„Ich habe die Stiko kritisiert und das ist keine Majestätsbeleidigung“

Streeck und Lauterbach zoffen sich bei Illner

Karl Lauterbach und Hendrik Streeck
Karl Lauterbach und Hendrik Streeck vertreten unterschiedliche Ansichten.
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„Das hat so einen Wahlkampfstil, der in einer Pandemie nicht angebracht ist"

Über die Haltung der Ständigen Impfkommission geraten Lauterbach und Streeck aneinander. Streeck wirft Lauterbach vor, dass er zur Spaltung der Gesellschaft beitrüge, indem er die Stiko attackiere. Streeck sagte: „Das hat so einen Wahlkampfstil, der in einer Pandemie nicht angebracht ist. Ich bin nicht im Wahlkampf. Ich möchte pragmatische Lösungsvorschläge machen!“ Lauterbach kontert: „Ich habe die Stiko kritisiert und das ist keine Majestätsbeleidigung.“ Doch auch bei anderen Themen sind die beiden nicht einer Meinung.

Lauterbach: Öffnungen senden falsches Signal

NRW überraschte in dieser Woche mit der Ankündigung, ab diesem Freitag weitgehend zu lockern. Lauterbach findet das viel zu früh, Streeck lobt das in der Talkshow als Experiment. „Wir müssen ja ausprobieren, welche Maßnahmen funktionieren“, so Streeck, der auch im Expertenrat des Landes sitzt.

Lauterbach findet, die Öffnungen würden ein falsches Signal, vor allem an junge Leute senden. „Wenn man das noch retten will, müssen wir den Impfstoff dorthin bringen, wo wir diese Leute treffen.“

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Impfen in der Shisha-Bar und Co.: Man müsse "sehr kreativ sein"

Um die gebremste Impfkampagne wieder in Schwung zu bringen, fordert Lauterbach unkonventionelle Maßnahmen. Man sollte hier „sehr kreativ“ sein, um Impfstoff zu den Menschen zu bringen, sagte Lauterbach. „An die Shisha-Bars beispielsweise, in die Ausgehmeilen“, fügte er hinzu. „Wo die jungen Leute sind, da muss es möglich sein, dass die sich impfen lassen können, mit mobilen Impfteams, ohne jeden Aufwand“, riet der SPD-Politiker.

Maas schlage "Boris-Johnson-ähnliche Öffnung" vor

Lauterbach widersprach außerdem der Ansicht von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), wonach coronabedingte Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger schon im August fallen könnten. "Nein, das wird nicht stattfinden und ist auch rein rechnerisch weit von der Realität", sagte er. Maas schlage damit eine "Boris-Johnson-ähnliche Öffnung" vor. Das Impftempo sei jedoch stark zurückgegangen. Das Land sei "niemals in der Lage, schon Mitte August oder Ende August auf eine Herdenimmunität zu kommen", die in irgendeiner Weise eine solch drastische Öffnung möglich machen würde. Zudem reichten die Impfstoffmengen nicht aus, bis August jedem ein Impfangebot zu machen. "Alle Schleusen zu öffnen", sei nicht zu rechtfertigen. Dann drohten hohe Fallzahlen und medizinische Konsequenzen "einschließlich Long Covid".

Zum Erreichen der Herdenimmunität brauche es 85 Prozent Geimpfte, so Lauterbach. Fatal sei, dass teilweise der Eindruck entstehe, die Pandemie sei vorbei.