläufige Ansteckungsrate von Covid-19 mit anderen Krankheiten verglichen. Anhand der sogenannten Basisreproduktionszahl, auch R0-Wert genannt, kann man sehen, wie viele Menschen sich bei einem Krankheitsfall im Durchschnitt anstecken. Liegt der R0-Wert beispielsweise bei 2, dann überträgt ein Erkrankter die Infektion auf zwei weitere Menschen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird der R0-Wert von Covid-19 auf 2-3 geschätzt. Das HZI sagt sogar, dass der Wert etwas höher ist, nämlich bei 2-4. Ähnlich sind übrigens die Werte, die für die Spanische Grippe von 1918 bis 1919 bekannt sind.

So viele Personen steckt ein Erkrankter im Durchschnitt an:

  • Ebola: 1,5 bis 2 Personen
  • Saisonale Grippe: 1,5 Personen
  • Pocken: 3 bis 5 Personen
  • Masern: 13 bis 18 Personen
  • Sars: 2 bis 4 Personen
  • Mers: 0,8 bis 8 Personen
  • Covid-19: 2 bis 4 Personen

Wichtig: Nicht nur das Virus selbst ist für die Ansteckungsgefahr verantwortlich. Auch das politische und soziale Verhalten kann beeinflussen, wie viele Menschen sich infizieren.

Vergleich mit anderen Infektionskrankheiten schwierig

Doch warum ist das Coronavirus im Vergleich zu Infektionen wie Masern oder Pocken - die eine wesentlich höhere Ansteckungsrate haben - aktuell trotzdem gefährlicher? Das liegt hauptsächlich an drei Faktoren: Lange Inkubationszeit, hohe Mortalität und fehlende Impfung.

Lange Inkubationszeit

Die durchschnittliche Inkubationszeit von Covid-19 beträgt 5,1 Tage. Es ist aber auch möglich, dass von der Infektion bis zu dem Auftreten erster Symptome 11,5 Tagen vergehen. Eine Isolation von möglichen Überträgern ist daher sehr schwierig. Denn auch wenn der Überträger keine Symptome aufweist, kann eine Übertragung von Mensch zu Mensch stattfinden. Zum Vergleich: Die Inkubationszeit der saisonalen Grippe liegt laut dem Robert Koch-Institut bei ungefähr 1-2 Tagen.

Hohe Mortalitätsrate

Die Mortalitätsrate - auch Sterblichkeitsrate genannt - gibt an, wie viele Todesfälle es an einer bestimmten Erkrankung im Verlauf eines Beobachtungszeitraums gab. Wie viele Menschen an den Folgen einer Covid-19-Infektion sterben, kann bisher nur geschätzt werden. In China schätzt die WHO, dass 3,4% der Infizierten sterben - in Italien liegt der Wert derzeit bei bis zu 5%.

Manche Experten halten diese Zahlen allerdings auch für zu hoch. Einige Infizierte zeigen nur leichte oder gar keine Symptome auf, weswegen sie sich erst gar nicht testen lassen. Diese Menschen fehlen dann in der Statistik, wodurch die Zahlen ungenau werden. Bei einer saisonalen Grippe liegt die Mortalitätsrate normalerweise unter 0,1 Prozent, so die WHO.

Ein Impfstoff muss noch entwickelt werden

Ein Impfstoff und Medikamente für Covid-19 gibt es bisher nicht, auch wenn mögliche Impfstoffe schon in der Testphase sind. Jedoch kann man sich gegen diverse Influenzaviren impfen lassen. Dadurch sind wir zwar nicht gegen Covid-19 geschützt, verhindern aber andere Lungeninfektionen. Dadurch sind wir immuner gegen eine Ansteckung mit Sars-CoV-2, so die Begründung der Berliner Gesundheitsverwaltung, die eine entsprechende Empfehlung herausgegeben hat. Experten raten vor allem älteren und chronisch kranken Menschen, sich gegen Keuchhusten, Pneumokokken und auch gegen die reguläre Grippe impfen zu lassen.